Testbericht

LG GD880 Mini

Dass es sich beim LG GD880 Mini um das neue Aushängeschild von LG handelt, lässt bereits die aufwendige Verpackung erahnen. Diese ist in Schwarz und Silbergrau designt - Farbtöne, in denen auch das Handy schimmert - und zeigt die Konstruktionszeichnungen des Hoffnungsträgers in vier Ansichten samt Maßlinien und Bohrungen.

  1. LG GD880 Mini
  2. Datenblatt
LG GD880 Mini

© Archiv

LG GD880 Mini

Pro

  • Rutschfestigkeit
  • knapp 90 Gramm Gewicht
  • Erstklassig verarbeitet
  • satte Bässe und klare Höhen
  • Speicherkartenslot
  • Bluetooth
  • Kommunikationstalent

Contra

  • 5 Megapixel Hauptkamera
  • Schwachbrüstiger Akku
70,0%

LG hat die Erwartungen hoch gesteckt und spricht vom Beginn der "Ära einer neuen Generation von Touchscreen-Handys im Pocketformat". Kann das Mini diesem Anspruch gerecht werden?

Schmucke Schale

Material und Verarbeitung sind in jedem Fall preisverdächtig - der kapazitive, also auf Hautberührung ansprechende 3,2 Zoll große Touchscreen liegt unter einer Scheibe aus gehärtetem Glas; dass er schmierige Fettfinger nicht mag, überrascht nicht. Ein Metallrahmen ziert die Stirn- und Seitenflächen des LG GD880 Mini, während der matte und leicht gummierte Akkudeckel dem Handy Grip und somit Rutschfestigkeit verleiht.

LG GD880 Mini

© Foto: Hersteller

Die wichtigsten Funktionen auf dem Startscreen stehts im Blick.

Mit Außenmaßen von grob 100 x 50 Millimetern ist das LG GD880 Mini um einen Fingerbreit länger als eine Kreditkarte. Mit knapp 90 Gramm Gewicht zieht es weder die Hemdtasche nach unten noch beult es mit seinen elf Millimetern Bauhöhe die Hosentasche aus. Das kompakte Touchphone ist also schön handlich, aufgrund seiner sehr klar definierten Gehäusekanten liegt es in den ersten Stunden dennoch etwas sperrig in der Hand. Doch das ist Gewöhnungssache - das Fehlen von Rundungen kann der alles in allem sehr angenehmen Haptik jedenfalls kein Bein stellen.

Insgesamt wirkt das Gehäuse wie aus einem Guß - es gibt keine wackeligen Komponenten, kein nerviges Quietschen und vor allem keine staubsammelnden Spaltmaße. Selbst bei den planen Übergängen zwischen Display und Gehäusemantel sind beinahe keine Kanten zu spüren. Erstklassig verarbeitet und fest verankert ist auch die Abdeckkappe für den USB-Anschluss, der sich zwischen Ein-/Ausschalter und 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse auf der Gehäusestirn befindet.

Letztere bietet audiophilen Nutzern die Möglichkeit, ihre eigenen Kopfhörer anzuschließen. Aber auch das mitgelieferte Headset klingt ganz anständig und bringt recht satte Bässe und klare Höhen zu Gehör. Sein Vorteil: Kommt beim Musikhören ein Anruf rein, lässt sich dieser über das kleine Bedienpanel am Kopfhörer einfach annehmen und wieder beenden. Der Speicherkartenslot für eine maximal 32 Gigabyte große MicroSD-Karte versteckt sich hinter einem eleganten Schieberiegel an der rechten äußeren Seite. Dadurch kann die Karte auch während des Handybetriebs gewechselt werden, ohne dass dazu der Akkudeckel oder gar der Stromsammler herausgenommen werden müsste.

Netzwerker im Fokus

LG GD880 Mini

© Foto: Hersteller

Die 5-Megapixelkamera ist gut für Schnappschüsse und Spaßbilder.

