Die neuen Flaggschiffe von Motorola

Moto X Style und X Play im ersten Test

Motorola hat mit dem Moto X Style und dem Moto X Play gleich zwei neue Top-Smartphones für die zweite Hälfte 2015 angekündigt. connect war bei der Präsentation in London dabei und konnte die beiden X-Modelle bereits einem ersten Test unterziehen.

Moto X Style

© Motorola

Moto X Style

Das neue Flaggschiff ist das Moto X Style, das das Schwestermodell nicht nur mit seiner Highend-Ausstattung überflügelt, sondern auch beim Design besondere Akzente setzt.

Dabei hat sich gegenüber dem Vorgänger Moto X 2014 (Test), der auch für das Nexus 6 Pate stand, gar nicht viel geändert: Motorola setzt weiterhin auf einen Rahmen aus Metall, der eine gewölbte Rückseite umschließt, die in der Mitte mit 11 Millimeter ziemlich dick aufträgt. Wir können aber Entwarnung geben: Das Smartphone wirkt nicht pummelig und liegt aufgrund des ergonomisch geschwungenen Designs sehr gut in der Hand. Wobei "gut in der Hand" relativ ist, mit Maßen von 154 x 76 x 11 Millimeter und 179 Gramm Gewicht bewegt sich der 5,7-Zöller schon stark in Richtung Tablet.

Moto X Play Moto X Style

© Motorola

Die neuen Top-Smartphones von Motorola: links das Moto X Style, rechts das Moto X Play

Auf der Rückseite fällt der schmale Metallstreifen ins Auge, der die Kameralinse und das Blitzlicht (Dual-LED) umschließt. Seine Farbe kann über den Online-Smartphone-Baukasten Motomaker angepasst werden. Das ist neu, genauso wie die erweiterte Farbauswahl für den Rahmen: Neben Schwarz und Weiß stehen drei weitere Farben zur Verfügung. Überhaupt sind die Individualisierungsmöglichkeiten so groß wie bei keinem anderen Motorola-Smartphone, zur Auswahl stehen neben leuchtenden Farben auch Premium-Materialien wie Saffiano-Leder oder Holzarten mit einzigartigen Maserungen. Das ist ein wichtiges Differenzierungsmerkmal gegenüber dem günstigeren Moto X Play (Test), bei dem man zwar die Farbe, nicht aber das Material der Rückseite anpassen kann.

Ausstattung mit Extras

Das Display zeigt 2560 x 1440 Pixel auf 5,7 Zoll und bietet damit eine ultrascharfe Darstellung (520 ppi). Auffällig ist, dass die Vorderseite fast nur aus dem Display besteht, weil die Ränder sehr schmal ausfallen. Motorola erklärte bei der Präsentation, dass das Display 78 Prozent der Gesamtfläche der Vorderseite ausfüllt - beim iPhone 6 sind es nur 68 Prozent.

Moto X Style

© Motorola

Besonders edel: Der Rahmen des Moto X Style besteht aus Metall, das Material der Rückseite wahlweise aus Holz, Leder oder schnödem Kunststoff.

Besonders viel verspricht sich der Hersteller von der Kamera. Im Moto X Style ist Sonys nagelneue Sensor-Generation IMX230 verbaut, die über einen extrem schnellen Phasenvergleich-Autofokus scharf stellt und Fotos mit 21 Megapixel knipst. Bei der Produktvorstellung scheute Motorola nicht den Vergleich mit den unangefochtenen Kamera-Königen iPhone 6 und Galaxy S6: In den Präsentationsräumen waren Stative mit den beiden Smartphones direkt neben X-Style-Modellen aufgestellt, damit die anwesenden Journalisten die Bildqualität direkt vergleichen konnten. Tatsächlich sahen die Bilder vielversprechend aus, Vergleichsaufnahmen mit dem iPhone 6 wirkten zumindest auf den kleinen Displays gleichwertig. Ob sich dieser sehr grobe erste Eindruck bestätigt, wird aber erst der ausführliche Test zeigen. Noch zwei Sätze zur Kamera auf der Vorderseite: Sie knipst mit 5 Megapixel und verfügt über ein Blitzlicht, sodass Selfies auch im Dunkeln kein Problem sind. Ein Weitwinkel-Objektiv sorgt dafür, dass Gruppen auf das Foto passen.

