Testbericht

Lautsprecher nuVero 14

Lange wartete die Nubert-Fangemeinde auf umwälzende Neuheiten, doch nun kommt ein Paukenschlag: Die nuVero 14, für 3880 Euro, ist eine der aufwendigsten Passivboxen aller Zeiten und steckt voller Innovationen. Ihren Preis wert ist sie obendrein.

Lautsprecher nuVero 14

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Lautsprecher nuVero 14

Wie sagt der Volksmund so schön: Gut Ding  will Weile haben. Für den aufstrebenden schwäbischen Direktvermarkter Nubert scheint dieses Motto in besonderem Maße zu gelten, denn die Entwicklung des neuen  Topmodells mit dem klangvollen Namen nuVero 14 soll zwei volle Jahre verschlungen haben.Für eine Standbox mit zwar sieben einzelnen Chassis und dreieinhalb Beschaltungszweigen (dazu später mehr), aber ohne eingebaute Aktivelektronik, erscheinen solche Zeiträume in der Tat ungewöhnlich. Doch Projektleiter Thomas Bien und Ideengeber Günther Nubert wissen sehr genau, dass mit Standardkonzepten kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist, schon gar nicht für einen Direktvermarkter, der seine Kunden aus der Ferne überzeugen muss, wobei regelmäßige Testerfolge eine wichtige Rolle spielen.

Lautsprecher nuVero 14

© Julian Bauer

Die gerundete Schallwand ist in Metallic-Glanzlack gehalten, der etwas zurückspringende Korpus in mattem Nextel.

Was also ist dran am Topmodell nuVero 14, das mit einem Paarpreis von knapp 4000 Euro in zumindest für Nubert-Kunden ungewohnte Preisbereiche vorstößt? stereoplay schlüpfte in die Rolle des interessierten Kunden und konnte als erstes Fachmagazin die Neuentwicklung in eigenen Räumen begutachten, sprich hören und messen.

Dass Nubert Großes im Schilde führt, lässt schon der Name erwarten, denn schließlich steht das Wörtchen "Vero" im Italienischen für Wahrheit und Zuverlässigkeit. Konkret: sieben Einzelchassis, über 80 Weichenbauteile, Nennbelastbarkeit 440 Watt, Gewicht 52 Kilogramm, Leibeshöhe 1,40 Meter, untere Grenzfrequenz 28 Hertz.

Manch einer mag schon aus den Eckdaten schließen, dass die Schwaben auch in der Luxusklasse versuchen, besonders viel Lautsprecher fürs Geld zu bieten. Dabei sind manche Angaben sogar ausgesprochen konservativ. So widersteht Nubert der weit verbreiteten Unsitte, Eckfrequenzen im Bass auf praxisfremde Bezugspunkte 12 Dezibel unterhalb der Mittenempfindlichkeit zu beziehen, und erlaubt ganze 3 Dezibel Abweichung. Anders ausgedrückt: Die 28 Hertz sind kein Phantasiewert, sondern (etwa bei Orgelmusik) körperlich fühlbar.

Lautsprecher nuVero 14

© Julian Bauer

Die wichtigen kleinen Schalter liegen versteckt im Anschlussterminal. Zwei Traversen aus Edelstahl dienen der Standsicherheit.

Den außergewöhnlichen Tiefgang erreicht die von höhenverstellbaren Edelstahltraversen gestützte Standbox durch eine Kombination aus schwergewichtigen Schwingsystemen, brettharten Glasfasermembranen und kräftigen Antrieben. Die Basschassis tragen dickwulstige Gummisicken, wie sie sonst eher in aktiv entzerrten Subwoofern zu finden sind.

Die Verteilung der Basslast auf vier Chassis und zwei rückseitige, bodennahe Reflexrohre dient einer besonders gleichmäßigen Raumanregung. Solche weitläufigen Tieftonschallquellen mit festen Laufzeitverhältnissen lassen einen besonders sauberen und druckvollen Bass erwarten, den gängige Kombinationen aus separaten Subwoofern und schmalbrüstigen Satelliten nur unter sehr günstigen Umständen erreichen können.

Mit einer sensationell aufwendigen Frequenzweiche, die insgesamt vier Platinen belegt, will die nuVero 14 sowohl bei der Gleichmäßigkeit des Rundstrahlverhaltens als auch beim Zeitverhalten neue Maßstäbe setzen. Beide Faktoren sind von elementarer Bedeutung für eine Sitzplatz-unabhängige Klangfärbung und die natürliche Darstellung orchestraler Zusammenhänge. Mehr über die Technik und ihre Auswirkungen im Beitrag "Träge war gestern".