Mittig oberhalb des Bildschirms sitzt der Telefon-Lautsprecher, direkt daneben ist eine kleine Kamera für Videotelefonie und Selbstporträts mit eher bescheidener Bildqualität platziert. Aber auch mit der mit 5 Megapixel ausgewiesenen Hauptkamera, die im Übrigen gerade mal eine Sekunde benötigt, bis sie funktionsbereit ist, lassen sich höchsten Spaßfotos aufnehmen - nicht zuletzt aufgrund eines fehlenden Fotolichts.

Das Kameramenü ist dennoch lobenswert: Der von eigenständigen Digitalkameras bekannte mechanische Drehknopf wird beim LG GD880 virtuell auf dem Touchscreen eingeblendet; verschiedene Bildmodi, Farbeffekte oder etwa die Höhe der Auflösung lassen sich somit bequem einstellen. Aufgenommene Bilder können einfach via MMS, E-Mail oder Bluetooth weiterversendet oder aber auch direkt auf den Servern von Facebook, Twitter und Co. geparkt werden.

Somit bedient LG auch die Bedürfnisse der stetig wachsenden Zielgruppe der Social Networker - und das ist auch gut so. Denn möchten Handys für die Zielgruppe der so genannten "digital natives" interessant sein - also für Nutzer zwischen 20 und 30 Jahren, die mit dem Internet aufgewachsen sind -, müssen sie in jedem Fall eine Anbindung an solche Netzwerke bieten.

Das LG GD880 Mini hält für die virtuelle Selbstdarstellung moderner Web-2.0-User vorinstallierte Applikationen für Facebook und Twitter bereit. Hierbei obliegt es dem Nutzer zu entscheiden, ob er sich die komplette Anwendung auf den Bildschirm laden oder ob er einfach ein entsprechendes Widget auf einem der drei frei gestaltbaren Homescreens platzieren möchte.

LG GD880 Mini

© Foto: Hersteller

Widgets können auf den drei Startbildschirmen beliebig platziert werden.

Die Widgets bieten allerdings nur einen Überblick über die aktuellen Statusmeldungen der Kontakte; wer Profile, Bilder und Videos betrachten und kommentieren möchte, muss dann doch die Facebook- beziehungsweise Twitter-Anwendung starten.

Was man bei dem ganzen Thema jedoch nicht aus den Augen verlieren darf: Solche Webdienste rufen Daten aus dem Internet ab - um Überraschungen bei der Mobilfunkrechnung zu vermeiden, sollte bei Nutzung unbedingt eine passende Datenoption beim Netzbetreiber gebucht sein. Die lohnt sich aber nicht nur für Netzwerker, sondern vor allem auch für den Einsatz des wirklich schicken Webbrowsers.

Kommunikationstalent

Mobiles Internet ist mit dem LG GD880 Mini ein echter Genuss. Das Display ist für die Darstellung von Webseiten ausreichend groß und löst mit 480 x 854 Pixeln auf einer Bildschirmdiagonalen von acht Zentimetern sehr hoch und filigran auf.

LG GD880 Mini

© Foto: Hersteller

Das Hauptmenü ist auf drei Bildschirmansichten gegliedert.

Dank Multitouch- und Doppeltipp-Funktion lassen sich Inhalte mit der vom iPhone bekannten Zwei-Finger-Steuerung bequem größer respektive kleiner zoomen. Das funktioniert ganz gut, wenn auch nicht so geschmeidig wie bei Apple. Eingebucht in einem kabellosen Netzwerk klappt der Seitenaufbau flott; im 3G-Betrieb sorgt der Datenbeschleuniger HSDPA mit brutto 7,2 Mbit/s für zügiges, aber je nach Netzversorgung nicht immer ruckelfreies Surfen. Wer mehrere Seiten gleichzeitig aufrufen möchte, kann problemlos zwischen den einzelnen Reitern wechseln.

