Testbericht

Musik-Server Naim HDX

Der Naim HDX kann CDs ganz konventionell abspielen. Doch erst auf dem Umweg über die eingebaute Festplatte passiert Erstaunliches.

  1. Musik-Server Naim HDX
  2. Datenblatt
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© Archiv

Der Einsatz von Computer- und Netzwerktechnik in HiFi-Anlagen ist etwa so konsensfähig wie die "friedliche Nutzung der Kernenergie". Im Gegensatz zu Letzterer besitzt das Thema Harddisk-HiFi jedoch extrem gute Zukunftsprognosen. 

Gerippt klingt besser

Die Idee: Wenn man die eigentliche Datengewinnung, das Lesen der Bits von der CD, vollständig von den Zwängen der Echtzeit-Wiedergabe befreit, lässt sich in erstaunlichem Maße Sauberkeit und Auflösung hinzugewinnen.

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PC trifft High End: HDX-Heck mit Buchse für Zusatz-Netzteil (gelb) und mit Naim-typischem DIN-Ausgang (ganz rechts). Darunter ein Ground-Lift-Schalter gegen Brummschleifen

Egal, von welcher Festplatte die Player gespeist werden: Entscheidend ist nur, dass beim Transfer der CDs auf diese Harddisk absolut null Fehlertoleranz herrscht. Dieser Bit für Bit perfekte "Rip" ist das Erfolgsgeheimnis der Netzwerker. Man braucht dafür einen Rechner, spezialisierte Software (EAC, Max, dbPoweramp), etwas Erfahrung und eine große, möglichst sichere Festplatte. Oder den Naim HDX, der alle Elemente in einem Gehäuse vereint. Dass Naim sämtliche Einzelschritte der Datenauslese, -organisation und -wiedergabe in jahrelanger Arbeit optimiert, automatisiert und in ein intuitives Bedienkonzept integriert hat, macht den HDX zum ersten Player, der den HD-Effekt wirklich autark umsetzt. 

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Der Webserver des HDX zaubert das Naim-Interface auch auf jeden Internet-fähigen (Mini-)Computer. Hier ein Nokia N-810.

Ohne weiteres Zutun des Besitzers rippt sein präzise kalibriertes Hard/Software-Gespann jede eingelegte CD als Bit-identische Kopie auf die integrierte 400-Gigabyte-Festplatte. Eine zweite, gleich große Harddisk erzeugt jede Nacht automatisch ein Backup der ersten, was den HDX weitgehend immun gegen Datenverlust durch Plattenschäden macht. Die 400 GB reichen für "nur" rund 650 CDs, weil Naim auf jede platzsparende Veränderung der gerippten Dateien verzichtet. Der HDX lässt sich bei Bedarf jedoch durch externe Platten nahezu beliebig erweitern.

Top-Komfort

Existiert bereits eine digitale Musiksammlung auf einer NAS-Platte oder einem im lokalen Netzwerk zugänglichen Rechner, macht der Naim diese Ressource zugänglich wie ein üblicher, wenn auch ziemlich guter Netzwerk-Player. Egal, ob die interne oder eine Netzwerk-Platte läuft - der HDX spielt "gapless", also ohne Zwangspausen zwischen den Tracks, und er braucht keine externe Server-Software. 

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Das Display in seiner Pracht

Im schnellen - und auch bei riesigen Sammlungen zielsicheren - Auffinden gesuchter Stücke ist der Naim dem Sonos sogar überlegen. Insbesondere dann, wenn er selbst die Rip-Arbeit übernehmen darf. Dann fragt der Player besonders detaillierte Angaben aus mehreren Internet-Datenbanken ab und meldet sogar unklare Fälle und fehlende Informationen an diese zurück. In der riesigen AMG-Datenbank, die der HDX als Haupt-Infoquelle nutzt, werden Einträge nach drei Fehlermeldungen manuell nachbearbeitet - eventuelle Änderungen aktualisiert der Naim-Player später automatisch.

Die Navigation über den eingebauten LCD-Touchscreen ist sehr übersichtlich; für größere Distanzen dürfen auch externe Bildschirme und sogar Maus und Tastatur ran. Dank integriertem Webserver lässt sich der Naim obendrein mit fast jedem internetfähigen Rechner, Laptop, Pocket-PC oder Handy bedienen.

Der Hörtest

Zur Beurteilung der Rip-Qualität des HDX hat AUDIO verschiedene CDs parallel mit EAC (dem besten Rip-Programm für den PC) auf die Hörraum-NAS transferiert und diese Dateien dann mit den vom Naim generierten verglichen. Nennenswerte Unterschiede konnten die Tester beim besten Willen nicht feststellen: Ob Katie Melua oder das London Symphony Orchestra nun übers Netzwerk oder von der internen Platte des Naim kamen, ließ sich nicht auseinanderhalten.

Was einerseits Gerüchte widerlegt, beim Naim handele es sich um eine Art Wunder-Ripper, andererseits aber für den HDX spricht: Mehr als "fehlerfrei" geht nun mal nicht, aber der Aufwand für einen solch perfekten Transfer, inklusive Coverbild und akkurate Metadaten, hat sich durch den Naim erheblich reduziert - auf zweimaliges Betätigen der open/close-Taste.

Es ist ein Schlüsselerlebnis, dem HDX zuzuschauen, wie er in aller Ruhe Kopierschutz-vernagelte und verkratzte Härtefälle ausliest, die typische High-End-Player schlicht zum Absturz bringen würden. Und wie dabei nicht mal der "Error"-Zähler - der potenziell faule Stellen in der Datenernte protokollieren soll - seines Amtes walten muss. Die meisten klassischen Spieler hatten gegen den HDX dann auch klanglich nicht viel zu melden. Noch bevor irgendwelche Diskussionen über tonale Balance und natürliche Klangfarben begannen, hatte der Netzwerker bereits in mehreren Disziplinen gewonnen: Seine Abbildung war ungeheuer präzise, die Feinzeichnung enorm, und der Klang strahlte bei aller Detailfreude eine Ruhe aus, die selbst absolute Top-Spieler im Vergleich fahrig und nervös wirken ließ. Dass der HDX dabei kernig-trocken und mit eher nüchterner Farbpalette spielte, ist Naim-typisch, aber nicht jedermanns Geschmack.

Naim Audio HDX

HerstellerNaim Audio
Preis6500.00 €
Wertung125.0 Punkte
Testverfahren1.0

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