AV-Vor-/Endstufen-Kombi

Marantz AV 8801 & Marantz MM 8077 im Test

Die meisten AV-Steuerzentralen fristen ein Single-Dasein als Receiver. Doch Marantz lockt mit einem gerade noch erschwinglichen Paar aus Vor- und Endstufe. Das verbindet eine Traum-Ausstattung mit mächtig Leistung. Starten damit anspruchsvolle Heimkino-Fans direkt durch auf Wolke sieben?

Marantz AV 8801 & Marantz MM 8077 Test

© Marantz

Marantz AV 8801 & Marantz MM 8077 Test

Pro

  • Detailreicher, neutraler Klang mit stabiler Abbildung.

Contra

  • Nicht so zupackend wie die Endstufe.

Pro

  • Kräftige, sehr neutral abgestimmte und fein auflösende Endstufe mit solidem Bassfundament.
  • Sehr praxisgerechte Anschlüsse.

Contra

Receiver regieren die AV-Welt. Doch ganz oben wird die Luft jetzt noch dünner für die Einteiler. Marantz zündet eine zweistufige Rakete: Die 11.2-Kanal-Vorstufe AV 8801 und der 7-Kanal-Verstärker MM 8077 geben eine stattliche Erscheinung ab, kommen zusammen auf über 30 Kilo Lebendgewicht. Sie lassen nicht den geringsten Zweifel, dass hier nicht nur einfach ein Receiver von der Marketing-Abteilung in zwei separate Gehäuse aufgeteilt wurde. Schließlich verraten schon die Rückseiten der blitzsauber verarbeiteten Boliden, dass die Truppe unter Vordenker Ken Ishiwata keine technischen Spielereien im Sinn hatte.

Alles an diesem Duo wirkt ernsthaft. Die Vorstufe kommt auf eine imposante Ansammlung symmetrischer XLR-Buchsen, darunter ein frei belegbarer Eingang. Die Endstufe verfügt über je einen symmetrischen und einen unsymmetrischen Eingang pro Kanal. Erstere bieten eine in der Studio-Technik geschätzte Einstrahlfestigkeit durch Gleichtaktunterdrückung: Bei der Bildung des Summesignals aus beiden heißen Leitern löschen sich die meisten Störungen aus. Sehr praktisch, wenn der Besitzer seine Endstufe für gute Kontrolle der Treiber möglichst nahe an den Boxen positionieren möchte. Da solche Perfektionisten meist mehrere Bildausgabegeräte besitzen, spendierte Marantz seiner neuen Top-Vorstufe sicherheitshalber gleich drei HDMIAusgänge. Und während bei der Masse der Receiver der Trend in Sachen Kanalanzahl nach Exzessen, die kaum ein Käufer nutzte, eher rückläufig ist, klotzt die AV 8801 mit 11.2 Kanälen. Für die stehen sowohl symmetrische als auch unsymmetrische Vorverstärker-Ausgänge bereit. Um die zu nutzen, rechnen Audyssey DSX und DTS Neo:X dem eingespeisten Standard-Content noch zusätzliche Effektkanäle, unter anderem für Front Hight und Front Wide, hinzu.

Das reinste Mathegenie

Die Rechenkünste der Vorstufe beschränken sich keineswegs nur auf Audio-Operationen. Wie bei Marantz üblich, besteht volle 4K-Kompatibilität, was bedeutet: Ultra-HD-Videosignale werden nicht nur über die sieben HDMI-Eingänge durchgeschleift. Bei Bedarf skaliert die AV 8801 sogar Standard-Video auf 3.840 x 2.160 Bildpunkte. Zudem gibt es nun ein schickes GUI-Overlay, das sich mit seinen Menüs wie ein Schleier über das Video-Bild legt. Doch dafür braucht man heutzutage nicht unbedingt eine kostspielige Vorstufe. Für so viel Netzwerk-Connectivität schon. Mit einem Switch für vier Ethernetverbindungen zieht Marantz mit Top-Receivern wie dem Sony STR-DA 5700 ES oder dem Denon AVR-4520 gleich. Damit genügt eine Leitung vom Router ins Wohnzimmer, um neben dem Receiver weitere Geräte wie Blu-ray-Player mit dem Netzwerk zu verbinden.

