Testbericht

Loewe AirSpeaker im Test

Mit dem AirSpeaker (750 Euro) erobert sich Loewe ein neues Revier. Das Soundsystem ist kein Klangzubehör für den Fernseher, sondern eine drahtlose iPod-HiFi-Anlage für den stilbewussten Youngster.

Loewe AirSpeaker

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Egal, was man posthum über Steve Jobs denken mag. Seine Aktivitäten zu Lebzeiten dürften Apple noch eine ganze Weile solide Einnahmen bescheren. Dritthersteller zahlen weiterhin Lizenzen, um an iPod, iPhones und iPads mit Zubehör andocken zu dürfen. Seit gut einem Jahr gehört auch die drahtlose Schnittstelle AirPlay zum Erlösmodell. Nur wer sich auf die streng geheimen Apple-Konditionen einlässt, darf über WLAN den in CD-Qualität übertragenen Ton vom jeden dazu fähigen Apple-Gerät empfangen und wiedergeben.

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Bunt ist das neue Schwarz: Die Intarsie auf dem Deckel ist in fast jeder Farbe bestellbar. Hochglanzlackiert sind sie alle. Schwarz und Weiß gibt es natürlich auch.

Dass sich dies zu lohnen scheint, beweisen die vielen Unternehmen, die sich trotz der stringenten Kontroll- und Lizenzbedingungen den AirPlay-Sticker auf die Verpackung heften möchten. Darunter tradionsreiche HiFi-Unternehmen wie B&W und JBL, Denon und Marantz. Mit Start im November gehört auch die deutsche Traditionsmarke Loewe dazu.

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Ein harmonisch abgestimmtes Soundsystem mit ausgeglichenem Frequenzgang. Der Maximalpegel ist für die kompakte Größe absolut ausreichend und geregelt; bevor es zu hörbaren Verzerrungen kommen könnte, wird der Bassanteil gedrosselt.

Eigentlich kennt man Loewe als Premium-Hersteller für TV-Geräte. Zwar gibt es seit einiger Zeit auch unterstützendes Klangzubehör aus dem fränkischen Kronach - beispielsweise Soundbars aus Kooperationen mit Yamaha, Satelliten-Boxen im Stil von Bose oder gar elegante und mit akustischem Aufwand und Ehrgeiz entwickelte Magnetostaten - aber eine vollkommen vom TV-Gerät losgelöste Produktreihe ist ein echtes Novum. Der Loewe AirSpeaker eröffnet nun diesen Reigen.

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Optisch hält er sich ganz eng an das unverwechselbare TV-Design. Eine kühle, elegante Aluminiumhaut umgibt den Quader, eine Intarsie in frei wählbaren Farben im Deckel verleiht den Schuss Individualität. Mit Anschlüssen auf der Rückseite für Netzstecker, USB-Kabel (um iPad und iPhone nebenbei mit Energie zu versorgen), Mini-Klinke für weitere Zuspieler und Ethernet-Buchse für die Anbindung an das lokale Netzwerk ist das Lautsprecher-System schon mit allem Nötigen ausgestattet. Die Einrichtung über das Ethernet ist übrigens nur für das erste Setup zwingend - danach macht der AirSpeaker seinem Namen alle Ehre und empfängt Audiosignale auch drahtlos durch die Luft.

Vier Tasten am Gerät reichen zur Bedienung. Die Lautstärke kann sowohl am Speaker als auch am AirPlay-Zuspieler kontrolliert werden. Die Taste namens "S" wie Source wählt die zuspielende Quelle aus: Aktivierter AirPlay-Modus leuchtet violett, der USB-Eingang blau. Aus dem Standby erweckt ihn entweder der Power-Knopf - oder ein per Netzwerk anklopfendes Signal. Überhaupt: Die Bedienung ist ein Kinderspiel.

Wer noch nie AirPlay benutzt hat, wird es kaum glauben können, wie simpel es wirklich ist. Egal, ob iTunes auf Mac oder PC oder einer der mobilen Apple-Player mit iOS-Betriebssystem als Quelle dient, im Netzwerk bereit stehende Wiedergabegeräte werden automatisch erkannt. Das AirPlay-Symbol erscheint dann flugs im Wiedergabemenü. Drauf klicken, Air-Speaker auswählen und schon erklingt der Titel aus dem Sound-Würfel.

Und das mit einer Kraft und Klarheit, die man ihm angesichts seiner Schuhkarton-Maße kaum zugetraut hätte. Das eingebaute 2.1-System mit zwei Hoch- und Mitteltönern und zwei Woofern vermochte DSP-entzerrt und -geregelt nicht nur erstaunlich laut aufzuspielen, sondern auch verblüffend räumlich.

Der AirSpeaker setzte Stimmen (wie bei der A-Cappella-Einlage "Sun Giant" der Fleet Foxes) und Instrumentenklänge (wie das Gitarrenspiel der Americana-Veteranen Calexico) akurater und greifbarer in den Vordergrund als der B&W Zeppelin Air (AUDIO 5/11). Dieser konterte zwar mit einem felsenfesten Bassfundament und mehr Grundton, aber der AirSpeaker gefiel - ähnlich wie eine B&O Beosound 8 - mit Eleganz und einer in sich stimmigen, klaren Abstimmung. Mehr Feingeist als Draufgänger, aber für eine Party immer zu haben.

Fazit

Schade, dass es in meiner Studentenzeit nicht schon solche Sound-Systeme gegeben hat. Kompakt, aber ausgeklügelt genug, um die ganze WG zu beschallen. Und obendrein sehr elegant. Mit AirPlay trifft der AirSpeaker auch noch den Zeitgeist und setzt auf ein unkompliziertes, unkomprimiertes drahtloses Streaming-Verfahren. Wer ihn besser auf dem Sideboard oder Regal statt auf dem Tisch platziert, erlebt enorm viel Klang von Loewe Junior.

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