Lautsprecher nuVero 14

© Julian Bauer

Neben einem der Basschassis (links) mit seiner wulstigen Gummisicke wirkt einer der Mitteltöner zierlich. Der Hochtöner (rechts) trägt ein Schutzgitter.

Dahinter steckt eine neuartige, zum Patent angemeldete Berechnungsmethodik, die es ermöglichen soll, die Impulstreue von Filtern erster Ordnung mit der ungleich größeren Sperrwirkung komplexerer Bauformen zu verknüpfen.

So ungewöhnlich wie die Beschaltung ist auch die Auswahl und Anordnung der Chassis. Ein vom norwegischen Spezialisten Seas gefertigter, in langer Feinarbeit auf äußerste Signaltreue getrimmter Gewebekalotten-Hochtöner bildet mit zwei ungewohnt kleinen Mitteltönern (nur zirka 11 Zentimeter Durchmesser) eine doppelsymmetrische Anordnung, die unterhalb von 700 Hertz durch zwei Bässe flankiert wird.

Zwei weitere Tieftöner ganz unten sind nur bei sehr tiefen, so gut wie nicht ortbarten Frequenzen im Spiel. Nach der branchenüblichen Zählweise ist das Nubert-Topmodell ein Dreieinhalbwege-System mit einem akustischen Zentrum am Ort des Hochtöners.

Lautsprecher nuVero 14

© Julian Bauer

Das über vier Platinen (zwei davon links an der Rückseite der Anschlusswanne) verteilte Netzwerk umfasst rund 80 Bauteile. Die Kondensatoren (grau, gelb und rot) sind Folientypen höchster Qualität. Ziel ist eine maximale Linearität im Frequenz- wie auch im Zeitbereich.

Die ursprünglich als Breitbänder konzipierten Mitteltöner strahlen dank ihrer geringen Membranfläche und der messerscharfer Begrenzung ungewohnt breit. Die bei älteren Nubert-Modellen mit größeren Mitteltönern erkennbare Einschnürung im Präsenzbereich bei größeren Raumwinkeln ist damit Geschichte.

Gleichzeitig liegt hier einer der Gründe, warum eine nuVero 14 deutlich knackiger und lebendiger klingt als etwa eine nuLine 122, obwohl deren Frequenzgänge im Bereich der Hauptbezugsachse senkrecht zur Boxenfront fast deckungsgleich verlaufen.

Das mehrfach versteifte und penibel bedämpfte Gehäuse wirkt zeitlos. Die Schallwand ist leicht gerundet und etwas breiter als der Korpus, wodurch die objektiv sehr große Box ein wenig filigraner wirkt.

Wie bei den meisten Modellen des Hauses sitzen im Anschlussterminal Schalter zur tonalen Anpassung an Raum und Geschmack. Beim neuen Flaggschiff sind  es deren drei, woraus sich zwölf Variationsmöglichkeiten ergeben. Was die Schalter im Einzelnen bewirken, steht im Beitrag "Für alle Räume gerüstet".

Lautsprecher nuVero 14

© Julian Bauer

Anthrazitgrau ist die zweite Farbvariante neben Perlweiß. Abdeckgitter (rechts) sind Serie.

Im Hörraum der Tester ergab die Kombination "Sanft" (Höhen) und "Prägnant" (Mitten) den stimmigsten Eindruck. Große, hemmungslos malträtierte Konzertflügel, die kaum eine Box wirklich fehlerfrei abbilden kann, meisterte die nuVero 14 monitorhaft neutral und präzise. Selbst im äußersten Forte blieb der Klangcharakter lupenrein und extrem straff. Mit dieser auffallend trockenen Spielweise war ein leichter Hang zur Nüchternheit verbunden, der rein subjektiv nicht jedermann zusagen dürfte, zumindest nicht jenen, die eine schwelgerische Darstellung bevorzugen.

Dann der große Check in Sachen Timing, und zwar mit einer riesengroßen japanischen Trommel, deren rasantes Ausschwingen müde Boxen blitzartig entlarvt: So knallhart und unbekümmert wie die nuVero 14 meisterte keine andere preislich vergleichbare Box diese schwierige Hürde.

Die zum Vergleich herangezogene, in den Mitten deutlich geschmeidigere Statement von Heco (4000 Euro, Heft 1/2008) agierte bei diesem temporeichen Klangbeispiel eindeutig gesetzter. Nubert hat nicht zuviel versprochen: Seine neue 14 ist ein Technologieträger vom Allerfeinsten.

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