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Nubert NuVero 140 im Test

Vor sieben Jahren wagte sich Nubert mit der nuVero ins High-End-Segment. Nach überwältigendem Erfolg der Serie kommt nunmehr der Nachfolger - mit völlig neuer Bestückung, darunter einem BMR-Mitteltöner!

Nubert NuVero 140

© Nubert

Nubert NuVero 140

Die Kompromisslosigkeit, mit der Günther Nubert Boxen baut und auf technische Details wie einen perfekt linearen Frequenzgang und bisher für unmöglich gehaltene Grenzfrequenzen achtet, hat ihm wie sein Konzept des Direktvertriebs in der Historie nicht nur Zustimmung eingebracht. Doch spätestens mit der NuVero 14, der ersten echten High-End-Box, die aus Schwäbisch-Gmünd per Versand in die Wohnzimmer kommt, und diversen umjubelten Auftritten auf der "High End" dürften die meisten Zweifler wohl verstummt sein.

Munkelten die Nubert-Fans bereits im Jahr 2008, dass mit dieser Box die Spitze des technisch Machbaren erreicht sei, ruhte Günther Nubert selbst nicht, sondern suchte nach Ansätzen, sein Opus Magnum noch zu verfeinern. Heraus kam die zur "High End" 2015 ziemlich überfallartig angekündigte NuVero 140, die sich kurz vor Toresschluss in der Redaktion einfand.

Bauform

Am Konzept und an der Optik hat sich ziemlich wenig geändert: Noch immer baut die mit vier Tieftönern bestückte, eher schmal gehaltene Box mit sanft verrundeter und klavierlackierter Schallwand ausnehmend hoch in die Höhe. Mit asymmetrisch weiter Verteilung der Bässe sowie extrem groß dimensionierten Reflexrohren auf der Rückwand, die auf 28 Hz abgestimmt sind, nutzt sie raumakustische Effekte, regt sie doch die Raummoden weniger an als ein einziges, großes (womöglich noch bodennahes) Chassis. Auch bei den Tieftönern mit 18 cm Glasfaser-Sandwich-Membran und als "Ultra-Longstroke" bezeichnetem Antrieb hat man eher unauffällige Verbesserungen vorgenommen, damit den rekordverdächtigen Tiefgang des Vorgängermodells allerdings noch einmal getoppt.

Tieftöner

Auch die Beschaltung ist weitgehend unverändert. So arbeiten die unteren zwei Bässe nur im alleruntersten Bereich, die oberen beiden dagegen bis in den Grundton hinauf, wobei sie die Mittel- und den Hochtöner in einer Art "doppeltem D'Appolito" in die Zange nehmen zugunsten eines identischen akustischen Zentrums.

Mitteltöner

Bei den Mitteltönern hören die Gemeinsamkeiten mit dem Vorgängermodell dann auch schon auf: Erstmalig kommt hier hier ein Balanced-Mode-Radiator (BMR) zum Einsatz, wie man ihn etwa aus Naims Ovator S-400 (Test) (dort allerdings als Vollbereichstöner eingesetzt) kennt. Diese Flachmembrantreiber haben eine segmentierte Schwingfläche, die zu hohen Frequenzen hin partiell abgekoppelt wird und als Biegewellenwandler agiert.

Das hat den Vorteil, dass der Abstrahlwinkel nicht zu hohe Frequenzen hin schlagartig einschnürt, wie es für andere Flach- und Ringstrahler typisch ist: vor allem in einer D'Appolito-Konstruktion wie der NuVero 140, die ohnehin schon durch Interferenz für eine vertikale Begrenzung sorgt - eine extrem wertvolle Eigenschaft und mitverantwortlich für das gleichmäßige Abstrahlverhalten der Gesamtbox.

Ferritmagnet

© Nubert

Der Tieftöner zeigt sich mit riesigem Ferritmagneten und einer extrem auslenkbaren Sicke von der tiefbassstarken Seite. Seine Schwingspule fällt sehr klein aus, das Schwingsystem mit carbonversteifter Sandwich-Membran ist aber extrem steif. Der Mitteltöner ist eigentlich ein Biegewellenwandler mit Flachmembran, die zu hohen Frequenzen her bewusst nicht mehr kolbenförmig schwingt, was eine Verringerung des Abstrahlwinkels verhindert.

