Musik-Smartphone

Marshall London im Test

Das Marshall London will das Smartphone für die Gitarrenfraktion sein. Ob das gute Stück den richtigen Ton trifft, klärt der Test.

Marshall London

© Marshall

Marshall London

EUR 479,99

Pro

  • cooler Marshall-Look
  • gute Sende- und Empfangseigenschaften
  • tolle Soundfeatures
  • hervorragender Musicplayer
  • Buttons für Kamera und Musicplayer
  • zwei individuell regelbare Kopfhöreranschlüsse gute Kopfhörer

Contra

  • hoher Preis
  • wenig Ausstattung
  • schwache Kamera
  • alte Android-Version
  • einfache Hardwareausstattung

Fazit

connect-Urteil: gut (389 von 500 Punkten)
77,8%

Marshall Amplification - dieser Name steht fast schon als Synonym für Gitarrenverstärker. Nahezu jeder Klampfer und auch Konzertbesucher hatte mit den Produkten in irgendeiner Form schon mal Kontakt - schließlich gibt es wohl kaum ein Rockkonzert, auf dem nicht ein Marshall-Topteil oder eine Gitarrenbox zu sehen und vor allem zu hören ist. Nun legt der Soundprofi, der auch Lautsprecherboxen und Kopfhörer baut, mit dem Marshall London sein erstes Smartphone vor. Ob das in der Mobilfunkbranche einen Hit landen kann?

Cooler Look, starker Sound

Die Optik des 549 Euro teuren London ist für Fans der Marke auf jeden Fall ein Argument, denn mit der weißen Zierumrandung auf der Front, den goldfarbenen Applikationen auf der gummierten Geräteeinfassung und der groben, lederähnlichen Narbung auf der Kunststoffrückseite trägt das London den typischen Marshall-Look zur Schau.

Das dünne Backcover lässt sich abnehmen und gibt so den Zugang zu den Schächten für die SIM- und die Micro-SD-Karte frei. Auch der Wechselakku mit 2500 mAh ist hier zu finden - der mit dem Aufdruck "LONG LIVE ROCK'N' ROLL" eine gute Ausdauer erwarten lässt. Doch "Rock Around The Clock" ist nicht drin: Im praxisnahen Mischbetrieb blieb das London in unseren Messungen bis zu 6:43 Stunden auf Empfang - das reicht nicht für eine Topplatzierung in den connect-Ausdauercharts.

Marshall London

© Marshall

Die beiden Kopfhöreranschlüsse lassen sich getrennt in der Lautstärke regeln. Die dazwischen platzierte M-Taste öffnet das Audio-Interface.

Echter Soundspezialist

In Sachen Soundperformance hat das Marshall dafür einiges zu bieten: Die Stereo-Lautsprecher auf der Front liefern einen guten Klang und machen bei Bedarf auch mächtig Alarm. Die Lautstärke lässt sich bequem mit dem seitlichen Drehregler regulieren, ein langer Druck auf den Knopf schaltet den Ton stumm - ein kurzer startet die Kamera.

Zudem besitzt das London gleich zwei getrennt in der Lautstärke regelbare Kopfhörerausgänge auf der Stirnseite, die messtechnisch mit einem niedrigen Klirrfaktor, einem hohen Rauschabstand und einem linearen Frequenzgang Idealvoraussetzung für guten Klang bieten.

Die dazwischen platzierte M-Taste startet den Musicplayer. Mit dem lassen sich nicht nur lokale Musikdateien wiedergeben, sondern auch die Player diverser Streamingdienste wie Spotify oder Tidal direkt starten. Der Player dient ebenso als Sammelbecken für viele Audiofunktionen. Der Nutzer hat so bequemen Zugriff auf einen Fünf-Band-Equalizer, die Aufnahmefunktion, die getrennte Lautstärkeregelung für die beiden Kopfhörerausgänge und sogar auf das Toneinstellungsmenü.

Marshall London

© Marshall

Die Kopfhörer „Mode“ bieten bei richtigem Sitz eine bassstarke Klangperformancemit kräftigem Grundton sowie einem ausgewogenen Mittel- und Hochtonbereich.

Als Besonderheit bringt das London zudem die DJ-App "edjing" und das Programm LoopStack für Vier-Spur-Aufnahmen mit. Dazu gesellen sich die mitgelieferten In-Ear-Hörer "Mode", die für 59 Euro auch einzeln bei Marshall Headphones erhältlich sind - und beim London für einen amtlichen Sound sorgen. Apropos Sound: Coole Klangeffekte, etwa beim Starten des London, dürfen ebenfalls nicht fehlen und runden das gelungene Bild in dieser Disziplin ab.

Hard- und Software mit Mankos

Der Freude über die konsequente optische und akustische Umsetzung der Marshall-Domäne Musik folgt leider die Ernüchterung beim Blick auf die doch recht kurze Ausstattungsliste - vor allem im Hinblick auf den hohen Preis von 549 Euro. Dies beginnt bei der alten Android-Version 5.0.2, die schon lange überholt ist - was auch in Hinblick auf Sicherheits-Updates problematisch ist.

Die Benutzeroberfläche entspricht bis auf ein paar farbige Icons zum Großteil nativem Android, lässt sich also intuitiv bedienen. Einen richtigen Marshall-Look oder gar eigenständige Funktionen sind bis auf die genannten Soundfeatures und die entsprechenden Hintergrundbilder nicht zu entdecken.

Screenshot Marshall

© Weka/ Archiv

Links: Im Hauptmenü tummeln sich zahlreiche vorinstallierte Apps von Streamingdiensten wie Spotify. Mitte: Ein Druck auf die M-Taste – und schon erscheint das Audio-Interface mit seinen zahlreichen Optionen. Rechts: Die Aufnahmefunktion ist optisch sehr schön aufbereitet und bietet auch eine Aussteuerungsanzeige.

Auch die etwas schwachbrüstige Snapdragon-410-Plattform mit 1,2-GHz-Quad-Core-CPU ist dem Preis des Marshall-Smartphones nicht wirklich angemessen. Enttäuschend ist zudem die 8-Megapixel-Kamera: Trotz Autofokus und einem Fotolicht, das sich über einen langen Druck auf die M-Taste auch als Lampe nutzen lässt, ist die Bildqualität selbst bei guten Lichtbedingungen schwach.

Ein kleiner Lichtblick sind die 2 GB Arbeitsspeicher und die 10 GB an frei zur Verfügung stehendem Nutzerspeicher. Zudem beherrscht das London 5-GHz-WLAN. Auch erfreut das 4,7 Zoll große HD-Display mit guter Darstellung.

Licht und Schatten im Labor

Zwiespältiges auch aus dem Labor: Die Akkulaufzeiten sind wie erwähnt vor allem im Mischbetrieb aus Scrollen, Surfen und Telefonieren eher bescheiden. Die Sende- und Empfangseigenschaften präsentieren sich dagegen durch die Bank top. In der Summe ist das Marshall London ein Gadget für Fans der Marke. Für alle anderen gibt es zu diesem Preis deutlich bessere Smartphones.

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