Testbericht

Monitor Audio PL 200

Wir alle kennen den Reiz, in der eigenen HiFi-Anlage eine Technik zu nutzen, die nicht jeder hat, seien es Röhren oder Plattenspieler. Beim Lautsprecher , wo dynamische Chassis dominieren, bilden die Magnetostaten und Bändchentöner das berühmte gallische Dorf wider den Mainstream. Etwa bei Monitor Audio.

  1. Monitor Audio PL 200
  2. Datenblatt
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© Archiv

In der neuen Platinum PL 200 ist die puristischste Interpretation verbaut: ein lupenreines Bändchen, bestehend aus nur einem Metallstreifen in einem Magnetfeld - das wegen der hohen Anforderungen an seine Feldstärke meist von Neodyms erzeugt wird. Der Streifen ist zugleich Stromleiter, Elektromagnet und Membran. Die Entwicklungsziele "geringe bewegte Masse" (bei Monitor Audio kommt man hier gerade einmal auf 0,02 Gramm) und "gleichmäßiger Antrieb" sind so natürlich wunderbar erfüllt, schwierig ist dafür die Kombination mit den anderen Chassis: Ein Bändchen muss einige Zentimeter lang sein, um nennenswert Schalldruck zu erzeugen, was in den oberen Höhen für vertikale Bündelungseffekte sorgt. Zudem drohen unterhalb des idealen Einsatzbereiches sprunghaft steigende Verzerrungen und eine insgesamt sehr geringe ohmsche Impedanz, was die Konstruktion der Frequenzweiche zu einer Herausforderung macht.

Technik hin, Bändchen her: Wer vor der Monitor Audio Platinum steht, vergisst erst einmal konstruktive Details. Allein die Materialwahl - Echtholzfurnier, Klavierlack, gebürstete Alu-Kanten, Leder - verlörpert so etwas wie die Akkumulation all jener Schlüsselreize, die bei Haptik-orientierten Highender noch vor dem ersten gespielten Ton Kaufimpulse auslösen können. Doch auch das Gehäusekonzept mit der geschwungenen Rückwand, den stabilen Fuß-Auslegern und der magnetisch haftenden Metall-Abdeckung hält, was die Zutaten versprechen. Das geht von den massiven Imbusschrauben, die die Konstruktion zusammenhalten, über das strömungsoptimierte Bassreflexrohr in Form einer Düse bis zu den metallenen Auslegern nebst Spikes, die für bombensicheren Stand sorgen.

Obwohl sie nicht so markant scheinen wie das Bändchen, stecken auch die Konus-Töner voller High-Tech: Das tragende Stück der Membran besteht aus Nomex, einer extrem stabilen Kunststofffaser, und wird erst zu einem bienenwabenförmigen Gerüst gebacken und anschließend zu einem Rund geformt. Eine Beschichtung verhindert, dass sich Partialschwingungen bilden, die Konstruktion bleibt bei minimalem Gewicht hart. Das würde wiederum bei einem großen Mitteltöner - Bändchen verlangen tendenziell nach höheren Übernahmefrequenzen - zu unerwünschten Bündelungseffekten führen, weshalb der Platinum-Mitteltöner mit 10 Zentimetern rundstrahlfreundlich klein gerät. Unsichtbar für den Besitzer, arbeitet er in einem abgeschlossen, tropfenförmigen Volumen ohne die Gefahr von stehenden Wellen.

"Bändchen hört man immer heraus" - dieses Vorurteil widerlegte die Monitor Audio Platinum PL 200 schnell. Beweist sie doch, dass die in Profi-Kreisen etwas skeptisch beäugten Bändchentöner wunderbar feinauflösend spielen können, ohne in den Höhen je vorlaut zu wirken. Eine Monitor Audio, die bei der "Rosenkavalier-Suite" von Richard Strauss (Guschlbauer, EMI) so gar nicht nach Monitor klang, sondern in räumlichen Weiten und wienerischem Charme schwelgte, ohne dabei klanglich vom Pfad der neutralen Tugend abzuweichen. Da konnte eine ADAM Column mehr Instrumentationsdetails aus der Aufnahme kitzeln, eine Geithain ME-150 einen natürlicheren Saal projizieren - gegen die federnd swingenden Walzer-Rhythmen und das Übermaß an Schmelz, das die Monitor Audio entfesselte, wirkten beide doch eine Spur zu steif.

Der Eindruck verfestigte sich, wenn rockiges oder jazziges Material in den Netzwerkplayer Linn Majik DS gerufen wurden: Was die Monitor bei Pink Floyds "Shine On You Crazy Diamond" (Pulse) an Bassfundamente freisetzte und es zugleich perfekt kontrollierte, spielte weit in die Liga echter Rhythmus-Spezialisten wie der Canton Reference 1.2 DC (AUDIO 8/09) hinein. Nur wenigen Boxen überhaupt gelang im AUDIO-Hörraum bisher eine solche Balance aus Druck und Kontrolle, und die waren allesamt teurer oder deutlich größer. Die direkte Konkurrenz in Form der ADAM und der Geithain schlug sich eindeutig auf die Seite eines etwas zurückhaltend-kontrollierten, eher nüchternen Tieftones. Dem Firmennamen machte die Monitor Audio dagegen weniger Ehre: Anstatt die Abmischung von Marillions "Live from Loreley" schonungslos offenzulegen, gelang ihr eher eine verzeihliche, ja zuweilen schönfärberische Interpretation.

Monitor Audio Platinum PL 200

HerstellerMonitor Audio
Preis6000.00 €
Wertung96.0 Punkte
Testverfahren1.0

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