Hochtöner

Theoretisch ließen sich die Dreizöller sogar als Mittelhochtöner ohne weitere Kalotte verwenden, doch die Nubert-Entwickler vertrauen den Hochtonbereich nach wie vor einem klassischen 25-mm-Dom an, der in den höchsten Höhen nach ihrer Ansicht mehr Sauberkeit und homogeneres Rundstrahlen verheißt als der BMR selbst.

Auch diese Kalotte, die ab etwa 2,8 kHz einsetzt, ist ein kompletter Neuling im Nubert- Repertoire und wurde zusammen mit dem renommierten Chassis-Spezialisten Scanspeak entwickelt. Der Seiden-Dom ist etwas stärker gewölbt als bei den Vorgängerchassis, und durch eine Spezialbeschichtung zeigt die Kalotte kaum Aufbrechverhalten und damit Interferenz- und Bündelungseffekte. Der Verringerung ungewollter Kantenbrechungs- und Interferenzeffekte dienen auch die gebogene Schallwand und die asymmetrische Platzierung der Kalotte.

Frequenzweiche und Raumanpassung

Die Weiche der NuVero 140 gehört zu den aufwendigsten im Passivbereich überhaupt. Neben den Filterfunktionen für die 3,5 Wege beinhaltet sie auch drei verschiedene Klanganpassungen, die sich per Schalter aktivieren lassen. So lässt sich der Tiefton zwischen neutral und Absenkung für wandnahen Betrieb anwählen (auch bei kleinen Räumen empfohlen), der Mittelton gleicht wahlweise die reflexionsbedingten Interferenzen auf Achse oder jenseits der Achse aus (im stereoplay- Test empfahl sich Letzteres, also Stellung "sanft"). Der Höhenschalter wirkt relativ stark und sollte je nach Bedämpfung des Raumes mit Polstern, Stoffen etc. möglichst auf "neutral" oder "sanft" stehen. Lediglich völlig in den Höhen überdämpfte Räume fordern die Höhenanhebung.

Frequenzanpassung

© Nubert

Klangqualität

Bei aller Vielzahl an Chassis, technischen Highlights und Messwerten, sobald die ersten Takte spielten, erlebten die Tester die NuVero 140 als im besten untechnisch, weil herausragend musikalisch. Christoph Pregardiens feinfühlige Tenorstimme klang bei Mahlers "Lieder eines fahrenden Gesellen" mit Kammerorchester ungewöhnlich zart, durchhörbar und homogen. Den Raum und das kleine Orchester zeichnete die NuVero 140 mit einem besonderen Sinn für Tiefe und Ausleuchtung der Raumweite, lange nicht mehr so flächig wie noch ihre Vorgängerin. Die Entscheidung, ob der Höhenschalter hier auf "sanft" oder "neutral" stehen sollte, blieb unbeantwortet, letztlich klangen beide Varianten homogen, transparent und erstaunlich natürlich.

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Nach dem sanften Ständchen als Einstand durfte Charly Antolini voll loslegen: "Knock Out 2000" wurde zum Siegeszug der NuVero, kickte die Bassdrum doch geradezu furchterregende Subbass-Wellen in den Hörraum und ließ Hosenbeine und Magengruben flattern. Besonders überragend dabei ist die ansatzlose Impulsgenauigkeit, mit der die Nubert allen Frequenzbereichen folgte, allenfalls in den allertiefsten Tönen dickte der Bass minimal auf.

Fazit

Zum Schluss gab es Beistand von ganz oben: Louis Armstrongs Gospel "Rock My Soul" tönte mit wunderbarem Swing, erstaunlich moderner Transparenz, weit nach hinten gezeichnetem Raum und echtem Analog-Charme. Ein Beweis, dass die NuVero praktisch jede Musikrichtung beherrscht und auch bei älteren Aufnahmen zum echten High End gezählt werden muss.

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