All-In-One-System

Naim SuperUniti im Test

Mit dem SuperUniti baut Naim eines der besten All-In-One-Systeme. Stiehlt das Stereo-Komplettsystem vielleicht sogar den teuren Einzelkomponenten des Herstellers die Schau? AUDIO macht den Test.

ET Naim SuperUniti

© Julian Bauer, Shutterstock / Archiv

ET Naim SuperUniti

Pro

  • Klingt druckvoll, knackig und absolut präzise

Contra

Pro

  • Klingt kraftvoll, dabei absolut kontrolliert, musikalisch und temporeich

Contra

Dem Naim SuperNait gelang vor fast sieben Jahren eine bemerkenswerte Leistung: Er erwies sich als einer der besten Vollverstärker der AUDIO-Testhistorie, blieb in seiner Preisklasse bis heute ungeschlagen und brachte dank integriertem D/A-Wandler ungewöhnlich viel Flexibilität mit.

Der nächste Streich gelang Naim im Jahr 2012 mit dem SuperUniti, der neben dem D/A-Wandler gleich einen vollwertigen Netzwerkplayer enthielt - eine Komplettanlage auf Referenzklasse-Niveau, die gegenüber dem SuperNait sogar noch ein paar Watt mehr Leistung bot und auf jeden Fall keinen Deut schlechter klang.

Und das, obwohl sich Leistungsverstärker und Digitalplayer im selben Gehäuse eigentlich immer gegenseitig stören. HFEinflüsterungen der Digitalabteilung sind in den Endstufen unerwünscht und die elektromagnetischen Felder des Amps erschweren dem D/A-Wandler die Präzisionsarbeit.

Das hier getestete Gespann trennt, was aus audiophiler Sicht getrenntgehört: Der Naim SuperNait 2, Nachfolger des SuperNait, ist in etwa so teuer wie sein Vorfahr, kommt aber ohne Digitalabteilung, ist also ein klassisch analoger Vollverstärker. Der NDX, zweitteuerster Netzwerker im Naim-Programm und allein schon so teuer wie der All-In-One-Bruder, ergänzt den Super-Nait 2 hier als Digitalplayer.

Für einen fairen Ablauf dieser unfairen Gegenüberstellung haben wir natürlich auch den SuperUniti noch einmal bestellt, um der fast doppelt so teuren zweihäusigen Kombi als Sparringspartner zu dienen. Optisch und haptisch nehmen sich die Komponenten nicht viel. Die Volume- und Balance-Drehknöpfe des SuperNait 2 bestehen aus Aluminium, nicht aus Plastik wie beim SuperUniti.

ET Naim SuperUniti

© Julian Bauer, Shutterstock / Archiv

Das Stereo-Komplettsystem trägt am Heck eine Mixtur aus Netzwerk-, Digital-, Analog- und Antennenanschlüssen.

Dass letzterem auch der leuchtende Positions-Punkt am Drehknopf fehlt, verrät einen Unterschied, der schon etwas tiefer geht: Während am SuperNait 2 ein klassisches ALPS-Motorpoti den Pegel anpasst, übernimmt den Job im SuperUniti ein Halbleiter-Chip - der Knopf wirkt also nur virtuell über einen Dreh-Encoder, dessen Ansprechverhalten Naim aber immerhin schön direkt ausgelegt hat.

Öffnet man das Gehäuse des SuperNait 2 (wie gewohnt ein massiver Alu-Gussmantel mit von vorn eingeschobener Chassis-Schublade aus dickem Alublech), erkennt man, dass der SuperNait 2 kein SuperNait 1 ohne DAC ist, sondern vielmehr ein SuperUniti ohne Streamer - auch die exakt gleiche Leistungsausbeute im AUDIO-Labor lässt auf eine enge Verwandtschaft zwischen dem All-In-One-Überflieger und dem neuen Top-Vollverstärker schließen.

Auf den zweiten Blick erkennt man, dass die Entwickler in Salisbury nicht einfach nur den Streamer weggelassen, sondern den verbleibenden Verstärker verfeinert haben: Ein etwas größerer Trafo und selbst entwickelte, diskret aufgebaute Spannungsregler für die Eingangsstufen halten den Amp noch opulenter unter Strom als seinen Naim-typisch in dieser Beziehung schon 110-prozentigen Vorgänger.

