Lautsprecher

Leedh E2 im Test

Kann das funktionieren: ein Lautsprecher nahezu ohne Gehäuse und ohne größere Bassmembranen? Ja. Der Lautsprecher Leedh E2 ist nur optisch betrachtet leicht und filigran, aber erstaunlich erwachsen im Klang.

Leedh E2

© Hersteller/Archiv

Leedh E2

Pro

  • grundehrliche, analytische Abstimmung
  • audiophiler Anspruch

Contra

Neben dieser Skulptur sollte stets eine Hinweis-Tafel stehen: "Dies ist ein Lautsprecher". Nicht jeder potenzielle Käufer würde das sofort erkennen - auch wir nicht.

Hinter Leedh ("Laboratoire d'Etudes et Developpements Holophoniques") steht Gilles Milot, ein freundlicher älterer Herr mit kurzen grauen Haaren, dem in Frankreich als einer Instanz in Sachen Lautsprecherbau gehuldigt wird. Sein hierzulande bekanntestes Werk: "Psyche" - eine Standbox, klassisch und extrem weit entfernt von der abgebildeten Schöpfung hier. Gilles Milot hatte schlichtweg keine Lust mehr auf alte Formen und konventionelle Chassis.

Er hat deshalb neue ersonnen: für seine Tief- und Mitteltöner eine 54- Millimeter-Membran aus Carbon. Die Treiber für die Bass-Einheiten sind dabei zwangsweise sehr langhubig ausgelegt; irgendwo muss der Bass ja herkommen. Die Magnetkonstruktion (aus Neodym) erlaubt einen Hub von +/- 12 Millimetern. Das ist stattlich. Außerdem befindet sich Ferrofluid im Luftspalt; das senkt die Verzerrungen.

Eine Bass-Einheit besteht jeweils aus zwei "Tieftönerchen" im 0,3-Liter-Gehäuse - Rücken an Rücken. Diese Push-Push-Anordnung hat sich auch schon bei Audio-Physic- oder T+A-Lautsprechern bestens bewährt und steht für hohe Verzerrungsarmut, weil sich Asymmetrien im Betrieb gegenseitig auslöschen.

Kaufberatung: 12 Standlautsprecher im Test

Bei der Entwicklung der Leedh-Speaker hatte Milot genau diesen Punkt im Fokus: möglichst geringe Verzerrungen. Ein Blick auf das Verzerrungsdiagramm in der Tabelle zeigt: Es ist ihm extrem gut gelungen. Oberhalb 300 Hertz zeigt der E2 keinerlei Verzerrungen. Das ist sensationell.

Ein Leedh E arbeitet mit zwei Bass-Einheiten: eine direkt im Standfuß, ein weiteres Paar knapp unter dem frontal ausgerichteten Mitteltöner. Über allem thront ein Hochtöner: ebenfalls mit einer Membran aus Carbonverbund. Alle Komponenten werden am Firmensitz nahe Paris gefertigt und zu dieser Skulptur gefügt.

Leedh E2

© Hersteller/Archiv

Ein flankierender Subwoofer muss nicht sein: In kleinen bis mittleren Räumen zaubern die Push-Pull- Zylinder einen erstaunlich beherrschten Bass. Die Antriebsspulen treiben die Carbon-Kuppeln dabei in einen Ferrofluid-Ölfilm.

Viel mehr Sein als Schein

Man braucht ein Korrektiv zu diesem verwirrenden Lautsprecher. Ganz umfassend wird diese Verwirrung, wenn man die Lautsprecherkabel anlegt, den Verstärkerknauf nach rechts dreht und die ersten Töne vernimmt. Dann gerät der Glaube an die alte Physik zwar nicht ins Wanken, aber in die positive Irritation. Zuerst staunten wir über einen stattlichen Maximalpegel: 100 Dezibel sind zwar nicht die Welt, aber doch viel mehr als wir diesem filigranen Gebilde zugetraut haben.

Die zweite Überraschung ist die klangliche Geschlossenheit. Da flutete tatsächlich ein sehr komplettes Klangbild den Hörraum. Dann der Eindruck eines stattlichen und tatsächlich beherrschten Basses. Kann, darf das sein...?

Praxis: Lautsprecher richtig aufstellen und einwinkeln

Schnell griffen wir zur CD unseres Jubiläumsheftes (5/13) und ließen Harry Belafontes "InThe Evenin' Mama" erklingen. Der Track entlarvt Showboxen sofort. Die Rauminformation ist offen und hell, die Instrumentalversammlung dynamisch,Belafonte selbst muss kantig vor der Boxenebene erscheinen. Der Leedh lag angenehmauf Analysekurs, löste mühelos komplexeste Hochton- Passagen auf und modellierteBelafonte wunderschön plastisch in den Hörraum.

Schnell wurde auch klar: Dieser Lautsprecher sollte nicht auf den Hörplatz angewinkeltwerden, sondern parallel zum Sofa aufspielen. Nicht zu weit entfernt von der Rückwand,sonst verlieren die Mitten an Korpus.

Standlautsprecher B&W 802 Diamond

© Wolfram Eifert

Der Leedh E2 spielt in der gleichen Preisklasse wie der B&W 802 Diamond.

Im direkten Vergleich mit dem B&W 802 Diamond

Ein Wunderlautsprecher? Das wäre zu viel gesagt. De facto kommt der Leedh nur auf eine untere Grenzfrequenz von 73 Hertz. Und der Fachhändler verlangt 16.000 Euro für ein E2-Paar. In diese Preisklasse gehört etwa auch ein B&W 802 Diamond (14.000 Euro, 64 Punkte). Der direkte Vergleich düpierte den Leedh zwar nicht völlig, zeigte aber die Limits auf.

Passende Musik zum Thema und zum Wagner-Jahr: "Ein unerhörtes, nie gesehenes Wunder!", der reißerische Lohengrin- Auftritt in der neuen Einspielung von Marek Janowski (Pentaton, SACD). Großes Opern-Kino mit starken dynamischen Aufschwüngen, Chor, Einzelstimmen, Mischfarben und Beckenschlag.

Der Leedh E2 bildete Wagners Musik gerade im Grenzbereich zwischen Bass und Mittennicht so souverän ab wie der sehr viel größere B&W. Da geriet das Timing um den Taktschwerpunkt ins Vage. Und beim Maximalpegel geht ihm schnell die Puste aus.

Die Grenzen des Konzepts

Nach harten Punkten bewertet, liegt der Leedh deshalb in der Rang-und-Namen-Liste nicht im Feld vergleichbarer Preis- Leistungsmodelle der Konkurrenz. Man zahlt die schöne, gehäusefreie Erscheinung. Das Gesamtkonzept ist aber nicht nur schön und schlau, sondern auch grundehrlich: Uns gefällt die showfreie Abstimmung.

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