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Testbericht

Mercedes Comand Online im Test

connect Oliver Stauch


Oliver Stauch | Profil | Kontakt

27. Januar 2012

Ohne Facebook, Google und Co schickt heute kein Autobauer mehr seine Premiumklasse auf die Straße. Wir haben die schöne neue Dienstewelt beim Mercedes-System Comand Online getestet.


Bild vergrößern 937 636 http://img2.magnus.de/image-r937x635-C-e2eaecce-52065478.jpg Das Mercedes-Cockpit präsentiert sich klassisch, der Controller fürs Comand- System sitzt unauffällig, aber griffgünstig vor der Armlehne. © Hersteller
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Das Mercedes-Cockpit präsentiert sich klassisch, der Controller fürs Comand- System sitzt unauffällig, aber griffgünstig vor der Armlehne.

Es ist aber auch zu verführerisch: mal schnell während der Fahrt die Facebook-News gecheckt, nach einem Restaurant gegoogelt, die Nachrichten überflogen oder die Verkehrslage überprüft. An die ständige Verfügbarkeit des Internets hat man sich so sehr gewöhnt, dass auch im Auto der Griff zum Smartphone für viele zum Alltag gehört. Das ist kein Kavaliersdelikt: Das Risiko, von einem Ordnungshüter erwischt zu werden, ist zwar eher gering – das, einen Unfall zu bauen, dagegen groß. Denn die Spielerei mit dem Handy lenkt gefährlich vom Verkehrsgeschehen ab – selbst wenn das Smartphone regelkonform in einer Halterung steckt.

Hersteller wittern Geschäftsmodell

Alle machen es, obwohl man es nicht darf – das riecht doch nach einem guten Geschäftsmodell. Und in der Tat: Immer mehr Autohersteller nutzen die Möglichkeit, sich mit der Integration beliebter Internetdienste wie Facebook, Google oder Webradio in ihre Fahrzeuge werbewirksam von den Mitbewerbern abzusetzen. Dass man damit echten Mehrwert schaffen kann, bewiesen bereits die neuen Infotainment-Systeme von Audi und BMW – sie zeigten auch, dass man Internetdienste dank reduzierter, auf den Bordmonitor zugeschnittener Grafik und einfacher Bedienung via Controller während der Fahrt ohne größere Ablenkung sicher nutzen kann.

Comand jetzt mit Online-Anbindung

Da will sich natürlich auch Daimler nicht lumpen lassen – und obwohl die Schwaben in Sachen Infotainment bis dato einen eher konservativeren Weg einschlugen, ist man mit dem neuen Infotainment-System Comand Online nun ganz vorne mit dabei. 3070 Euro kostet das Komplettsystem für die C-Klasse; dafür gibt’s eine Festplatten-Navigation, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung mit Audio-Streaming, einen SD-Kartenleser, integrierte 10 Gigabyte Speicher für Musik, Sprachsteuerung, eine USB-/iPod- Schnittstelle sowie drei Jahre kostenfreie Kartenupdates. Ganz nebenbei bemerkt: Das Einstiegsradio Audio 20 CD mit Monitor, Bluetooth und USB-Schnittstelle ist serienmäßig – eine positive Überraschung und ein feiner Zug der sonst so knausrigen Schwaben.

Die Ausstattung des Comand-Systems ist also komplett, auch die Gestaltung der Menüoberflächen und die Bedienung mit dem griffgünstig vor der Mittelarmlehne gelegenen Controllers gefällt – die Hand fällt nahezu von alleine auf den Steuerknopf. Man muss zwar stets viel kippen, drehen und drücken, doch nach kurzer Eingewöhnung gelingt einem die Handhabung ganz locker.


Beim Betrachten der Navigationsabteilung gibt es dann zum ersten Mal lange Gesichter. Vor allem die Kartengrafik ist angestaubt: Die Texturen erinnern an frühe Computerspiele, die Straßen spannen sich wie dünne Fäden über den Bildschirm. Da helfen auch die hier und da eingeblendeten 3-D-Sehenswürdigkeiten nicht – sie wirken in diesem Ambiente eher fehl am Platz. Zielführung und Routenberechnung arbeiten dafür tadellos – außer einer Verkehrsdatenversorgung via Internet bleiben keine Wünsche offen; hier setzt Comand Online noch auf das ungenauere UKW-System TMC Pro.

Die Internetfunktionen sind über die Weltkugel in der Menüleiste erreichbar. Hierzu muss ein Bluetooth-DUN-fähiges Handy oder Smartphone mit dem System gekoppelt sein, über das dann die Onlineverbindung hergestellt wird. Damit bleiben die meisten Smartphones mangels DUN-Profil außen vor. Man kann zwar über das Telefonmenü schnell zwischen mehreren gekoppelten Handys hin- und herwechseln – das aktuell für die Freisprechanlage ausgewählte Gerät ist aber generell für den Onlinezugang zuständig, mischen geht nicht.

Während der Fahrt zu viel gesperrt

An Funktionen stehen die Google-Suche, Wetterinfos, ein Facebook-Client und ein Browser für das Betrachten herkömmlicher Internetseiten zur Verfügung, die am besten in der mobilen Variante aufgerufen werden sollten. Eine Vorlese-Funktion oder RSS-Feeds wie bei BMW konnten wir nicht finden, auch frei nachladbare Apps gibt es (noch) nicht. Da ab dem Startbildschirm alle Inhalte über die Internetverbindung eingespielt werden, könnte Mercedes dies aber kurzfristig ändern. Nachteil: Da immer alles erst geladen werden muss, sind die Anwendungen zum Teil quälend langsam – trotz des im Testwagen verbauten Blackberrys mit UMTS.

Aber noch etwas stört und führt dazu, dass man die Funktionen nach dem ersten Ausprobieren im Alltag fast kaum benutzt: In Sachen Sicherheit hat es Mercedes zu gut gemeint. Webseiten sind während der Fahrt grundsätzlich gesperrt, Facebook-Nachrichten ebenso – und sogar die Google-Suche kann man nur beim kurzen Ampelstopp anwerfen. Außer Wetterinfos abrufen und den Facebook-Status ändern ist bei rollendem Auto fast nichts machbar.


Bild vergrößern 490 542 http://img2.magnus.de/image-r490x542-C-5eadb6b7-52065482.jpg © connect
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Sicherheit hin oder her, es gibt auch ohne Internet viel im Comand- System, was man während der Fahrt lesen kann, etwa SMS – da dürften ein paar reduzierte Facebook-Meldungen oder News-Häppchen nicht ins Gewicht fallen. Zumal die Konkurrenz von Audi und BMW gerade dies erlaubt und zeigt, dass es funktioniert. Ohnehin bremsen Autos dieser Klasse dank Abstandsradar im Feierabendverkehr selbstständig bis zum Stillstand herunter – warum diese Funktionen nicht miteinander koppeln?

In Sachen Internet hat Mercedes Comand Online also noch Optimierungspotenzial. Und wer die ganzen Multimedia-Funktionen nicht braucht, der kann mit dem Becker-Navi, das wir auf der nächsten Seite vorstellen, eine Menge Geld sparen.





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