Testbericht

Nokia N78

Nokia schickt mit dem neuen GPS-Allrounder N78 einen heißen Renner auf die Piste. Ob der der versammelten Konkurrenz die Rücklichter zeigen kann?

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  2. Datenblatt
Nokia N78

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Nokia N78
Nokia N78 Querformat

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Beim Surfen im Internet und beim Forografieren kann man das Display im Querformat nutzen.

Der Mobile World Congress, Europas größte Mobilfunkmesse, hat im Februar die Marschrichtung im Handybereich für dieses Jahr deutlich aufgezeigt - es geht in Richtung Navigation. So war etwa am Stand des Weltmarktführers Nokia neben TV, Video, Gaming und Blogging das Thema Routenführung an vorderster Front zu finden. Kein Wunder also, dass der finnische Konzern nicht nur seine stark verbesserte Navigationssoftware Nokia Maps 2.0 im Köcher hatte, die mittlerweile als kostenloser Download unter www.maps.nokia.com für viele Modelle erhältlich ist, sondern auch mehrere Handys mit eingebautem GPS-Empfänger der neuesten Generation präsentierte. Nun steht mit dem N78 für 419 Euro das erste auf der Messe vorgestellte Modell kurz vor dem Marktstart.

Von der Form her erinnert das Quadband-Handy an das N82 und vor allem an das N73. Doch der Neuling tritt mit seiner Front in Hochglanzschwarz wesentlich selbstbewusster auf als die eher unscheinbaren Geschwister. Der Nachteil wie bei so vielen aktuellen Modellen: Das dunkle Kunststoffgehäuse ist überaus empfänglich für Fingerabdrücke. Schwerer allerdings wiegt, dass der Akkudeckel Spiel hat und beim Zugriff wackelt. 

Kleine Tasten, gute Menüführung

Nokia N78 Kamera

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Etwas gewöhnungsbedürftig gestaltet sich die Bedienung: Auswahl-, Anruf-, Menü- und Korrekturtasten setzen sich nicht vom Gehäuse ab und bieten keinen sauber definierten Druckpunkt. Kritik muss sich auch die Zifferntastatur gefallen lassen. Diese besteht aus sehr kleinen Drückern, die in horizontaler Richtung nicht voneinander abgegrenzt sind. Gut dagegen: Die zentrale Fläche des Fünf-Wege-Hardkeys dient als berührungsempfindliches Touchwheel. So kann man komfortabel durch Titel- und Wiedergabelisten des Musicplayers, durch das Fotoalbum oder auch durch die Kontaktliste scrollen. Bei der normalen Bedienung, etwa in den Menüs, ist die konventionelle Variante dagegen die bessere.

Gelungen sind auch die hübsch anzuschauenden Übergänge beim Wechsel der Menüebenen, die sanft aus- und eingeblendet werden. Allerdings genehmigt sich das Serie-60-Modell doch die eine und die andere Gedenksekunde beim Aufrufen der einzelnen Funktionen. Flottes Zapping durch die Menüs ist so kaum möglich. Ansonsten gibt es aber an der Menüführung des neuen Nokia kaum etwas auszusetzen. Praktisch ist zudem die Multimedia-Taste auf der Front, die in schicker Optik alle Medieninhalte zusammenfasst, sodass diese von dem scharfen 2,4-Zoll-Display in ein besonders gutes Licht gerückt werden.

Riesiges Ausstattungspaket

Nokia N78 Musicplayer

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Der Musicplayer überzeugt mit vielen Features und einfacher Bedienung. Nachrüstkopfhörer für besseren Sound lassen sich direkt an das N78 anschließen.

Voll in seinem Element ist das N78, wenn es um das Thema Ausstattung geht, denn hier fährt es ganz große Geschütze auf. So beherrscht das Quadband-Modell nicht nur UMTS, sondern auch HSDPA mit bis zu 3,6 Mbit/s; im GSM-Betrieb sorgt EDGE für flotte Downloads und zügiges Surfen im Web, was dank HTML-Browser kein Problem ist. Optional lässt sich die Browser-Darstellung im Menü auch ins Querformat switchen, was bei vielen Webseiten die Übersicht erleichtert. Der Kurzstreckenfunk Bluetooth, der mit dem praktischen SIM-Access- und Stereo-Audio-Profil aufwartet, fehlt ebenso wenig wie WLAN. Und wer gar nicht genug kriegen kann, kann das N78  obendrein via UPnP in ein Heimnetzwerk integrieren und sich so den Zugriff auf Multimedia-Inhalte am PC sichern.

