Testbericht

Nokia E90 Communicator

E wie Evolution. Nichts ist beständiger als der Wandel - das zeigt der neue Nokia E90 Communicator.

  1. Nokia E90 Communicator
  2. Das Bedienkonzept
  3. Datenblatt
  4. Wertung
Nokia E90 Communicator

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Nokia E90 Communicator

Danke Nokia! Die Finnen haben uns Testern mit der Neuauflage des legendären Communicators eine schwere Last von der Seele genommen. Denn eins war beim Testen so sicher wie das Amen in der Kirche: Beim Thema Vibrationsalarm gab's immer Prügel. Schrieb man, dass Nokias Business-Flaggschiff keinen hat, beklagten Leser, wie unwichtig dieses Detail sei und wie störend das Vibrieren in einer Konferenz. Ging man über das Fehlen dieses Features hinweg, musste man sich vorhalten lassen, nicht streng genug zu testen. Damit ist jetzt Schluss, denn der neue E90 Communicator hat einen Vibrationsalarm - wie fast jedes hundsgemeine Handy auch. Wer ihn braucht, kann selbigen also aktivieren, wer nicht, lässt's bleiben.

Schneller Datenfunk mit HSDPA

Doch es kommt noch besser: Bei seiner 879 Euro teuren Neuauflage hat Nokia mit allen offensichtlichen Schwächen des Vorgängers 9500 aufgeräumt. Der Klassiker hat sich endlich zu zeitgemäßen technologischen Höhen aufgeschwungen: So verzichtete der Vorgänger allen Hoffnungen zum Trotz noch Ende 2004 auf UMTS und setzte stattdessen auf EDGE als schnellen Datenfunkstandard - nur leider war dieser zu der Zeit in Deutschland noch nicht verfügbar. Der E90 ist dagegen mit HSDPA bis 3,6 MBit/s voll auf der Höhe der Zeit. EDGE unterstützt er zusätzlich, was ihm mittlerweile vor allem im T-Mobile-, aber auch im Vodafone-Netz einen Geschwindigkeitsvorteil bringen kann. Einzig auf schnelle Uploads via HSUPA verzichtet der Neue, doch hier haben auch die Mobilfunknetze noch nichts zu bieten. Wichtiger ist es da schon, dass das Nokia-PDA-Phone auf allen GSM-Bändern weltweit erreichbar ist.

Funken via Bluetooth und WLAN konnte schon der 9500, der Neue hat in Sachen Geschwindigkeit und Sicherheit zugelegt und ist hier up to date. Daneben empfängt er aber auch ganz andere Daten. Per UKW etwa das aktuelle Radioprogramm, zumindest solange ein Headset angeschlossen ist. Oder via Satellit die eigene Position - selbst einen GPS-Empfänger hat der neue Communicator eingebaut. Der macht aus dem E90 im Zusammenspiel mit den herunterladbaren Nokia Maps und der Software Smart2Go eine formidable Navigationslösung.

Top-Kamera, exzellentes Display

Bei der Ausstattung des E90 zieht Nokia alle Register - etwa bei der 3,2-Megapixel-Autofocus-Kamera, die mit leichter Auslöseverzögerung Bilder schießt, die auch des genaueren Hinsehens würdig sind. Jetzt fehlt noch der optische Zoom, dann kann die Digitalkamera endgültig zu Hause bleiben. Vom Feinsten ist das innenliegende Display des Communicators, ohne dass dieses gesonderte Lob die hohe Qualität der Außenanzeige schmälern soll. Innen wird mit 800 x 352 Pixeln auf zehn Zentimetern Diagonale besonders Internet in hoher Qualität geboten. Wo andere Browser schon allein deshalb versagen, weil sie die angebotene Informationsfülle nicht darstellen können, macht der E90 noch lange nicht schlapp. Nur bei Java muss der Browser passen, das einfache Java-Scripting funktionierte mit unseren Testseiten aber erstaunlich gut.Stark verbessert zeigt sich auch die Gehäusestabilität: Wo bei älteren Modellen nach einiger Zeit Ermüdungserscheinungen auftraten, hat Nokia beim E90 an der Qualitätsschraube gedreht. Besonders augenfällig ist dies an den Display-Gelenken, die für die Ewigkeit gebaut zu sein scheinen. Schade allerdings: Sie rasten nur noch im rechten Winkel und in völlig flacher Position von Display zu Tastatur ein. Ein Winkel dazwischen wäre etwa beim Arbeiten im beengten ICE sehr vorteilhaft gewesen.

