Testbericht

Lautsprecher Quadral Aurum Orkan VIII

Traditionshersteller Quadral bestückt seine Orkan VIII (2800 Euro das Paar) der achten Generation mit edelsten Zutaten. Zum verlockend günstigen Preis.

  1. Lautsprecher Quadral Aurum Orkan VIII
  2. Datenblatt
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Quadral Aurum Orkan VIII

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Ins Gehäuse zurückversetzt, wirken die Basschassis kleiner als der Mitteltöner.

Mal ganz ehrlich: Welches Technikprodukt außer Markenlautsprechern arbeitet klaglos zwanzig Jahre oder noch länger? Die berühmte Waschmaschine von Miele vielleicht, aber kaum jene allseits beliebten Mobilgeräte, die Vielen inzwischen wichtiger sind, als eine solide HiFi-Anlage.

Nach durchschnittlich eineinhalb Jahren, so erzählen Branchenkenner, sind Handys, MP3-Spieler und Artverwandte entweder verloren, geklaut, aus Versehen in besagter Waschmaschine gelandet oder so veraltet, dass allein aus technischen Gründen ein Nachfolger her muss. Was auf Dauer gewaltig ins Geld geht. Hochwertige HiFi-Boxen mögen einem anfänglich teurer kommen als iPhone und Co, halten aber ungleich länger, und sind garantiert zukunftssicher.

Quadral Aurum Orkan VIII

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In der Seitenansicht erkennt man eine leichte Neigung. Der Spannrahmen ist stoffbezogen.

Ein Hersteller, der den Beweis für die Haltbarkeit seiner Produkte längst angetreten hat, ist der Hannoveraner Boxenhersteller Quadral. Seine Klassiker aus den 80ern und 90ern mögen klanglich nicht mehr so ganz auf der Höhe der Zeit sein, funktionieren aber vielfach noch wie am ersten Tag.

An ihrer Lebensdauer gemessen sind vornehme Boxen keineswegs kostspielig. Ein Pärchen Orkan (Made in Germany) kostet in Echtholz budgetschonende 2800 Euro. Für weitere 400 Euro betreten sie die Bühne in aufwendigem Klavierlack und werden spätestens dann zu Einrichtungsgegenständen vom Allerfeinsten.

Quadral Aurum Orkan VIII

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Die Seitenwangen ragen ein klein wenig über die Rückwand hinaus, so dass das Terminal von der Seite gesehen kaum in Erscheinung tritt. Die Anschlussklemmen sind sehr gut zugänglich.

Da weder Schaumstoffsicken noch Papiermembranen zum Einsatz kommen - beide altern schneller - ist mehr noch als bei Legenden früherer Jahre mit einer langen Lebensdauer zu rechnen. Zweiter großer Kaufanreiz ist die Zugehörigkeit zur Aurum-Baureihe, in der die Niedersachsen ihre edelsten Zutaten einsetzen. Dazu zählt neben einem sehr soliden Terminal unter anderem ein klangfördernder Silberanteil in der Innenverkabelung.

Technisch handelt es sich um die achte Generation, deren größere Vertreter Montan, Vulkan und Titan etwas später folgen. Glanzpunkt ist ein verfeinerter Bändchen-Hochtöner, der mit dem ursprünglich von Technics (heute Panasonic) gebauten Typ der frühen Aurum-Generationen nur noch die Bauform gemeinsam hat.

Bauarttypisch nutzt der Hochtöner eine flache, mit Leiterbahnen beschichtete Folienmembran. Die Magnetkraft stammt aus irrwitzig starken Neodymstäben. Der Benefit ist physikalischer Natur: Wenig Masse, viel Antrieb. Bei aller Verwandschaft mit den legendären Vorgängern ist die aktuelle Bändchen-Generation erheblich höher belastbar, arbeitet frequenzlinearer und komprimiert weniger.