Richtig in die Vollen geht der Allrounder ohnehin bei den Multimedia-Features: Die 3,2-Megapixel-Kamera mit Autofokus und Fotolicht schießt recht gute Bilder; Videos nimmt das N78 in VGA-Auflösung mit einer Bildrate von 15 fps auf, die Bedienung erfolgt dabei im Querformat. Auch Musikliebhaber kommen auf ihre Kosten.

Nokia N78 Navi-Rad

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Mit dem Navi-Rad kann man die Mediadateien schnell und einfach durchforsten; eine Kreisbewegung an den Fünf-Wege-Keys genügt.

So fehlt weder das obligatorische UKW-Radio noch der sehr gute Musicplayer mit Coveranzeige und konfigurierbarem 7-Band-Equalizer. Klanglich kann das N78 mit einer sehr ausgewogenen Wiedergabe überzeugen. Allerdings trifft dies nicht auf das Beipack-Stereo-Headset zu, das eher dünn klingt und nur eine bedingt gute Passform bietet. Das ist freilich kein Beinbruch, denn der Nutzer kann einen Nachrüstkopfhörer direkt ans Handy anschließen. Zudem liegt dem N78 eine 2-GB-Speicherkarte für den MicroSD-Slot bei. Multimedia-Fan, was willst du mehr?

Vielleicht einen FM-Transmitter, der die im Handy gespeicherten Songs auf jedes x-beliebige UKW-Radio überträgt, beispielsweise im Auto? Auch damit kann  das N78 dienen. Nur in der Gattung Spiele hält sich das Nokia zurück: An Bord des Testgeräts waren keine vorhanden, lediglich ein Link zur kostenlosen N-Gage-Software ließ sich im Multimedia-Menü aufspüren. Der ist derzeit allerdings noch zukunftsweisend, denn aktuell waren keine Spiele für das N78 online zu finden.

Auto- und Fußgängernavi top

Einen Topeindruck hinterließ der Allrounder dann im Navi-Einsatz. Dank dem integrierten GPS-Empfänger und der Unterstützung von Assisted-GPS (A-GPS) bestimmte das N78 in Verbindung mit der hauseigenen Software Nokia Maps 2.0 schnell und zuverlässig die aktuelle Position und zeigte sich auch bei der Routenführung zuverlässig. Besonders beeindruckend ist auch die gelungene Integration der Fußgänger-Navigation und die Möglichkeit, sich das Kartenmaterial als Satelliten-Echtbild mit hinzugefügten Straßenamen anzeigen zu lassen.

Schwächen bei UMTS

Nokia N78 Radio

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Mit dem FM-Transmitter kann man die Songs aus dem Handyspeicher an jedes beliebige UKW-Radio schicken.

Im Labor lieferte das N78 eine durchwachsene Vorstellung ab. So geht zwar die Standby-Zeit im GSM-Betrieb mit etwa 17 Tagen und die Gesprächszeit mit über sieben Stunden im D-Netz absolut in Ordnung. Funkt das N78 aber im UMTS-Netz, reduzieren sich beide Werte enorm. Auch die Sende- und Empfangsqualität ist im E-Netz und UMTS-Betrieb nur durchschnittlich, sollte in gut versorgten Gebieten aber keine Probleme machen. Als sehr genügsam in Sachen Stromverbrauch entpuppte sich das Display - was bei einem derart talentierten Handy wichtig ist, denn die enorme Funktionsvielfalt zieht wohl häufigen Einsatz nach sich. Ein tolles Handy ist das N78 damit allemal, das N82 kann es aber nicht vom Thron stoßen.

Nokia N78

  
HerstellerNokia
Preis259.00 €
Wertung412.0 Punkte
Testverfahren0.9

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