Das Naim-Faible für gewaltige Stromversorgungen setzt sich im NDX fort. Der Netzwerkplayer scheint seinen Trafo einer Endstufe geklaut zu haben. Tatsächlich handelt es sich bei dem Ringkern um eine Spezialanfertigung, die Naim ausschließlich für den NDX spezifiziert hat. Ganz nach dem Motto "you are what you eat" können maßlose Naim-Freunde die Alimentierung des Players durch externe Netzteile nahezu unbegrenzt aufdonnern: zwischen 2300 und fast 10000 Euro kosten die externen Trafohäuschen.

Wer sich noch beherrschen kann, verschließt die Netzteil-Buchse schnell mit dem beiliegenden Blindstecker und freut sich an einem energetisch auch so schon alles andere als unterversorgten, zudem sehr gut ausgestatteten und perfekt bedienbaren Spieler.

ET Naim SuperUniti

© Julian Bauer, Shutterstock / Archiv

Der Vollverstärker präsentiert sich rein analog mit fünf jeweils doppelt ausgeführten (DIN- und Cinch-) Eingängen.

Der NDX ist ein Digital-Universalist. Seine Haupt-Bestimmung ist es, Musikdateien von einem irgendwo im Heimnetzwerk befindlichen Festplatten-Server wiederzugeben, etwa von einer NAS-Platte oder dem auf Musikstreaming spezialisierten Naim UnitiServe. Digitalton kann aber auch über drei S/PDIF-Eingänge hereinkommen (je einer in TOSLink, Cinch und BNC), als File von einem Speicherstick oder gar direkt von einem am frontseitigen USB angeschlossenen iPhone, -Pod oder -Pad.

Ebenfalls digital, nämlich via Internet, empfängt der NDX die ganze Welt des Radios. Wer unbedingt will, kann den NDX mit einem 400-Euro-Upgrade sogar UKW- und DAB-fähig machen - außerhalb von Gegenden mit extrem schlechter, nicht radiotauglicher Internetversorgung ist das aber sinnlos.

Den Wandler des NDX kennen wir in ähnlicher Form schon aus dem NaimDAC (3/10) und dem ND5XS (3/12): Eine raffinierte Kombination aus Zwischenpuffer und DSP-gesteuert an das Quellsignal angepasster Clock sorgt hier für eine extrem zeitstabile Fütterung des DAC-Chips. Dieser PCM1791 von Burr-Brown bedankt sich mit extrem niedrigem Jitter und entsprechend geringen klanglichen Nebenwirkungen.

Stromabwärts sorgen Analogfilter- und Ausgangsstufen auf Basis hochwertiger Operationsverstärker dafür, dass nicht doch noch etwas die Signalreinheit trübt. Die letzte Stufe gibt es doppelt - gleichberechtigt für den Cinch- und den Naim-üblichen, im Verbund mit hauseigenen Verstärkern besser klingenden DIN-Ausgang. Welcher der beiden Outputs aktiv ist - oder ob beide parallel laufen sollen - entscheidet der Nutzer über das Setup-Menü.

Im Test hörten wir hauptsächlich über das schlichte graue DIN-Kabel, das dem Player wie immer beiliegt. Unabhängig davon, welche Cinchleitung zum Vergleich diente, klang DIN in der Verbindung vom NDX zum SuperNait 2 geordneter, fokussierter und tonal stimmiger. Der zum Vergleich aufgebaute SuperUniti hat bauartbedingt ohnehin keine Verbindungskabel nötig.

ET Naim SuperUniti

© Julian Bauer, Shutterstock / Archiv

Arbeitsteilung: Die prachtvolle Audioplatine entsteht in Salisbury, das Stream-Board überm Trafo kauft Naim zu.

Zur Steuerung des NDX und des Player-Teils im SuperUniti diente die hervorragende Naim-App n-Stream, die unsere Hörraum-Musikbibliothek elegant mit Zusatzinfos aus verschiedenen Internet-Datenbanken anreicherte und vom schnellen Vorlauf bis hin zu Alben-übergreifenden, editier- und speicherbaren Playlisten das Silber-Abzeichen in der Streamer-Praxiskür locker verdient hat.

