Testbericht

Lautsprecher Martin Logan Summit X

Im neuen Summit X (16800 Euro das Paar) verknüpft Martin Logan aktiv gesteuerte Konusbässe mit einem Foliendipol zum vermutlich besten Hybridstrahler aller Zeiten - hier exklusiv im Test.

Lautsprecher Martin Logan Summit X

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Lautsprecher Martin Logan Summit X

Die Ankündigung lässt aufhorchen: Dipolspezialist Martin Logan bringt mit dem neuen Summit X ein Hybridmodell, bei dem das Zusammenspiel aus dynamischen Konustieftönern und elektrostatischem Folienpaneel erstmals völlig bruchlos gelingen soll, ohne die gefürchteten Schwammigkeiten bei Grundton und Bass.

Lautsprecher Martin Logan Summit X

© Julian Bauer

Im voluminösen Teil des Gehäuses schuften zwei Basstreiber. Einer strahlt nach vorne, der andere nach unten.

Interessant ist diese Neuentwicklung auch deshalb, weil das Thema traditionell Stoff für endlose Diskussionen bietet. Und weil die als Ursache vielfach kolportierten Masse- und Tempodifferenzen zwischen den "schweren" Basschassis und den pro Flächeneinheit ungleich leichteren Folienstrahlern nicht der wirkliche Grund sind. Dabei werden nämlich gerne zwei Dinge übersehen.

Dem an sich leichten Elektrostaten steht seiner größeren Fläche wegen eine ungleich höhere Luftlast entgegen, was seinen Gewichtsvorteil stark relativiert. Bei dynamischen Tieftönern ist die bewegte Masse kein Negativkriterium, sondern vielmehr ein wichtiger Bestandteil ihrer Funktion und Abstimmung.

Der Grund des Unbehagens ist das unterschiedliche Rundstrahlverhalten. Dipole werfen zu den Seiten hin kaum Schall, konventionelle Bässe hingegen sehr wohl. Die Folge sind raumwinkelabhängige Anhebungen und Auslöschungen im Übergangsbereich, wo beide Systeme nennenswert zum Schalldruck beitragen - was ähnlich klingt wie fehlabgestimmte Frequenzweichen oder falsch dimensionierte Magnete bei konventionellen Boxen.

Lautsprecher Martin Logan Summit X

© Julian Bauer

Besonders fatal: Die Übernahme erfolgt bei fast allen Hybriden im Grundtonbereich der menschlichen Stimme, wo unser Gehör auf solche Unpässlichkeiten besonders sensibel reagiert. Beim Summit X sind es 270 Hertz.

Rein mechanisch ist Logans jüngster Streich ein Hybrid wie andere auch. Das hoch aufragende Folienelement besitzt als vorne wie hinten offener Dipolstrahler das Rundstrahlverhalten einer liegenden Acht, wie im unteren Teil der roten Skizze dargestellt.Seine beiden jeweils 10 Zoll großen Konusbässe (einer davon im Sockel nach unten blickend) sind jeweils für sich gewöhnliche Kugelstrahler mit ungerichteter Abstrahlung. Beide arbeiten frei von Strömungsgeräuschen in geschlossenen Kammern, betreut von getrennten Endstufen mit jeweils 200 Watt.

Darin ähnelt der neue Summit seinem Vorgänger ohne "X" (siehe stereoplay 7/2005), der ebenfalls über zwei Basstreiber verfügte, jedoch ohne die im Folgenden erläuterte Art der Beschaltung.

Lautsprecher Martin Logan Summit X

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Die Ansteuerung im Tiefbass unterhalb etwa 100 Hertz (obere Grafik) erfolgt zeit- und frequenzsynchron, was ein kugelförmiges Rundstrahlverhalten ergibt. Selektive Phasendivergenzen erzeugen mit wachsender Frequenz eine Richtwirkung, ab etwa 160 Hertz mit Dipolcharakter.

Die eingebaute elektronische Frequenzweiche steuert das Bassduo höchst trickreich: im Tiefstbass in Pegel und Phase synchron, in Richtung höherer Frequenzen jedoch zunehmend divergierend. So wird ein Teil der von den Chassis erzeugten Energie raumwinkelabhängig ausgelöscht, wodurch der Verbund am oberen Ende seines Übertragungsbereichs bei der Übernahmefrequenz von 270 Hertz ein Rundstrahlverhalten erreicht, das dem des Folienstrahlers sehr nahe kommt. So soll der Eindruck entstehen, es handle sich um eine vollkommen bruchlose Vollbereichsschallquelle, obwohl faktisch zwei höchst unterschiedliche Bauformen zugange sind.

Die Abmessungen blieben gegenüber dem Vorgänger nahezu unverändert. Die Verarbeitung wurde im Detail nochmals perfektioniert und entspricht nun auch hinsichtlich Haptik und Spaltmaßen höchsten europäischen Standards.

Im Hörraum konnten alle Beteiligten förmlich zusehen, wie der in natura überraschend zierlich wirkende Hybrid den vielzitierten Begriff der "Feindynamik" in eine neue Dimension erhob. Und wie Skeptiker gleich reihenweise seiner gefühlvollen, neutralen und rundum homogenen Spielweise erlagen.

So war es einmal mehr die Riege der Kastenboxen, die gegen den neuen Summit nicht nur alt aussah, sondern ebenso klang, deren beste Vertreter bei timingrelevanten Alben wie "In Between Dreams" des hawaiianischen Giarristen Jack Johnson erschreckend klebrig und gedeckelt tönten. Und weder tonal noch kräftemäßig einstufungsrelevante Vorteile verbuchen konnten.

Lautsprecher Martin Logan Summit X

© Julian Bauer

Neue, höhenverstellbare Spikes für verschiedene Böden und frequenzselektive Pegelregler verfeinern die Ausstattung.

So schlackenlos zupackend und doch zartfühlend wie der neue Summit X das beliebte Gute-Laune-Album darbot, so ansteckend unbeschwert und gewissermaßen "unplugged" klingen ausschließlich mit dynamischen Chassis bestückte Schallwandler wenn überhaupt erst in höheren Preislagen.

Und was ist mit der gefürchteten Bass- und Grundtonqualität? Gerade da weiß das neue Logan-Tonmöbel Spaßbuben wie Biobassjünger gleichermaßen für sich zu gewinnen, nicht zuletzt seiner Anpassungsmöglichkeiten wegen, die Betreibern von Passivboxen prinzipbedingt verwehrt bleiben.

Selbst Besitzer des Logan-Topmodells CLX (siehe Heft 1/2009), ein Vollbereichs-Elektrostat, werden anerkennen, dass der neue Summit in der Summe seiner Eigenschaften ein bislang kaum für möglich gehaltenes Klangniveau erreicht. Der große CLX kann seine bauartbedingten Defizite bei Belastbarkeit und Basstiefe mit seiner geringfügig größeren Homogenität nur teilweise ausgleichen. Erst mit zwei Subwoofern des Typs Descent i (ebenfalls stereoplay 1/2009) hält der große Logan den Summit X auf Distanz.

Kühle Rechner wählen deshalb den kleineren Bruder. Keine Kastenbox erreicht zu diesem Preis 64 Klangpunkte - für Logan-Kenner noch ein Grund mehr für maximale Zufriedenheit.

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