One-Box-System

Marantz Consolette MS7000 im Test: Retro-Rocker

1952 gab die erste Consolette von Marantz in Gestalt eines revolutionären Vorverstärkers ihr Debüt. 60 Jahre später weist die neue Marantz Consolette mit Vintage-Elementen in die HiFi-Zukunft - inklusive AirPlay, DNLA-Streaming, Internetradio und iPod-Dock.

Test Marantz Consolette MS7000

© Marantz

Test Marantz Consolette MS7000

Pro

  • Natürlicher, musikalisch seidiger Klang, schöne Abbildung

Contra

  • unterstützt keine Auflösung über 16/48
Vielversprechend

Ein bisschen Nostalgie schadet nie, schon gar nicht, wenn man auf stolze 60 Jahre Firmengeschichte zurück blicken kann. Die Original "Audio Consolette" war laut Marantz-Aufzeichnungen das erste Produkt überhaupt von Saul Bernard Marantz. Ein Vorverstärker, der endlich die unterschiedlichen Aufnahmequalitäten damaliger LPs in den Griff bekommen sollte. Das Selfmade-Produkt aus dem eigenen Keller verkaufte sich erstaunlich gut und führte 1953 zur Gründung der Marantz Company. Ein geschichtsträchtiger Name also, den Marantz seinem neuen All-in-One-Komplettsystem verleiht. Eine Hommage an die gute alte Zeit, sicherlich. Aber vielleicht spiegelt sich in der Namenswahl auch die leise Ahnung, dass die Zukunft nicht mehr nur klassischen HiFi-Komponenten gehört, sondern immer mehr den multifunktionalen, unkomplizierten Komplett-Lösungen. Und wie damals soll die Consolette die Massstäbe setzen.

Dazu setzte Marantz auch alle Hebel in Bewegung, die sie nur auftreiben konnten. Die Designer erdachten sich eine ungewöhnliche Optik mit großem Nostalgie-Flair: Auf einer Art Miniatur-Verstärker mit gebürsteter Aluminum-Front und typischen Marantz- Gesichtszügen - vom Display-Bullauge bis zum Schriftzug - sitzt das gerundete, dreieckige Lautsprechergehäuse. Auch der von vielen Ur-Verstärkern bekannte Gyro-Drehregler fehlt nicht; womit einst die UKW-Frequenzen eingepegelt wurden, dient in seiner digitalen Variante als sensorisches Erlebnis für Touchscreen-gelangweilte Fingerspitzen. Mit griffiger Oberfläche und einem feinen, aber merkbaren Widerstand lassen sich Lautstärke, Eingänge und Presets herrlich altmodisch kontrollieren. Die bogenförmige Rückseite der Consolette glänzt in edlem Wallnuss-Echtholz-Klavierlack-Finish, der Front-Grill ist wahlweise weiß oder schwarz und natürlich abnehm- und waschbar - falls neugierige Besucher unerwünschte Spuren hinterlassen.

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Marantz Consolette MS7000
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Edle Materialien, ein klassichscher HiFi-Verstärker-Look und eine kunstolle Lautsprecherhaube mit ernsthafter Chassisbestückung machen die…

Unter der Haube erblickt man ernsthafte Dreingaben der Entwicklungsabteilung. Die zwei seltsam flachen Mittelhochtöner beispielsweise wurden speziell für den Einsatz in der Consolette entwickelt - von niemand geringeren als Karl-Heinz-Fink, der ähnliche BMR-Treiber (Balanced Mode Radiator) unter anderen schon für Naim konzipierte. In ihrem eigenen Gehäuse fest an der Rückwand montiert kombiniert diese Lautsprecher-Variante Biegewellen-Technik mit gewohnter dynamischer Kolbenbewegung für eine möglichst breite Abstrahlung. Unterstützung im Tiefton bekommen sie jeweils von stattlichen 11-cm-Woofern, die über einen Signalprozessor nach Belieben und Aufstellung mehr oder weniger gezügelt werden können. Die Duos aus BMR-Speakern und Tieftöner sind pro Kanal in getrennten Gehäusekammern untergebracht und werden separat von jeweils eigenen Schaltendstufen angetrieben.

Die Consolette dient iPods, iPhones und auch iPads über eine auf Fingerdruck ausfahrende Schublade als bequeme Andockstation, wenngleich noch mit dem älteren 30pin-Connector, nicht mit der aktuellsten Lightning-Buchse. Dazu beherrscht die Marantz Consolette neben AirPlay, dem wohl zur Zeit hippsten Musik-Funk, auch noch Internetradio via WLAN oder Ethernet und bietet sich als DNLA-Streaming-Client an. Weil die mitgelieferte Fernbedienung zwar ungemein edel ist, aber für so viele Funktionen dann doch nicht ausreicht, gibt es das passende Controll App namens "Marantz Consolette" für iOS und Android inklusive. Dies ist auch insgesamt wahnsinnig schön geworden, selbst wenn es noch mit ein paar Kinderkrankheiten in der Bedienung kämpft, die sich aber mit ein paar gezielten Updates schnell beheben lassen sollten. Für die Nutzung als Netzwerk-Client ist die App nämlich unabdingbar. Sie durchforstet die im Netzwerk verfügbaren Medienserver und übernimmt letztlich die Kommunikation zwischen Server und Client.

Ratgeber: Diese Apps steuern AV-Receiver

Dies ist einerseits bequem zu verwalten, reduziert andererseits aber die Consolette zum schlichten, von der App abhängigen Befehlsempfänger in Sachen DNLA. In der Praxis bedeutet dies: Will die App nicht, spielt die Musik nicht. Auch Wiedergabelisten merkt sich die Consolette nicht selbst (man kann also nach einem Quellenwechsel nicht einfach wieder die Playtaste drücken) und Gapless-Playback ist ebenso nicht möglich. Für den gelegentlichen Musikhappen aus dem heimischen Netzwerk ist die DNLA-Fähigkeit freilich willkommen, über AirPlay, als Dock oder mit einer extern angeschlossenen Quelle macht die Consolette eine überragende Figur.

Denn der Klang ist einfach erstaunlich. Vor allem die weite Stereo-Abbildung der Consolette zauberte bei geschlossenen Augen im Geiste eine viel größere Anlage, untermauert von der robusten Pegelfestigkeit und dem soliden Grundtonfundament. Dazu die seidig-fließende Natürlichkeit, die erstaunliche Feindynamik und die fein differenzierbaren, aber niemals aufgeregt vorschnellenden Details. Ganz ohne Nostalgie: Ein musikalischeres Komplett-System wird es so schnell nicht geben.

Testfazit

1.000 Euro für ein Docking-System treiben sicherlich einigen HiFi-Fans Tränen in die Augen. Aber ich kann beruhigen: die Consolette ist tatsächlich ein HiFi-System, kein Plastikspielzeug. Sie bringt optisch, haptisch und klanglich alles mit, was eine kleine Edel- Zweit-Anlage braucht. Wem das zu kostspielig ist: Die Denon Cocoon bietet eine ähnliche Funktionsvielfalt für kleineres Budget.

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