Im Klang schaffte ja bereits der SuperUniti mit seinen 120 Verstärker-Klangpunkten Gold, um im Bild zu bleiben. Aber was müsste dann der neue SuperNait bekommen? Am NDX als gemeinsamer Quelle wirkte der SuperUniti zunächst sogar luftiger, die Gitarrensaiten auf David Crosbys "Time I Have" lockten mit noch feinerem Flirren. Beim Wechsel zurück wurde aber klar, dass der SuperNait 2 dieses Flirren gar nicht braucht, weil er die Instrumente auf breiterer Bühne, dafür mit klareren Konturen und realistischerem Gewicht noch mehr Wirklichkeit werden ließ.

So dass man mit diesem Amp weniger durch die Instrumente hindurch als vielmehr um sie herum hören konnte - der korrektere Ansatz und damit, nun ja, Platin, wenn auch knapp. Setzt man die Testermütze ab und hört einfach nur Musik mit dem SuperNait 2, reißt der englische Amp einen schlicht vom Sessel: Schlackenfrei und knackig, präzise in Tempo und Timing, musikalisch ausdrucksstark mit einer tonalen Balance, die von asketisch-sehnig bis flauschig-einhüllend das ganze Spektrum musikalischer Aufnahme- und Produktionsstile ausleuchtete.

ET Naim SuperUniti

© Julian Bauer, Shutterstock / Archiv

Vierzylinder: Zwei Paar Endtransistoren (eines pro Kanal) kühlen sich direkt am Geräteboden, die Elko-Stromsilos (unter dem grauen Flachkabel) direkt an ihrer Seite.

Dieser extrem direkte, ungeschönte Klang hat seinen Ursprung natürlich im NDX. Andere Player konnten den SuperNait 2 distanzierter und mit schlechten Aufnahmen sogar angenehmer wirken lassen. Es fand sich diesseits des Linn Akurate DS (1/11) aber kein Digitalplayer, der im Vergleich zum NDX nicht diffus, unverbindlich und im Hochton strähnig gewirkt hätte.

Dass die Kombination aus NDX und SuperNait 2 den SuperUniti mühelos an die Wand spielte, lag also ganz entscheidend auch am Player. Der NDX schmeichelt sich nicht mit jeder Aufnahme auf Anhieb ins Herz des Zuhörers. Dass man nicht auf ihn verzichten will, bemerkt man oft erst nach dem Wechsel zu vermeintlich schöner klingenden Spielern, wenn Takt für Takt klarer wird, dass Ausdruckskraft und Intensität eben doch durch nichts zu ersetzen sind.

Messlabor SuperNait 2

Der SuperNait 2 ist (Naim-typisch) mild bandbegrenzt (6dB bei 50kHz) und recht kräftig (2x91/142W Sinus an 8/4?, AK=61). Er verwendet nur geringe Über-Alles-Gegenkopplung, wie sich aus dem leicht lastabhängigen Frequenzgang sowie dem Klirrstabilitäts-Verhalten erkennen lässt. Der (Leerlauf-) Stromverbrauch ist mit 15W niedriger als der des Players (20W). Standby gibt's hier wie dort nicht.

Messlabor NDX

Der NDX spielt Abtastraten bis 192kHz und ist mit allen gängigen HiRes-Formaten kompatibel, begrenzt die Analog-Bandbreite aber unabhängig von der verwendeten Abtastrate auf ca. 30kHz. Gut, aber nicht überragend sind die Störabstände mit 107dB über alle Betriebsarten. Die Ausgänge liefern normgerechte Spannungen um 2V, sind aber extrem niederohmig (<2?) klirr- und jitterarm (144ps, 2).

Fazit

Wenig überraschend: Für fast 4.000 Euro mehr bekommt man mit der getrennten Naim-Kombi noch besseren Klang als mit dem hoch charmanten Komplettgerät. Spannend dagegen, wie deutlich unsere Hörvergleiche den Einfluss des Digitalplayers gemacht haben: In der Auflösungsklasse eines SuperNait sollte man nicht irgendeinen guten, sondern, sofern irgendwie finanziell umsetzbar, wirklich den allerbesten Spieler anschließen.

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