Testbericht

McIntosh MX 121 im Test

Mit dem MX 121 startet McIntosh eine komplett aktualisierte Heimkino-Verstärkerserie. Highendiges Audio und Video, Streaming: Der Neue kann alles.

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McIntosh war einst Vorreiter bei Röhrenamps. Doch gern wird vergessen, dass die Marke auch zu den frühen Machern highendigen Heimkinos gehörte und bereits vor 20 Jahren eine komplette THX-Kette samt Laserdisc-Player anbot. Heute sparen sich die New Yorker die THX-Lizenzen, bauen aber Elektronik auf der Höhe der Zeit, wie der Blu-ray- Player MVP 891 erneut unter Beweis stellte.Zum 891er passt der neue kleine Vorverstärker MX 121. Wie schon im Kern des Players arbeitet auch hier im eigentlichen digitalen Prozessorkern eine Digitalplatine aus dem D&M-Konzern, zu dem McIntosh seit vielen Jahren gehört; die Entwickler konnten also wieder für die Decoder- und Video-Boards mit ihrer technischen und rechtlichen Komplexität in die Konzernkiste greifen und sich auf Mechanik, superstabile Netzteile für alle Baugruppen sowie auf die klanglich so entscheidende D/A-Wandlung plus Analogsektion konzentrieren.

Digital im Retro-Look

Die Decoder, die Video-Signalverarbeitung und der Streaming-Client besitzen alles, was heute wichtig und gängig ist - etwa den HDMI-1.4a-Standard mit 3D-Video, Auto-LipSync zur selbsttätigen Bild/Ton-Synchronisierung oder den Audio-Return-Channel für den Ton vom Fernsehtuner ohne Zusatzkabel, sodann HDMI-Audio bis zu 7.1 Kanälen mit simultan 192 Kilohertz / 24 Bit sowie die DTS- und Dolby-HD-Formate.

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© Stereoplay

McIntosh MX 121

Phono hat der 121 auf der analogen Quellenseite noch im Angebot, analoges Radio nicht mehr. Das hat seinen Grund, denn im Heimatland USA spielt UKW keine Rolle mehr, dort hat man komplett auf Digitalradio von XM und Sirius umgestellt. Der MX 121 bietet Radiostationen dennoch in Hülle und Fülle und teils in sehr guter Klangqualität vom hervorragend sortierten sowie kostenlosen Internet-Radiodienst vTuner.Per UPnP und DLNA kann man Musik auch direkt vom lokalen Netzwerk in den Prozessor schicken, allerdings mag der MX 121 nur die datenkomprimierten Standardformate MP3, WMA und AAC bis 48 kHz Samplingrate. Auch bei WAV-Audiorohdaten beschränkt er sich auf maximal diese Rate.Immerhin akzeptiert er FLAC bis 96 kHz. Mobilspeicher, tragbare Player und externe Festplatten mit Musik lassen sich direkt per USB verbinden. Für mobile Apple-Geräte übernimmt der Preamp per USB auch die Fernsteuerung. Diese Geräte wiederum können, falls sie im gleichen lokalen Netz angemeldet sind, auch direkt per Airplay ihre Musik an den Mac beamen und sogar dessen Lautstärke regeln. Dass dies gut funktioniert, dürfte nicht bloß am Namen McIntosh liegen.

Ein Funktionsriese

Äußerlich ähnelt der MX 121 seinem größeren Geschwister MX 150 in der Verarbeitung. Allerdings muss er vorne mit zwei Drehreglern auskommen. Innen fehlen ihm die Extra-Rechenplatinen des edlen Raumkorrektursystems RoomPerfect. Der MX 121 arbeitet wie die AV-Verstärker der Konzerngeschwister mit dem bewährten Raumkorrektur-Automaten von Audyssey.

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Die symmetrischen Ausgänge mit diskreten Ausgangstreiber-Stufen rufen geradezu nach Aktivlautsprechern. Mittlerweile geradezu auffällig ist die große Zahl analoger Audio- und Videoanschlüsse.

