Testbericht

Motorola Moto X 2014 (2. Generation) im Test

Das Moto X 2014 (2. Generation) zeigt sich im Test als nicht irgendein Smartphone. Der Sprachassistent hört zu, wenn man ihn ruft, und das wird vom Käufer nach dem Baukastenprinzip selbst gestaltet. Aber ohne Schrammen kommt das Flaggschiff trotzdem nicht durch den Test.

  1. Motorola Moto X 2014 (2. Generation) im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Motorola Moto X

© Motorola

Motorola Moto X
EUR 222,00

Pro

  • liegt sehr gut in der Hand
  • eleganter Aluminiumrahmen
  • Gehäusedesign individuell festlegbar
  • intelligentes Benachrichtigungssystem
  • erweiterte Sprachsteuerung
  • starke Funkleistungen

Contra

  • keine Kopfhörer im Lieferumfang
  • Display nicht sehr leuchtstark
  • Speicher nicht erweiterbar
  • Kamera nur Durchschnitt
  • Akkulaufzeit könnte besser sein
  • hoher Preis
82,4%

Das Moto X 2014 ist ein Meilenstein, zumindest wenn man den Vorgänger, den wir im März getestet haben, daneben legt. Motorola hat die zweite Generation seines Flaggschiffes nicht einfach an den aktuellen Stand der Technik angepasst, sondern von der Mittel- in die Oberklasse gehievt. Das Display des Moto X 2 ist auf 5,2 Zoll gewachsen und zeigt die volle HD-Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln, der Prozessor Snapdragon 801 gehört zu den stärksten auf dem Markt, die 13-Megapixel-Kamera wird von einem ringförmigen Blitzlicht unterstützt.

Gehäuse aus dem Smartphone-Baukasten

Das Design des Moto X 2 haben die Amerikaner, die mittlerweile zum chinesischen TK-Riesen Lenovo gehören, ebenfalls deutlich aufgewertet. Die Vorderseite ist wie beim Vorgänger Moto X (Test) schlicht und schnörkellos gestaltet, Display und Rückseite werden jetzt aber von einem geschwungenen Metallrahmen zusammengehalten. Dabei ist die Rückseite verhältnismäßig stark gewölbt, am dicksten Punkt in der Mitte haben wir 10,1 Millimeter gemessen, zu den Rändern hin verjüngt sie sich auf 4,2 Millimeter. Die ergonomische Form sorgt dafür, dass das Telefon sehr gut in der Hand liegt. Die Verarbeitung des Testgerätes war tadellos, die Tasten an der Seite sitzen wackelfrei. Eine IP-Zertifizierung fehlt zwar, eine spezielle Gehäusebeschichtung sorgt aber dafür, dass zumindest Spritzwasser und Regen dem Moto X nichts anhaben können.

Motorola Moto X

© Motorola

Das Design des neuen Moto X kann man selbst anpassen.

Wer das Moto X 2014 (2. Generation) über die Webseite www.motorola.de/motomaker bestellt, kann vor dem Kauf die Rahmenfarbe (Metallic, Schwarz), die Farbe der Lautsprecherschlitze (zehn zur Auswahl) sowie Farbe und Material der Rückseite (17 Kunststoff-Tönungen, vier Holzarten, vier Lederarten) selbst bestimmen. Eine persönliche Lasergravur auf dem Rücken gehört ebenfalls zu den von Motorola angebotenen Individualisierungsmöglichkeiten.

Das hebt das zweite Moto X von der Masse ab: Die Kombination der unterschiedlichen Designelemente macht quasi jedes Moto X 2014 zum Einzelstück. Ein bisschen Geduld muss man dafür allerdings mitbringen, im Testzeitraum wurde uns eine Lieferzeit von 13 Tagen angezeigt.

Hardware: Display und Kamera

Obwohl die Darstellung knackscharf ist und die verwendete OLED-Technologie für starke Farben und Kontraste sorgt, kann das Display nicht restlos überzeugen. Schuld daran ist die schwache Leuchtkraft: Wir haben 236 Candela gemessen. Zieht man Sonys Xperia Z3 Compact (Test) zum Vergleich heran (LCD, 547 Candela), versteht man, auf welch niedrigem Niveau sich Motorola hier bewegt. Zwar sind OLED-Panels generell leuchtschwächer als LCDs, aber selbst wenn man nur OLEDs dagegenhält, findet man das Moto X im unteren Bereich der Skala wieder - Samsungs Galaxy S5 (Test) etwa schafft immerhin noch 339 Candela. Bei trübem Wetter fällt das kaum auf, aber bei starkem Außenlicht, etwa an einem sonnigen Sommertag, wird man Probleme haben, überhaupt etwas auf dem Display des Moto X zu erkennen.

Auch die 13-Megapixel-Kamera schwächelt. Die Auslöseverzögerung ist zwar sehr kurz, die Software-Oberfläche angenehm schlicht gestaltet und Extras wie eine Best-Shot-Funktion sind ebenfalls integriert - aber was nützt das, wenn die Qualität am Ende nicht stimmt? Fotos mit dem Moto X rauschen vergleichsweise stark, vor allem bei schlechtem Licht, und Details werden oft unscharf dargestellt. Der ringförmige Blitz strahlt zwar sehr kräftig, nahe Objekte werden von den zwei LED-Lampen aber überbelichtet, sodass man gut aufpassen muss, aus welcher Entfernung man mit dem Moto X 2014 draufhält. Die Videoqualität ist gut (4K- und Slow-Motion-Aufnahmen werden unterstützt), aber auch sie kann letztendlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gebotene für ein Oberklasse-Smartphone zu wenig ist.