Quadral Aurum Orkan VIII

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Der weiterentwickelte Bändchen-Hochtöner basiert auf einer dünnen Folienmembran, die in einem Feld stabförmiger, sehr starker Magnete schwingt. Die Membran ist bei dieser Bauform glattflächig und nicht wie beim sogenannten Air-Motion-Transformer vielfach gefaltet. Großer Vorteil der Bauform ist die in Relation zu den Antriebskräften betont geringe bewegte Masse. Daraus resultiert unter anderem eine extreme Übertragungsbandbreite bis über die Hörgrenze hinaus, ohne störende Peaks oder Resonanzen. Frühere Modelle litten bisweilen unter knappen Belastbarkeitsreserven und größeren Exemplarstreuungen. Heute sind die Systeme robust.

Mitten und Bässe verwenden Konusmembranen. Ihr Hauptbestandteil ist Aluminium mit Beimischungen aus Titan und Magnesium. Die drei gleich großen Chassis unterscheiden sich hinsichtlich ihres Antriebs und der Einbaulage. Während der Mitteltöner konventionell mit der Schallwand verschraubt ist, sind die zwei Bässe etwas zurückversetzt. So entsteht eine druckerhöhende Kammer vor den Tieftönern, die im energieträchtigen oberen Bassbereich die Empfindlichkeit um mehrere Dezibel verbessert. Damit keine tonalen Verfärbungen entstehen, werden die aber von der Frequenzweiche teilweise wieder einkassiert.

Der Kniff erspart den Chassis einen Teil der sonst notwendigen Hubarbeit, wodurch Verzerrungen gemindert werden. Die "Gitterstäbe" vor den Tieftönern bestehen aus Gummifäden, die sich klanglich völlig neutral verhalten.

Die Flankensteilheiten der Frequenzweiche sind abhängig vom Zweig. Mittel- und Tieftöner trennen sich mit phasenschonenden Filtern erster Ordnung. Der Hochtöner ist mit einem Weichenzweig vierter Ordnung viel steiler angekoppelt. So wird das Bändchen wirksam von Frequenzen entlastet, die es bauartbedingt nicht mag.

Und was bringt die neue Orkan den Ohren? So viel, dass Besitzer älterer Aurum-Modelle ziemlich von den Socken wären, wenn sie im direkten Vergleich feststellen müssten, wie hingebungsvoll die nur gut einen Meter große Orkan zur Sache geht.

Quadral Aurum Orkan VIII

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1) Der sehr große Mitteltöner hat ein eigenes Gehäuse. 2) Die beiden Tieftöner arbeiten auf eine Druck-Kammer. 3) Die Weiche für Bass und Mittelhochton ist getrennt. 4) Die pfiffige Gehäuseform verdeckt das Anschlussfeld.

Der Fortschritt ist so deutlich, dass selbst die größeren Typen Motan und Vulkan der Generationen fünf und älter gegen die Neuentwicklung nicht den Hauch einer Chance hätten. Dieser erfreuliche Umstand sollte all jenen zu denken geben, die der Meinung sind, HiFi würde immer teurer.

Doch auch neben modernen Konstruktionen konnte sich die neue Orkan bestens in Szene setzen. Insbesondere gelang ihr die Verbindung einer absolut vorwärtstreibenden Spielfreude mit audiophilen Tugenden wie tonaler Ausgewogenheit und samtiger Unaufgeregtheit.

Was dazu führt, dass der Hörer trotz enormer Detailfülle nie das Gefühl hat, seine Boxen würden künstlich musikalische Teilaspekte in den Vordergrund spielen.

Speziell in den obersten Lagen gelang der Orkan eine Genussgüte, die andere Hersteller meist nur mit deutlich teueren Beryllium- oder Diamantkalotten erzielen.

Erst bei sehr gewagten Pegeln verlor das Bändchen und mit ihm die gesamte Box ein wenig von ihrer Delikatesse. Dabei ist spätpubertäre Pegelbolzerei bei der Orkan gar nicht notwendig. Die klingt nämlich schon bei Zimmerlautstärke wunderbar transparent.

Quadral Aurum Orkan VIII

HerstellerQuadral
Preis2800.00 €
Wertung56.0 Punkte
Testverfahren1.0

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