Aber auch der kleine Mac bietet die symmetrischen Outputs für alle sieben Hauptausgänge und zwei Subwoofer. Zwei weitere Zonen lassen sich mit Musik beschicken. Sechs HMDI-Eingänge verteilen sich per Tastendruck direkt, ohne lästiges Menü, auf wahlweise zwei Ausgänge.McIntosh lässt sich auch beim serienmäßigen Zubehör nicht lumpen. Statt nur ein Audyssey-Messmikrofon einzupacken, legen die Amerikaner einen professionelleen Mikrofonständer im Extrakarton bei. Auch die Fernbedienung ist gleich ein programmierbarer Systemhandgeber mit kleinem Display, der die gesamte Anlage kontrollieren kann.Wer sich mit aktuellen AV-Verstärkern auskennt, den wird die Struktur des On-Screen- Menüs nicht zufällig an Denon erinnern. Leider versteht dieses OSD nur Englisch. Zur Touchscreen-Fernbedienung per iOS-Gerät ist eine App in Arbeit, sie war zum Test aber noch nicht verfügbar. Eigentlich ist diese App kaum nötig, denn der MX 121 bietet bereits ein ausführliches Webinterface, das sich einfach im Webbrowser öffnen lässt und damit eine Steuerung per Tabletcomputer oder Smartphone erlaubt.

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Dank großer, simpler Symbole kann man das Webmenü selbst auf dem kleinen Smartphone-Display gut nutzen.

Das Einmess-System von Audyssey genießt nicht gerade einen audiophilen Ruf, doch seine Qualität ist erheblich von der Integration in das Signalmanagement abhängig. Das funktionierte in diesem Test überraschend gut - die Raumkorrektur brachte deutlich bessere Klangergebnisse als bei den meisten AV-Verstärkern. Vor allem schien die Korrektur keine Dynamik zu kosten, wie dies gern passiert. Ähnliches galt für das Bassmanagement, das der "Pure Direct"-Modus abschaltet. Die Filter des MX 121 agierten erfreulich neutral.Erste Versuche im Hörraum umfassten Musik und Filme in Surround. Dabei zeigte der Amerikaner deutlich, wo Hollywood liegt. Der Raum füllte sich wunderbar lückenlos und von den Lautsprechern losgelöst mit dem Konzert "Tango 3.0 Live" von einer Blu-ray des Gotan Project.Selbst Zweikanaliges transportierte der 121 mittels Dolby ProLogic IIx verblüffend realistisch und fein aufgelöst, siehe "Blast Live" von den Red Hot Chili Peppers in Zweikanal-PCM von DVD. Und diese Aufnahme ist mit der Rockbesetzung plus Blechbläser-Trio, zwei Drummern und drei Dudelsäcken wirklich komplex.

Musik und Film: Top!

Zeit für die Titelsequenz aus "Serenity" von Blu-ray, mit Country-Musik und abstürzendem Raumschiff. Die Tester folgten dem Captain der Serenity durch die Gänge seines havarierenden Schiffs. Subsonisches Gepolter und Knarzen des Rumpfs formen eine dichte, bedrohliche 360°-Atmosphäre, wenn alles gut zusammenspielt. Und das tat es mit dem Mac. Der spielte auch bei hohen Lautstärken so lässig, dass die Tester erst spät merkten, wie laut es wirklich geworden war.Tonal bewegte sich der MX 121 auf der wärmeren, zugleich dezenten Seite. Ohne jede Überbetonung zeigte er wunderbar realistische Konturen und Räume. Auch bei Stereowiedergabe blieb dieser angenehm ausgewogene Charakter bestehen, und der MX 121 erwies sich erneut als rhythmusbegabter Charmeur, der Präzision und Konturen schätzt. Dabei erreichte er trotz ähnlichen Charakters nicht ganz das Niveau an Feinzeichnung seines noch souveräner spielenden großen Bruders. Nun ja, er kostet auch nur rund die Hälfte. Und dafür ist er nichts Geringeres als ein echter Vorstufen-Traum.

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