Menü

Testbericht Nokia N82

von Markus Eckstein, Michael Peuckert
Nokia N82
Massig Ausstattung und gute Werte im Labor: Das N82 löst nach nur einem Monat das Nokia E51 an der Spitze der connect-Bestenliste ab.

Nokia ist eine Macht: In Sachen Ausstattung kann den Finnen im Moment niemand etwas entgegen­setzen. Gleichzeitig gelingen ihnen seit einiger Zeit Modelle, die mit gutem Empfang, gutem Klang und viel Aus­dauer auch als Telefone überzeugen. Was kann nun das N82 besonders gut, dass es alle internen und externen Kontrahenten hinter sich lässt und es sich für mindestens einen Monat auf dem Siegerpodest der Bestenliste bequem machen darf? Für alle, die sich im Portofolio der Finnen auskennen: Das N82 ist vereinfacht gesagt ein N95 im Riegeldesign. Wer ein Handy mit integrierter Naviga­tion, sehr guter Kamera und auch sonst jeder Menge Ausstattung sucht, hat nun eine ­Alternative zum N95, das mit seinem wackeligen Slider nicht restlos überzeugt hat. Beim Nachfolger­modell N95 8GB hinterlässt die Verarbeitung einen besseren Eindruck, was bei einer Preisempfehlung von 770 Euro aber selbstverständlich sein sollte.

Das Schönste am N82: Das Handy soll laut Hersteller so viel kosten wie das N95, nämlich 600 Euro, schneidet im Test aber deutlich besser ab. Die Ausstattung deckt sich zu etwa 90 Prozent mit der des N95, auf die Infrarot-Schnittstelle verzichtet Nokia mittlerweile komplett und beim Anschluss fürs beiliegen­de Datenkabel sind die Finnen von der Mini- auf die Micro-USB-Buchse umgestiegen. Doch ansonsten findet man, was man vom N95 kennt - und manches gar etwas besser.

Navigation: Antenne gut platziert

So hat Nokia auch dem N82 einen GPS-Empfänger mitgegeben. Die Antenne, beim N95 noch etwas unpraktisch unter der Tastatur angebracht, sitzt im oberen Teil des Gehäuses. Für einen schnellen Verbindungsaufbau zu den GPS-Satelliten unterstützt das N82 Assisted GPS, nutzt also Informationen aus dem Mobilfunknetz. Im Test hat es auch in der Stadt innerhalb einer Minute die eigene Position bestimmt.

Die Anwendung Nokia Maps ist bereits aufgespielt, sie bietet kosten­loses Kartenmaterial, einen Routenplaner und die Suche nach Sonderzielen wie Hotels in der Nähe. Will man sich aber vom N82 mit aktiven Ansagen navigieren lassen, muss man einen kostenpflichtigen Zusatz­dienst buchen. Nicht vorinstalliert sind die Karten, Gebietsausschnitte holt sich das N82 erst bei Bedarf übers Mobilfunknetz - was beim falschen Datentarif natürlich schnell teuer wird. Es empfiehlt sich deshalb, die Software Map-Loader (gra­tis unter www.nokia.de ) auf dem Rechner zu installieren und über eine Festnetz-Internetverbindung die Straßenkarten aufs N82 zu übertragen. Wobei man die Speicherressourcen nicht aus den Augen ver­lieren darf: Nokia liefert eine 2 GB große Speicher­karte mit, das N82 selbst bietet etwa 120 MB. Die Karten für ganz Deutschland belegen etwa 270 MB, ganz Europa knapp 1,5 GB.

Kamera: Ein echter Blitz

Die Kamera ist geschützt, der Akkudeckel sitzt sicher und wackelfrei.
Die Kamera ist geschützt, der Akkudeckel sitzt sicher und wackelfrei.

