Röhren-Vollverstärker

Lua 4545 L GS-autobias im Test

Der Wärmereflektor-Spiegel des Lua-Amps täuscht eine größere Anzahl von Röhren vor. Die braucht es gar nicht, der neue 4545 L klingt auch mit seiner echten Besatzung wahrlich gut genug!

Lua 4545 L GS-autobias

© Hersteller

Lua 4545 L GS-autobias

Pro

  • feiner, warmer und umfassender Klang
  • beachtliche Pegelreserven

Contra

Fazit

Lieber so als anders rum: Der neue 4545 L GS autobias erfuhr - ganz ehrlich gesagt - als x-testes Muster seiner Art eine relativ kühle Begrüßung. Erst bei näherer Beschäftigung kamen dann die Ohos und Ahas. Der Hörtest führte dann endgültig zu der Erkenntnis, dass man kühl empfangene später umso heißer lieben kann.

Aha, begrüßt der erfahrene High-Ender den neuen 4545 L, Helmut Lua hat von dem seit 1998 bewährten Verstärker mal wieder eine neue Version rausgebracht. Warum auch nicht? Bedeutete es schon damals eine prima Idee, die Röhren nicht nur auf den üblichen Chassis-Altar zu setzen, sondern in ein stabiles, kindersicheres Stahlblechgehäuse zu packen, hat Luas Baby auch heute jederzeit Zuspruch und Fürsorge verdient.

Lua 4545 L GS-autobias

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Die große neue Platine kontrolliert die Endstufen-Röhren. Von den Schraub-Cinchbuchsen führen Teflon-Koaxkabel

Röhrenauswahl

Den Einwand, dass es für die 3.000 Euro, die der 4545 L GS autobias mittlerweile kostet, auch schon gewichtigere und stärkere Röhren-Amps gäbe, entkräftet die nähere Betrachtung sofort. So kaufte der Bodensee-Anrainer für die Ausgangsstufen nicht irgendwelche dickeren Glaskolben ein, sondern ausschließlich EL 34, die der renommierte Petersburger Hersteller Svetlana mit dem "Winged-C"-Emblem versah. Und hatten bei anderer Gelegenheit auch die AUDIO-Tester diese Typen messtechnisch wie akustisch als die besten erkannt (siehe AUDIOphile 2/2012), ordert Lua mit Vorzug gut 10 Jahre gelagerte Ware - weil diese ganz und gar nicht verdirbt, sondern sich während dieser Zeit zur finalen, optimalen Reife entspannt.

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Damit gibt sich der Sipplinger aber längst nicht zufrieden. In mühevoller Fitzelarbeit selektiert er aus dem russischen Luxus-Röhrenkorb nicht nur optimal passende Duos und Quartette, sondern - unter entsprechender Begutachtung der Vorstufen-Röhren - optimale Verstärkungs-Teams heraus. Und kein Beinbruch, wenn nach Jahren eifrigen Musikhörens so eine Gruppe endgültig erlahmt: In seinem umfangreichen Lager findet Lua mit Sicherheit nicht nur nominellen, sondern säuberlichst ausgemessenen, probaten Ersatz heraus.

Lua 4545 L GS-autobias

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Im Falle der genannten automatischen Einmessung blitzt ein furioses LED-Feuerwerk auf. Dieses läuft wie das alltägliche Glimmen hinter einer dicken Glasscheibe ab.

Einmessung

Aber was passiert bei kleineren Röhren-Wehwehchen in der Zwischenzeit? Leicht vorzustellen, dass diese Frage den Röhrendoktor in mittlerweile nicht mehr hinnehmbarer Weise quälte, bis er jetzt mit dem 4545 L GS autobias endlich auf Abhilfe sann. Und zwar nicht auf eine, die Schraubendreher und Voltmeter erfordert. Und auch nicht auf eine Billigautomatik, die sich unaufgefordert an Bässen vergreift, sondern auf ein ebenso wirksames wie komfortables Remedium.

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Man könnte mal wieder... darf der Lua-Klient vergnüglich sinnieren - und dann setzt er via Fernbedienung, während die Musik für ein paar Sekunden verstummt, ein zünftiges Feuerwerk in Gang. Rot strahlende LEDs zeugen von emsiger Abgleicharbeit, blaue zeigen den glücklichen Abschluss an. Und zwar keinen ungefähren, sondern einen zu 99,75 Prozent genauen. Denn Lua setzt allein für diese Aufgabe, also für die Messung der Kathodenströme, der Gittervorspannungs-Nachregelung (und für die LED-Steuerung) einen Mikro-Controller, A/D- und D/A-Wandler sowie zahlreiche Operationsverstärker ein.

Lua 4545 L GS-autobias

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Den aus Japan bezogenen Störungs-übersprecharmen Schnittband-Netztrafo und die teuren blauen Langlebe-Elkos von Philips / Vishay gibt es sinst selten zu sehen.

