Testbericht

ME Geithain ME-160

Bekannt ist die sächsische Manufaktur ME Geithain, die heuer ihren 50jährigen Geburtstag (!) feiert, hauptsächlich für ihre Studiomonitore. Diese sind der Konvention gemäß zumeist aktiv und für eine akustisch optimierte Studio-Umgebung konzipiert, was MEG-Chefdenker Jochen Kiesler zu der Idee veranlasste, mal ein echtes Gegenkonzept auf die Beine zu stellen: Die ME 160 ist ein passiver Standlautsprecher, akustisch speziell ausrichtet für große Hörabstände in typischen, nicht so stark bedämpften Räumen.

  1. ME Geithain ME-160
  2. Datenblatt
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© Archiv

Das Problem: MEG lehnen Schallführungen und Hörner prinzipiell ab, weil diese sich auf Stimmdarstellung und Entfernungswahrnehmung nach Kieslers Meinung negativ auswirken würden. Um die entsprechende Schallbündelung trotzdem zu erreichen, griff man einerseits zu einem mit 21 Zentimetern riesigen Tiefmitteltöner, zum anderen hat die ME 160 nicht nur eine, sondern gleich drei Hochtonkalotten übereinander verbaut. Sitzen diese nahe genug beinander, bündeln sie den Schall, ähnlich einem Zeilenstrahler, deutlich stärker, ohne dass eine zusätzliche Schallführung vonnöten wäre. 

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© MPS

Dreie auf einen Streich: Durch die leicht gekippte Anordnung dreier parallel geschalteter Hochtöner und die Brücke wird die Bündelung erzielt. Der Tiefmitteltöner sitzt koaxial direkt dahinter.

Für den nötigen Dampf untenherum sorgt ein zweiter Tiefmitteltöner, der allerdings bereits ab 150 Hz langsam ausgeblendet wird. Dieser Wert lässt sich ab Werk verändern: MEG liefert auf ausdrücklichen Wunsch auch eine Box mit etwas mehr Grundtonvolumen, etwa für sehr schlank klingende Räume und freie Aufstellung. Das Bassreflexrohr verbannten die Sachsen in den Fuß der Box, zudem kommt ein zweiter Resonator im Inneren zum Einsatz, der auftretende stehende Wellen effektiv bedämpft und so den Oberbass präziser machen soll.

Freie Aufstellung war im AUDIO-Hörraum das Gebot der Stunde, denn die ME 160 rockte bei Grönemeyers "Unplugged" mit einem satten Brett und einer schier unglaublichen Spielfreude los. Ein vernünftiges Lautstärkelimit war im AUDIO-Hörraum nicht auszumachen, allerdings tat sie im Tiefbass zuweilen sogar zuviel des Guten, fettete Bassdrum und akustische E-Gitarre über Gebühr an und folgte nicht immer hundertprozentig deren Ausklingvorgängen. Zweifellos ist dieses Phänomen auch durch den Hörraum  und seine Raumresonanzen mitverursacht - ein großer, dröhnfreier Raum ist also ebenso Pflicht wie Sorgfalt und Geduld bei der Aufstellung. Bei der Direktschnitt-Session "Tribute To Cole Porter" (Stockfisch) überflügelte die Geithain die Revel F52 auch in punkto Feindynamik und Auflösung, nahm der audiophilen Aufnahme jedoch auch einiges von ihrem intimem Kellercharme - so, als solle das Bassface Swing Trio partout in einem großen Konzertsaal auftreten.

Klassik ist traditionell das Metier von Monitorherstellern, und hier enttäuschte die ME160 keineswegs: Gigantisch die Breite der Bühne beim Schlusschor von Beethovens 9. Sinfonie, perfekt gestaffelt Sänger und Orchester. Mit einer Leichtigkeit und Spritzigkeit, die ihresgleichen suchte, öffnete sie im Gegensatz zu Blumenhofer und Burmester den Raum auch nach oben und brannte ein wahres musikalischen Feuerwerk ab. Im Bass indes hätte dieses etwas dezenter und präziser ausfallen können.

ME Geithain ME 160

HerstellerME Geithain
Preis7800.00 €
Wertung99.0 Punkte
Testverfahren1.0

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