Für uneingeschränkte Mobilität sorgt auch der kinderleicht einzurichtende E-Mail-Client. Dieser kann gleich mehrere IMAP- und POP3-Postfächer etwa von GMX oder Web.de verwalten und lässt sich auch von Haus aus an einen Microsoft-Exchange-Server andocken.

Die lokale Outlook-Synchronisation ist mithilfe des im Lieferumfangs enthaltenen Datenkabels und der PC-Software ebenfalls kein Problem. Somit darf das GD880 in Sachen Business sicherlich als smart gelten - ein echtes Smartphone ist es dennoch nicht.

Auf eigene Faust

Das liegt an dem proprietären, sprich LG-eigenen Betriebssystem, das mit der Benutzeroberfläche 3D S-Class arbeitet. Softtuning in der aktuell trendigen App-Store-Manier fällt beim LG GD880 Mini somit flach; immerhin lassen sich dank Java-Engine entsprechende Anwendungen von Drittanbietern installieren.

LG hat sein Userinterface kürzlich überarbeitet und das Hauptmenü mit großformatigen und somit gut bedienbaren Icons versehen. Diese sind auf drei Bildschirmflächen verteilt und lassen sich auf Wunsch auch verschieben; per Fingerwisch wird zwischen den drei Screens hin- und hergewechselt. Auch der Startbildschirm besteht aus drei mit Shortcuts, Widgets und Lesezeichen frei belegbaren Ansichten. So kann sich jeder Nutzer genau die Anwendungen auf den Homescreen legen, die für ihn am wichtigsten sind. Mit mehr als einem Dutzend Widgets bietet LG zudem die Möglichkeit, verschiedene Zugaben wie etwa das Notizfeld, eine Dualuhr oder RSS-Feeds ständig im Blick zu haben.

Unabhängig davon, auf welchem der drei Startscreens man sich befindet, bleibt das untere Bildschirmviertel stets mit den beiden Telefontasten und vier Icons für das Telefoninterface, das Adressbuch, SMS und das Hauptmenü stehen. Mit einem kurzen Tipp auf die obere Statusleiste klappt ein Schnellstartmenü für die Connectivity-Einstellungen, Profile und den Musicplayer auf.

Nur eine kleine Inkonsequenz ist dem insgesamt sehr gut durchdachten, logisch strukturierten und elegant umgesetzten Bedienkonzept anzukreiden: Während man die drei Startbildschirme endlos durchschieben kann - also nie auf einen äußeren Rand stößt - sind die Hauptmenüansichten fest in ihrer Dreiteilung verankert und können nur via Links-Rechts-Scrollen umgeswitcht werden.

LG GD880 Mini

© Foto: Hersteller

Das Textfeld ist nicht groß und geht in der Ansicht beinahe unter.

Diese Tatsache ist freilich leicht zu verschmerzen; schwerer wiegt das recht klein geratene Bearbeitungsfenster beim Schreiben einer SMS; hier muss der Tipper häufig hoch- und runter- scrollen, wenn er die Nachricht im Ganzen im Blick behalten will. Die einzelnen Tasten der in Querausrichtung eingeblendeten Qwertz-Tastatur sind zudem recht klein und erst nach einer gewissen Übungszeit sicher zu treffen.

Schwachbrüstiger Akku

Bei den Ausdauermessungen in der Testfactory hat das LG ordentlich Federn gelassen und musste nach nur 3,5 Stunden im typischen Nutzungsmix wieder ans Stromnetz - das ist schwach und liegt an dem mit 933 mAh recht kleinen Akku. Die Akustikwerte bewegen sich im hinteren Mittelfeld; die Empfangsqualitäten sind in Ordnung.

Den hohen Erwartungen ist das GD880 Mini insgesamt gewachsen und zeichnet sich - wenn auch nicht als echtes Smartphone - als smarter Alltagsbegleiter mit elegantem Design, markantem Innenleben und leider auch schwachem Akku aus.

LG GD880 Mini

  
HerstellerLG
Preis399.00 €
Wertung350.0 Punkte
Testverfahren1.0

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