Ein weiterer kleiner Kritikpunkt sind die fehlenden Erhebungen der Tasten, die die haptische Orientierung erleichtert hätten. Doch ansonsten erinnert die Verarbeitungsqualität an die E-Klasse von Mercedes, zu der der neue Communicator auch optisch passt.

Stabil ist er also. Doch obwohl der E90 beim ersten Zugriff den 95er in Abmessungen und Gewicht zu übertreffen schien, beweist der Blick auf Waage und Mess-Schieber: Der neue Communicator ist sogar etwas kleiner und leichter als sein Vorgänger. Zwar ist er absolut gesehen immer noch ein beachtliches Stück Hightech, das weder bequem in der Hosen- und schon gar nicht in der Hemdtasche getragen werden kann und so in der Handhabungsnote mit einem "befriedigend" vorlieb nehmen muss, doch einen Vorteil von neun Punkten bringt die moderate Schrumpfkur trotzdem ein.

Als einziges Manko in puncto Qualität bleibt zu notieren, dass eines unserer Testgeräte auf geradem Tisch ein wenig auf seinen vier Gummifüßen wackelte. Doch diese Ungenauigkeit scheint ein Einzelfall zu sein, der bei anderen Geräten so nicht auftrat.

Gute Ausdauer

Angesichts der vielfältigen Verbesserungen bei der Ausstattung erstaunt es umso mehr, dass es Nokia zusätzlich gelungen ist, einen größeren Akku ins etwas kleinere Gehäuse einzubauen. Der ist der UMTS-/HSDPA-Fähigkeit geschuldet, die natürlich kräftig am Stromspender nuckelt: So hält der  neue Communicator knapp acht Stunden typischer Anwendung aus - was für ein 3G-Gerät gut ist. Zum Vergleich: Der 9500 ohne UMTS kam auf sehr gute elf Stunden. In den anderen Labormessungen hat der Communicator ebenfalls zugelegt, besonders in der Akustik ist er deutlich besser als sein Vorgänger. Bei den Funkeigenschaften verliert er zwar einen Punkt, doch hier werden durch die 3G-Bänder auch deutlich erhöhte Anforderungen gestellt. Damit reicht es bei den Labormessungen zwar unterm Strich auch nur zu einem "befriedigend", doch dieses Urteil liegt wie bei der Handhabung nun schon deutlich näher an der Schwelle zum "gut".

Leistungsfähige Software-Basis

Da sich der E90 auch bei der Software keine Schwäche leistet - der Neue läuft nicht mehr auf der Serie-90-, sondern auf der weitverbreiteten Serie-60-Plattform - kann er bei der Ausstattung punktemäßig fast voll abräumen. Mit 171 von 200 Zählern sticht er sogar den in dieser Kategorie wahrlich nicht kleckernden Ameo von T-Mobile.

Fazit: Die neue Nummer eins

Es gibt PDA-Phones, die in ihren Eigenschaften noch ausgeglichener sind, es gibt sie sogar deutlich unter 879 Euro. Doch einem Gerät, das so kompromisslos auf Vollausstattung und Arbeitskomfort getrimmt ist wie der neue E90 verzeiht man auch kleine Schwächen in Sachen Handlichkeit und Messwerte. Denn eins steht nach diesem Test fest: Der E90 ist unterm Strich das beste PDA-Phone, das derzeit zu haben ist.

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