DSD-Streaming

Lumin Netzwerkplayer im Test

Eindrucksvolle Optik und bislang nicht dagewesene Streaming-Fähigkeiten zeichnen den Netzwerkplayer von Lumin aus. AUDIO hat den 5.000-Euro-Spieler genau angeschaut und angehört.

Lumin Netzwerkplayer

© Julian Bauer, MPS, Archiv

Lumin Netzwerkplayer

Pro

  • exzellente Streaming-Funktion
  • tolle App
  • druckvoll-präsenter Klang

Contra

  • keine IR-Fernbedienung

Fazit

Mit klanglicher und technischer Eigenständigkeit entkräftet Lumin den Verdacht, sich zu eng an des Vorbild Linn gehalten zu haben. Er bestätigt vielmehr die Philosophie der Schotten, indem er ihre offenen Standards für einen exzellenten Player nutzt. Von der größeren Vielfalt haben am Ende alle etwas.

Nachdem Linn und Naim den Markt der teuren Streaming-Player bislang praktisch unter sich aufteilten, zeigen jetzt gleich mehrere renommierte Mitbewerber neue Netzwerk-Flaggschiffe: Marantz hat nach gefühlt jahrelanger Feinarbeit endlich grünes Licht für den NA-11 gegeben, T+A wuchtet den gewaltigen MP3000 HV in die Racks moderner Musik-Gourmets, Moon stellt seinen feinen DACs ein ausgefuchstes Streaming-Laufwerk namens MiND zur Seite. Die Vorhut bildet jedoch keine alteingeführte Marke, sondern ein Newcomer aus Hongkong.

Lumin: Vorbild Linn Klimax DS

Pixel Magic Systems, die Mutterfirma von Lumin, baut seit zehn Jahren Videoscaler, hat im Umgang mit Digital-Hightech also Erfahrung. Für ihren Vorstoß in HiFi-Gefilde haben sich die Entwickler unübersehbar von einem Pionier des High-End-Streaming inspirieren lassen: Sowohl äußerlich als auch im Inneren erinnert der Lumin stark an den Linn Klimax DS . Midi-Format, aus dem Vollen gefrästes Alugehäuse, das versenkte Anschlussfeld am Heck, Art und Anordnung der Buchsen, die runden, polierten Alufüße mit den schwarzen Gummisohlen - das kennen wir alles vom aktuell weltbesten Netzwerkspieler. Ein Deja-vu bietet sich dem Betrachter auch nach dem Abnehmen des Bodens: Wie sein Vorbild ist der Lumin intern durch eine dicke Aluwand in Prozessor- und Audioabteilung geteilt.

In letzterer finden sich dann auch die gleichen Wandlerchips (je Kanal ein Wolfson 8741) und die gleichen teuren Lundahl-Ausgangsübertrager in den charakteristischen Abschirmdosen. Ein selbstprogrammiertes Digitalfilter und maßgeschneiderte, verlustarme Pegelregelungs-Algorithmen, wie sie Linn in einem FPGA-Logikbaustein implementiert hat, fehlen dem Lumin allerdings - der delegiert beides einfach an die Bordmittel der Wolfson-DACs. Was aktuell fehlt, ist eine Möglichkeit, mit dem Lumin Radio zu hören. Ihre ursprünglichen DAB-Pläne haben die Chinesen vernünftigerweise aufgegeben, nur ein leerer Bauplatz auf der Platine zeugt noch davon. Internetradio soll mit einem Firmware-Upgrade kommen. Bis dahin kann man sich damit behelfen, eine Radio-App auf dem iPad (das man ohnehin braucht) zu starten und dessen Ton per AirPlay zum Lumin zu beamen.

Lumin Netzwerkplayer Anschlüsse

© Julian Bauer, MPS, Archiv

Von links nach rechts: Die USB-Buchsen haben in der aktuellen Firmware noch keine Aufgabe, daneben folgen Netzwerk- und HDMI-Schnittstellen, BNC-Digitalausgang, eine Erdungsklemme, Analogausgänge sowie die Buchse für das Kabel zum ausgelagerten Netzteil.

Lumin: Audioformate

Bei den unterstützten Audioformaten hat der Hongkong-Player seinen Kollegen sogar etwas voraus: Statt wie sonst bei 24 /192 endet sein PCM-Verständnis erst bei 32bit Wortbreite und 384 Kilohertz Abtastrate. Sogar das für die SACD entwickelte Einbit-Format DSD kann der Lumin über Netzwerk streamen und seinen DACs in nativer Form zuführen. Er liegt damit voll in einem Format-Trend, dessen Sinn noch nicht abschließend geklärt ist, der aber nicht mehr aufzuhalten ist: Schon bieten einige kleinere Labels (darunter etwa Blue Coast Records, 2L und Channel Classics) neben den gewohnten HD-FLACs auch DSD-Dateien zum Online-Kauf an.

Kaufberatung: Die besten Netzwerk-Player bis 1.000 Euro

Ob das sperrige DSD-Format unterm Strich zu einer Bereicherung für die HiFi-Welt wird oder nicht - das Gefühl, für alles gerüstet zu sein, hat natürlich seinen ganz eigenen Reiz. Zumal die große Format-Flexibilität beim Lumin nicht mit sprödem Bedienkonzept und Lücken bei grundlegenden Features bezahlt werden muss. In der Art, wie der Player mit Server, Benutzer und Steuerprogramm kommuniziert, gleicht er zu 100 Prozent den Linn-Playern. Er folgt damit einer Einladung der Schotten, die für das - fast allen Netzwerkplayern zugrunde liegende - UPnP/AV-Protokoll umfangreiche Erweiterungen programmiert und diese "Linn Extensions" zur allgemeinen Verwendung freigegeben haben.