Nicht nur den GPS-Empfänger, auch die 5-Megapixel-Kamera hat das N82 mit dem N95 gemein. Ein kleiner Schieber schützt das tief im Gehäuse versenkte Objektiv und startet beim Öffnen das Kamera­menü. Über die Navigationstaste kann man die nötigen Einstellungen vornehmen, etwa Weißabgleich oder die ISO-Empfindlichkeit, und den Blitz einschalten. Statt der üblichen LEDs, die auch das N95 besitzt, kommt hier ein Xenon-Blitz zum Einsatz. Während LEDs meist kaum weiter als einen Meter reichen, leuchtet das N82 auch Motive in ein paar Meter Distanz ordentlich aus. Ein Vorblitz verhindert bei Porträts die typischen roten Augen. Der Autofokus arbeitet zuverlässig und recht flott. Gilt es, unruhige Motive aufzunehmen, lässt sich durch Wahl des Sportmodus der Auto­fokus ausschalten. Insgesamt ist die Bildqualität sehr gut. Und bei der Camcorder-Funktion hängt Nokia die Konkurrenz schon lange ab: Das N82 zeichnet 640 x 480 Pixel große Filme mit ruckfreien 30 Bildern pro Sekunde auf. Was im Vergleich zu einer digitalen Kompaktkamera jetzt noch fehlt, ist ein optischer Zoom.

Viel Musik und ein Videoausgang

Neben diesen Highlights gibt’s die für N-Serie-Modelle typische Ausstattung, dank der auf allen N-Modellen laufenden Serie-60-Oberfläche steht das N82 zudem offen für Symbian-Software. Dabei arbeitet es wirklich flott und war im Test nach dem Einschalten nach gut 20 Sekunden betriebsbereit; hier haben die Serie-60-Modelle in diesem Jahr einen guten Sprung nach vorne gemacht, der Bedienung der doch recht komplexen Menüstruktur tun die kurzen Reaktionszeiten sehr gut. Vorinstalliert ist beispielsweise die N-Gage-Anwendung, der zugehörige Dienst war allerdings bis Redaktionsschluss nicht frei geschaltet. Damit lässt sich dann direkt am N82 ein Katalog von Spielen durchstöbern, die Spiele können ausprobiert und gekauft werden. Zudem gibt’s ein UKW-Radio und den gut gelungenen Musicplayer, oben am Gehäuse findet sich eine 3,5-mm-Buchse für beliebige Headsets. Dort wird übrigens auch das mitgelieferte Videokabel angestöpselt, das die Inhalte des Displays auf größere Bild­schirme bringt.

Wer Nokias Serie-60-Oberfläche kennt, wird sich sofort heimisch fühlen, Neulinge müssen etwas Einarbeitungszeit in das mächtige, aber entsprechend komplexe System investieren. Die Fülle an Funktionen einfacher bedienbar zu machen – das hat sich Nokia fürs nächste Jahr vorgenommen. Beim N82 ist immerhin das Hauptmenü auf zwölf Einträge beschränkt und entsprechend ohne Scrollen zu überblicken. Und über die Multimedia-Taste links neben der roten Telefontaste bekommt man schon einen ersten Eindruck, wie das neue Menü aussehen könnte.

Gute Laborwerte

Hält man das N82 quer, dreht sich automatisch die Displayanzeige ins Breitbildformat.
Hält man das N82 quer, dreht sich automatisch die Displayanzeige ins Breitbildformat.

Was das N82 auf Platz eins der Bestenliste bringt: Das Handy ist auch da stark, wo man es nicht auf den ersten Blick sieht. Etwa bei der Ausdauer: Rund sechs Stunden Sprechzeit und gut elf Tage Standby-Zeit in den GSM-Netzen sind ordentlich. Allerdings sinken die Werte im UMTS-Netz auf knapp zwei Stunden Sprechzeit und knapp sieben Tage Bereitschaft; im Zweifelsfall schaltet man den UMTS-Empfang besser ab und hat so längere Plauderreserven. Klar ist: Wer die Möglichkeiten des Alleskönners intensiv nutzt, kann dem Akku beim Schlappmachen zusehen. Insbesondere die Navigation saugt kräftig am Stromspeicher, ähnliches gilt für den Internet-Zugriff per Wireless LAN. Intensivnutzer müssen also mit Ladezyklen von wenigen Tagen leben. Im Klangtest schneidet das N82 gut ab. Zwar könnte es beim Telefonieren natürlicher klingen, die Verständ­lichkeit war aber gut und der Klang so kräftig, dass man auch in lauterer Umgebung telefonieren kann. Die Sende- und Empfangsqualität liegt ebenfalls auf gutem Niveau und macht das N82 zu einem zuverlässi­gen Begleiter, der bei schwachem Netz nicht gleich die Segel streicht. Wer mehr als nur telefonieren will, findet derzeit kein besseres Handy.

comments powered by Disqus
x