Der Marantz deckt den ganzen Bereich von Audio-Streaming über Internetradio inklusive der Online-Musikdienste Spotify und last.fm ab. Zudem rühmt er sich mit Kompatibilität zu FLAC-HD 192/24 und Gapless-Wiedergabe. Der Umgang mit dem Netzwerk funktionierte auf Anhieb reibungslos, und mit FLAC- oder WAV-Dateien klappte die Gapless-Wiedergabe wie versprochen - zumindest, wenn man zur Steuerung statt der Marantz Remote App das GUI verwendete.

Der USB-Eingang bevorzugt PCs: Der zwingend Windows FAT 16 oder FAT 32 formatierte Memorystick sollte besser nie mit einem Mac in Berührung kommen. Sonst zeigt der AV 8801 auf dem unter einer Klappe versteckten großen Display sämtliche vom ihm erzeugten Desktop-Dateien an. Diese Geisterdateien erschweren die Navigation und wer die falsche Datei anklickt, bekommt keine Musik zu hören, sondern eine Fehlermeldung zu sehen. Auch beim Skippen kam deshalb oft wieder "File Format Error", weil man dabei leicht eine Alias-Datei auswählt. Solche Holprigkeiten müssen nicht sein und treten zum Beispiel an den Receivern von Pioneer oder am Naim Uniti nicht auf. Mit so komplexem Funktionsumfang kann der Endverstärker nicht aufwarten. Dafür zogen seine inneren Werte die Aufmerksamkeit auf sich. Bei manchen Heimkino-Eignern hält sich eine Abneigung gegen Ventilatoren. Die werden, frei nach Wilhelm Busch, oft als störend empfunden, da sie mit Geräusch verbunden. Deshalb tüftelten die Entwickler einen Kühlschacht aus. Der verläuft quer durch den vorderen Bereich des MM 8077 und verschafft den auf beiden Seiten angebrachten Endstufen mit ihren diskreten High-Speed-Transistoren genügend frische Luft. Die weiteren Zutaten sind typisch für die Upper Class von Marantz, wenn auch diesmal besonders groß geraten.

Das steife Chassis ist wie bei der Vorstufe gegen elektromagnetische Interferenzen mit Kupfer beschichtet. Die Versorgung obliegt einem Hochstrom-Netzteil mit gekapseltem Ringkerntransformator - ebenfalls zur Eindämmung von Streufeldern - plus üppigen Elkos aus der Referenzklasse des Hauses.

An der Vorstufe setzte die Weiterentwicklung gegenüber der AV 7701 im Bereich der Masseführung und Stromversorgung an, um den Rauschabstand zu verbessern. Zudem sorgen sieben D/A-Wandler vom Typ Burr Brown PCM 1795 - jeder ist nur für zwei Kanäle zuständig - für eine große Bandbreite und tragen gegenüber Multikanal-DACs ihren Teil zu größerer Dynamik bei. Außerdem nahmen sich die Entwickler das Bass- Management vor. Die automatische Änderung der Tiefpassfiltercharakteristik soll in Systemen ohne Subwoofer einen gleichmäßigeren Übergang zum beigemischten LFE-Kanal ermöglichen.

Keine Zeit verlieren

Zudem verhindert ein neues Bass-Sync- System Zeitverzögerungen zwischen den Vollbereichs-Kanälen und dem Kanal für tieffrequente Effekte. Hier ermittelte das Team von Ken Ishiwata in Versuchen mit zahlreichen Musiktiteln von DVD und Blu-ray-Discs Abweichungen von mehreren Millisekunden. Den traurigen Rekord in Sachen Phasenverschiebung hält der King of Pop, Michael Jackson, mit 10.3 Millisekunden ("This Is It"). Der Durchschnitt aller ausgewerteten Tracks liegt bei 4.6 ms.