Also übernimmt auch der Lumin nahezu beliebig lange Titel- und Albumfolgen vom Steuerprogramm in seinen eigenen Auftragsspeicher, gibt diese dann ohne weitere Mitwirkung des Controllers vollständig wieder und erlaubt jederzeit eine Ergänzung oder Bearbeitung der Playlist im laufenden Betrieb. Innerhalb eines Titels kann man blitzschnell an beliebige Stellen springen, und natürlich werden Konzept-, Live- oder Opernalben mit ineinander übergehenden Titeln auch korrekt aussetzerfrei ("gapless") durchgespielt.

Lumin App

© Julian Bauer, MPS, Archiv

Vorbildlicher Komfort: Über die App lassen sich auch Einstellungen und Updates am Player vornehmen (1). Die linke Spalte des Haupt-Screens (2) zeigt die aktuell auf dem Player laufende Playlist, im Auswahlfenster rechts ist gerade die Sortierung nach Jahr aktiv - obwohl der verwendete Twonky 7 diese gar nicht bietet.

Lumin: Blitzschnelle Bedienung

Als Bedienprogramm akzeptiert der Lumin alles, was mit den DS-Playern von Linn kompatibel ist. In der Linn-eigenen KinskyApp oder in Plug Player erscheint er wie seine schottischen Vorbilder, nur die "Songcast"-Funktion für synchronen Party-Mode in mehreren Räumen unterstützt der Chinese (noch) nicht. Die weitgehende Kompatibilität zwischen Lumin und Linn kommt auch Linn-Nutzern entgegen, denn die kostenlose Lumin-App (momentan nur für iPad) gehört für Player beider Marken zu den elegantesten Bedien-Optionen.

Spotify, Simfy & Co.: Apps fürs Musik-Streaming

Anders als etwa Kinsky nimmt sich die App beim ersten Start etwas Zeit, um alle Informationen, die der Server hergibt, vorab zu speichern und dann nach eigenen Kriterien zu sortieren. Die Navigation wird dadurch ungewöhnlich geschmeidig und schnell, und da die Covermotive in der App mitgesichert werden, lassen auch sie sich selbst in größeren Sammlungen wunderbar trägheitsarm durchscrollen. Nebenbei macht die Lumin-App Sortierkriterien zugänglich, die der Server selbst gar nicht anbietet. AUDIO etwa nutzt aktuell einen Certon-Server mit Twonky 7, das seinerseits nicht nach Erscheinungsjahr sortieren kann - Lumin erschließt dieses für den Autor unverzichtbare Ordnungskriterium dennoch zuverlässig.

Um das volle Potential des Lumin zu wecken, ist Twonky ohnehin das falsche Serverprogramm, weil es DSD-Dateien nicht als Audio-Material erkennt und folglich dem Player vorenthält. Der geradlinig programmierte, fein konfigurierbare MinimServer, erhältlich für PC, Mac und einige NAS-Betriebssysteme, bot die Files dagegen so selbstverständlich an, als gäbe es DSD-Streaming schon seit Jahren. Genauso problemlos gestaltete sich die Wiedergabe der vom audiophilen Label Opus3 heruntergeladenen DSD-Files - zumindest solange es sich um DSD64, also um 1bit-Signale mit 2,8MHz Samplingrate handelte. Für das etwa bei Opus3 alternativ angebotene DSD128 (1bit/5,6MHz) ist der Lumin offenbar nicht gerüstet - diese Files liefen zwar, jedoch nur in halber Geschwindigkeit.

Lumin Netzwerkplayer

© Julian Bauer, MPS, Archiv

Audio- und Prozessorboard sitzen im Lumin-Gehäuse in separaten Kammern (rechts). Das Netzteil ist ausgelagert (o.Abb.) und besitzt für jede Platine einen eigenen Ringkerntrafo. Die Ausgangs-OP-Amps (linke Platine, Mitte) stehen über Ausgangsübertrager von Lundahl mit der Außenwelt in Verbindung.

Hörtest: Vorteil Linn

Zum Vergleich mit anderen Playern musste ohnehin klassisches PCM-Material ran, als FLAC verpackt und mit Auflösungen zwischen 16bit/44,1kHz (also klassisches Red-Book alias CD) und 192/24 (von DVD-Audio und via Studiomaster-Download). Hier ging vom Lumin für den Linn Klimax DS klanglich keine Gefahr aus: Geschmeidiger, natürlicher und auf eine fabelhaft selbstverständliche Weise detailreicher spielte ganz klar der Alublock aus Schottland.

Der nächstkleinere Akurate DS konnte sich mit etwas stabilerem Tempo und weicherer, vollerer Stimmwiedergabe dann nur noch knapp gegen den Neuling behaupten, der die Musik einen Hauch rauher, aber auch sehr präsent, stabil und konturenscharf abbildete und mit seiner knackigen Dynamik einen Riesenspaß machte. Dass die paar DSD-Tracks in der Playlist ganz besonders eindrucksvoll rüberkamen, darf man indes nicht überbewerten - es handelte sich ausnahmslos um klangliche Pretiosen, die auch in anderen Formaten umwerfend klingen.

 

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