Eine weitere Besonderheit ist eine besonders schnelle Ladetechnik: Mit dem mitgelieferten Netzteil, das laut Motorola einen Output von beeindruckenden 25 Watt liefert, sollen sich sowohl das Moto X Play als auch das X Style in einer rekordverdächtig kurzen Zeit wieder aufladen lassen. Der Hersteller verspricht 10 Stunden Laufzeit nach 15 Minuten Ladezeit und erklärte sogar, dass das X Style das am schnellsten aufladbare Smartphone auf dem Markt ist - angeblich ist es sogar etwa 50 Prozent schneller als das ebenfalls mit einer Schnellladefunktion ausgestattete Samsung Galaxy S6 (Test).

Moto X Play Akku

© Motorola

Kurz nachtanken: Dank Schnellladefunktion soll der Akku besonders fix wieder fit sein. Hier im Bild: das Moto X Play.

Die übrige Ausstattung kann sich ebenfalls sehen lassen. Der Chipsatz Snapdragon 808, der auch im LG-Flaggschiff G4 steckt, ist zwar nicht ganz so leistungsfähig wie das Top-Modell Snapdragon 810, spürbare Unterschiede bei der Bedienung sind deswegen aber nicht zu erwarten, zumal üppige 3 GB RAM Arbeitsspeicher integriert sind. Und da Motorola dafür bekannt ist, Android nahezu unverändert von Google zu übernehmen, kann man sicher sein, dass das System nicht von Software-Ballast ausgebremst wird. In unserem Test reagierte die Oberfläche jedenfalls immer butterweich und schnell.

In den Handel kommen soll das Moto X Style ab September 2015, die 32-GB-Version wird 499 Euro kosten, wer sein Smartphone über den Motomaker individualisiert, zahlt 529 Euro.

Moto X Play: Das Akku-Monster

Das Moto X Play wird dagegen bereits ab 349 Euro erhältlich sein. Die Ausstattung und auch das Design mit der Kunststoffrückseite weisen allerdings deutlich in Richtung Mittelklasse. Das etwas kleinere und leichtere Smartphone kommt mit einem 5,5 Zoll großen 1080p-Display (403 ppi), darunter werkelt ein Qualcomm Snapdragon 615 mit 1,7 Ghz und 2 GB RAM. Die Kamera-Ausstattung ist zwar auf dem Papier weitgehend identisch mit dem X Play - vorne und hinten sind die gleichen Sensoren verbaut -, aber das Selfie-Blitzlicht fehlt und die Bildqualität ist schlechter, vor allem Low-Light-Aufnahmen haben einen deutlich höheren Rauschanteil. Das liegt daran, dass dem X Play die Prozessor-Power fehlt, um die Signalverarbeitung der Rohdaten (Image Signal Processing, ISP) auf einem hohem Niveau zu gewährleisten. Vergleichsfotos mit beiden Modellen zeigen sehr schön, wie wichtig Prozessor und ISP für die Bildqualität sind.

Moto X Play

© Motorola

Die Rückseite des X Play besteht aus Kunststoff, die Farbe kann man über den Motomaker anpassen.

Beim X Play liegt ein Schwerpunkt auf der Ausdauer. Motorola baut einen mächtigen 3.630-mAh-ein, der sich wie beim X Play sehr schnell wieder aufladen lassen soll. Zum Vergleich: Der amtierende Ausdauerkönig Huawei Ascend Mate 7 (10:37 Stunden im connect-Nutzungsmix) kommt mit einer 4100 mAh starken Batterie. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass das Moto X Play das Mate 7 an der Spitze der ausdauerndsten Smartphones ablöst. Es soll ab Ende August in Deutschland erhältlich sein, die 16-GB-Version für 349 Euro (über den Motomaker 379 Euro), mit 32 GB kostet das Smartphone 429/459 Euro.

Fazit: Ein Daumen hoch, ein Daumen runter

Moto X Style und Moto X Play machen eigentlich alles richtig. Beide Modelle setzen klare Produktschwerpunkte (Style: Design und Kamera, Play: Akku) und bieten damit auch genügend Alleinstellungsmerkmale - im hart umkämpften Smartphone-Markt ist das eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg. Mit Blick auf das kunststofflastige Design und den relativ schwachen Prozessor scheint uns der Preis für das Moto X Play allerdings etwas zu hoch gegriffen.

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