Software: Android mit schnellen Updates

Als Betriebssystem ist Android 4.4 installiert, eine Aktualisierung auf die neueste Version 5 Lollipop dürfte aber nur eine Frage von wenigen Wochen sein, weil Motorola die Oberfläche kaum anpasst und das Android-System stattdessen so installiert, wie es von Google entwickelt wird. Das hat den Vorteil, dass Updates sehr schnell ausgeliefert werden können, wenn eine neue System-Version kommt. Besitzer von Motorola-Smartphones gehören daher in der Regel immer zu den Ersten, die ein Update bekommen. Die Oberfläche reagiert flink und ruckelfrei auf Eingaben, was angesichts des starken Prozessors (Snapdragon 801) keine Überraschung ist. Der Arbeitsspeicher ist mit 2 GB ausreichend bemessen.

Ausstattung: Smarte Extras

Motorola ist der einzige Hersteller, der einen Co-Prozessor einbaut, der ausschließlich Sprachsignale empfängt und verarbeitet. Dieser separate Audioprozessor ist "always on", das heißt, auch wenn das Smartphone mit deaktiviertem Display auf dem Tisch liegt, reagiert es auf Sprachbefehle. Der Nutzer muss nur ein frei festlegbares Signalwort sprechen, um das Moto X 2014 zu aktivieren. Danach kann man Fragen stellen oder Befehle geben. Fragt man zum Beispiel "Hallo Moto, was gibt's Neues?", informiert das Smartphone per Sprachausgabe über alle neu eingegangenen Benachrichtigungen. Dabei verstand uns das Gerät im Test sehr gut, die Spracherkennungsrate lag dicht bei 100 Prozent. In ruhiger Umgebung konnten wir ohne Probleme eine längere WhatsApp-Nachricht diktieren und verschicken, ohne das Smartphone zu berühren.

Zu den weiteren Extras gehören die sogenannten "Moto Regeln", intelligente Situationsprofile, die sich auf Wunsch automatisch aktivieren und bestimmte Aktionen ausführen. In das Profil "Autofahren" schaltet das Telefon etwa, wenn es anhand der GPS-Daten registriert, dass es mit hoher Geschwindigkeit bewegt wird. Anrufe und Nachrichten werden dann vorgelesen.

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Smartphone- und Handy-Vorschau

Die Benachrichtigungen im Standby-Modus (die "Active Notifications") sind ebenfalls eine smarte Zusatzfunktion. Dabei werden Benachrichtigungssymbole auf dem gesperrten Display eingeblendet, sobald der Bewegungssensor eine Erschütterung registriert, zum Beispiel, wenn das Handy in die Hand genommen wird. Man muss also keine Taste drücken oder auf den Bildschirm tippen, um über eingegangene E-Mails oder anstehende Termine informiert zu werden. Ein Fingerwisch über das Symbol offenbart weitere Details - man ist auf dem Laufenden, ohne das Telefon zu entsperren. Weil es sich um einen OLED-Bildschirm handelt und die Infos in SchwarzWeiß-Optik eingeblendet werden, muss nur ein kleiner Teil des Displays aktiviert werden. Das hilft, Strom zu sparen.

Labormessungen: Kein Dauerläufer

Die Ergebnisse des Labortests sind allerdings durchwachsen. Die Funkleistungen zeigen sich durch die Bank sehr gut, im UMTS-Netz sogar top. Die Akkulaufzeit löst dagegen keine Begeisterungsstürme aus, vor allem, wenn man sie mit anderen Oberklasse-Modellen vergleicht. Im genormten connect-Nutzungsmix hält der 2200 mAh starke Akku das Moto X nur 5:40 Stunden aktiv - das reicht zwar gerade noch für einen Arbeitstag, ist aber deutlich weniger als fast jedes andere aktuelle Top-Smartphone an Ausdauerreserven bietet. Marathonläufer wie das iPhone 6 Plus (Test) oder das Ascend Mate 7 (Test) halten mit 10:12 Stunden beziehungsweise 10:37 Stunden fast doppelt so lange durch.

Fazit: Zu wenig für zu viel Geld

Das Moto X ist im Einzelhandel für 499 Euro erhältlich, wer das Gehäuse selbst mit dem Motomaker gestalten will, startet bei 529 Euro. Eine Rückseite aus Holz oder Leder kostet 20 Euro extra, eine Speichererweiterung von 16 auf 32 GB noch mal 50 Euro, sodass man unter Umständen bei knapp 600 Euro landet. Das ist - und damit sind wir beim entscheidenden Kritikpunkt - dann doch etwas teuer für ein Android-Smartphone ohne Speichererweiterung, ohne wechselbaren Akku und ohne Kopfhörer im Lieferumfang. Wer ein einzigartiges Design will, muss also tief in die Tasche greifen und ein paar Nachteile in Kauf nehmen.

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