Kaufberatung: Die besten Standboxen bis 1.500 EuroEine besondere Marantz-Spezialität sticht sofort aus der Vorstufe heraus: eine Batterie von hochkant gestapelten Platinen mit jeder Menge Elkos und gekapselten Verstärker-Modulen. Es handelt sich dabei um die diskret aufgebaute, sehr potente 11.2-Kanal-Pre-Out-Treiberstufe mit 13 Hyper Dynamic Amplifier Modulen (HDAM) - eine Marantz- Spezialität, die sicher stellt, dass die Ausgangsstufe auch bei großen Kabellängen nicht in die Knie geht. Im Hörtest gab es kurze Wege. Zunächst traten die Vor- und die Endstufe gemeinsam an und überzeugten durch vorbildliche Neutralität. Wenn wir noch mal mit Busch kommen dürfen: Dieser Begriff wird meist als Schmach empfunden, da er oft mit Nüchternheit und Kühle verbunden. Nicht so in diesem Fall. Hier drängte sich stets das Gefühl auf, genau so der Interpretation zu lauschen wie es sich der Tonmeister im Studio dachte. Es dürfte schwer fallen, das neue Dream- Team von Marantz in eine Schublade zu pressen. So unterschiedlich wie die Aufnahmen fiel auch die jeweilige Darbietung aus. Tori Amos wirkte heiß, Miles Davis heißer (sofern er bei seinen Konzertmitschnitten überhaupt ein Wort von sich gab), seine Trompete hingegen ultracool - alles wie es sein sollte.

Auch wenn es keinen Bereich gab, den das Duo bevorzugte, fand sich doch einer, in dem es besonders brillierte: Der Bass, allem voran der Tiefbass, kam mit einem Nachdruck und einer Kontur, die den Rahmen des Alltäglichen sprengt. Ganz gleich, ob unterschiedliche Musik in Stereo oder Surround auf dem Programm stand (etwa mit gezupftem Kontrabass, Orgel, Kesselpauken und Drums) oder ein Action-Film mit subsonischen Spezialeffekten: Diese Zwei massierten das Zwerchfell mit äußerster Präzision. Und das war eigentlich schon nach dem THX-Trailer abzusehen: So markerschütternd, knockentrocken und tiefreichend bekommt man ihn selten zu hören und zu spüren. Und so dreidimensional auch nicht, denn Abbildungspräzision gehörte unabhängig von der Betriebsart ebenfalls zu den Stärken des Duos.

Im Einzelvergleich überzeugte vor allem die Endstufe. Sie zeichnete maßgeblich für den immensen Tiefgang der Twins verantwortlich und konnte beispielsweise die weicher und diffuser wirkende Rotel RMB-1565 gerade in den unteren Oktaven deutlich distanzieren. Dafür verschaffte sich die Rotel- Vorstufe RSP-1572 (3/12) durch Lebendigkeit, die knackige Attacke und besondere Farbenpracht in den Mitten Respekt gegenüber der AV 8801. Doch unterm Strich überzeugte die neue Vor-End- Kombi von Marantz durch ihre smarte Verbindung aus Kraft, Präzision und Vielseitigkeit. Diese Mischung macht sie zum Überflieger, der sich nicht zuletzt dank tollem PDF-Handbuch auch angenehm leicht beherrschen lässt.

Kaufberatung: Die besten Transistorverstärker bis 500 Euro

Fazit

"Yes, we Ken", könnte das Marantz-Motto lauten. Denn der Massenhersteller hat, was sich sonst nur kleine High- End-Schmieden leisten können: einen charismatischen wie kompetenten Klangguru. Was Ken Ishiwata anfasst, hat Hand und Fuß. Damit gelingt der Spagat zwischen Surround satt und audiophilem Klanganspruch.

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