Aufbau

Erhebt allein diese Maßnahme den vorgeblichen 98er in die Liga der Allermodernsten, setzte Helmut Lua nach wie vor das schon vom 4545L des Jahres 2009 bekannte Herzblut ein. Etwa die teuren Schnittbandkern-Netztrafos von Hashimoto (ein kleiner zweiter dient der Standby-Versorgung), deren ringförmige Kerne aus zunehmend breiter und dann wieder schmaler zugeschnittenen Eisenbändern bestehen. Und die völlig separate Spulen für den Ein- und für den Ausgänge tragen und mit dieser räumlichen Trennung trotz bestem magnetischem Schluss hochfrequenteres Stör-Übersprechen vermeiden. Oder die so sauteuren wie langlebigen 108-Grad festen, hellblauen Stromspeicher-Elkos von BC/Vishay, die beim Lua zu 4 x 200 die Gleichspannungen speichern müssen. 

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Bei dem ganz hohen EL-34-Anodenpotential wird doppelt gemoppelt, weil die separate Aufbereitung einer Halbspannung mit je 680 Mikrofarad und die spätere Zusammenfassung ein Plus an Sicherheit und an Störabstand bringt. Bei der SRPP-Schaltung (Shunt Regulated Push Pull), die schon der 98er-Lua besaß, gab es allerdings nichts zu verbessern. Wie eh und je reicht eine Dreipolröhre sowohl dem Gitter als auch der Kathode der nachgeschalteten Triode die Hand. Mit diesem Kunstgriff (der aber sorgfältige Justage erfordert!) wirkt diese als arbeits- und klirrvermindernde Stromquelle - und gibt in einem Aufwasch trotzdem relativ viel Ausgangsstrom ab.

Darüber freuen sich die folgenden - mit weiteren ECC-Doppeltrioden aufgebaute Phasensplitterstufen. Mit umso mehr Elan feuern sie über vergoldetete Platinenbahnen und verlustarme Wima-Folienkondensatoren die Winged-C-Gegentaktpärchen an. Die bewährt-breitbandigen Ausgangsübertrager fassen die vermehrt nach dahin oder nach dahin schwingenden Signale letztendlich wieder zu gleichmäßigen zusammen.

Lua 4545 L GS-autobias

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Bei Bedarf lösen die Stahlkugel-Drücker des Lua-Gebers nicht nur Pegeländerungen, sondern auch Bias-Justagen aus.

Hörtest

Im Falle des neuen 4545 auch zu höchst leckeren. Mit der Kunst, herrlich leuchtende Klangfarben mit wonniger Fülle zu verbinden, trat er sämtliche preisgünstigeren Widersacher vom Tisch - sogar solche, die mit dickeren 6550-Endröhren auftraten. Ganz offensichtlich führt auch nur die gesunde Bodenseeluft dazu, dass ein EL-34-Amp an Normalboxen auf laut gestellt und das Alps-Poti dann auch dabei belassen werden kann.

So erwies sich der neue 4545 L bald nicht nur als sensibles Spielzeug für Rotwein-Kerzenlicht-Stunden, sondern ebenso so auch als professionelles Werzeug, mit dem eine ganze Diskothek durchgehört werden kann. Unter dem Stichwort Brahms traten weder fahrig irrlichternde noch trottelig-verknaudelte Streicher zu Tage, sondern schöne, sonore Orchesterstimmen, so wie der Komponist sie eben ausgedacht hat. Kein Schlankheitswahn, kein übertriebener Glanz: Via Lua bot Fred Wesleys Band symphatisch-fette, wolllüstig pulsierende Bass-Rauhbautzigkeit. Die Bläser triumphierten mit genau der rechten Mundstück-Dicklippigkeit. Nicht zu dünn, nicht zu weich und vor allem anrührend-authentisch: Auch bei Vienna Tengs Gesang traf der Lua ins Schwarze. Wie um das Wesentliche noch zu unterstreichen, lieferte die brave Röhre den bei "Inland Territory" (Decca-CD) durchaus bedeutungsvollen Percussions-Nachhall-Filtzelkram in Feinstform ab.

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Also, Perfektionismus hin oder her, Helmut Lua hat seinen 4545 vor allem musikalisch nach vorne gebracht. Und wer glaubt, das der 4545 L GS autobias altbacken aussieht, hat halt Pech gehabt!

Lua 4545 L GS-autobias

© Hersteller

Bei dem Lua passen der tolle Klang und die Messergebnisse wie selten zusammen: Ein für Röhren beachtlicher Leistungswürfel (bei dominierender Spannung), AK = 47, ein bis über 100 Kilohertz reichender Frequenzgang und ein sehr harmonischer (nicht abgebildeter) Klirrverlauf. Auch bei Klirrstabilität brillierte der Lua, die bei allen Last-Lagen ähnliche Abstufung weisen ihn als Musikus aus.

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