Testbericht

Palm Pre

Apple war schon einmal vor Palm da. Doch Palm will mit dem Palm Pre zeigen wo der Hammer hängt.Palm Pre

  1. Palm Pre
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  3. Wertung
Palm Pre

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Palm Pre

Vor einigen Jahren brachte Palm den Pilot, der kaum die Maße eines halben Taschenbuchs hatte, machte den PDA damit salonfähig und das eigene Haus zum Nonplusultra in Sachen Personal Information Management. Den Umstieg von der PDA- auf die Smartphone-Welt hat Palm indes verschlafen - und so gab es nach erfolgreichen Jahren in letzter Zeit nur noch eine Richtung für den Aktienkurs: steil bergab.

Jetzt meldet sich Palm zurück und legt abermals ein Konkurrenzprodukt zu dem mit seinem iPhone diesmal sehr erfolgreichen Hersteller aus Cupertino vor: Das erste WebOS-Smartphone Palm Pre wird exklusiv bei O2 angeboten. Ohne Vertrag kostet der Einstieg in das neue Zeitalter von Palm 481 Euro - oder einen Euro Anzahlung und 24 Monatsraten zu je 20 Euro.

Für eine Revolution wäre dies nicht zu viel verlangt, zumal sich das Palm Pre mit SIM-Karten von jedem Netzbetreiber nutzen lässt. Ein guter Zug, wobei O2 dank günstiger Daten-Flatrate, die sich für die Nutzung des Palm Pre unbedingt empfiehlt, und gutem Netz den Vergleich beileibe nicht scheuen muss. Auf Dienste, die das Gerät nur im Netz des Anbieters nutzen kann, wie etwa Visual Voice Mail beim iPhone, verzichtet Palm.

Haptik und Verarbeitung

Palm Pre

© Silke Schwell

Die brauchbare 3-Mega-pixel-Kamera wird im Nahbereich von einer LED unterstützt.

Das Palm Pre selbst liegt mit seinen an einen glattgeschliffenen Kieselstein erinnernden gerundeten Kanten gut in der Hand. Wobei das griffgünstige Äußere auch einen Nachteil hat: Mit 17 Millimetern Höhe beult das Palm Pre Hemd- und enge Hosentaschen optisch unvorteilhaft aus. Mit 136 Gramm Gewicht gehört es ebenfalls eher ins Mittelfeld der Kategorie Smartphone. Das beim Prototyp noch festgestellte große Spiel zwischen Tastatur- und Displaygehäuse ist beim Seriengerät deutlich reduziert, an Stabilität und Verarbeitung gibt es nicht viel auszusetzen. Im direkten Vergleich mit dem iPhone zieht das Palm Pre beim Thema Materialqualität dennoch den Kürzeren - das Apple-Telefon wirkt im Ganzen einfach edler. Palm hätte gerne etwas mehr in den äußeren Charme seines Hoffnungsträgers investieren dürfen.

Angenehm kompakt dimensioniert ist die Grundfläche. Das gilt umso mehr, als das Palm Pre mit 480 x 320 Pixeln ein Display mit hoher Auflösung besitzt. Doch obwohl die helle, kontraststarke Anzeige etwa kleiner als bei dieser Auflösung üblich ist, bringt das bei der Bedienung nicht die sonst üblichen Probleme mit sich. Bedienelemente wie Icons lassen sich bei dem auf reine Fingerbedienung ausgelegten kapazitiven Touchscreen ohne Probleme treffen. Selbst Webseiten, die für Mausbedienung und viel größere Monitore programmiert sind, kann man beim Palm Pre mit einer Zwei-Finger-Geste so exakt und schnell aufziehen, dass Klicken auf Links oder Navigationselemente meist unfallfrei gelingt. Subjektiv klappt das auf vielen anderen Smartphones meist problematische Surfen im Internet mit dem WebOS-Browser besonders flüssig.

Durchdachtes Interface

Palm Pre

© Silke Schwell

Finden statt suchen: Universal Search spart oft den Gang ins Menü.

Auch Probleme mit den viel zu kleinen Tasten eines virtuellen Keyboards sind hier von vornherein ausgeschlossen, da das Palm Pre bislang allein auf das ausschiebbare Keyboard setzt. Mit diesem lassen sich dank der sogenannten Universal Search sogar die meisten Navigationsaufgaben bewältigen. Ein Druck etwa auf die Taste B zeigt alle Programme an, die mit B beginnen. Mit einem Buchstaben mehr kommen auch passende Kontakte hinzu. Und sobald Universal Search auf dem Gerät nichts Adäquates mehr findet, werden Google, Wikipedia und Co. zur weitergehenden Recherche angeboten.

Laufende Programme lassen sich per Druckknopf unter dem Display oder per Zwei-Finger-Geste in eine verkleinerte Ansicht bringen. In diesem sogenannten Palm Card View kann man die Anwendungen zur Seite schieben, was danebenliegende offene Applikationen in die Bildmitte rückt, oder durch Wegschnippen nach oben schließen. Auch die Anordnung der geöffneten Apps lässt sich ändern, wenn etwa zwei Programme nebeneinandergebracht werden sollen, um das schnelle Umschalten zu ermöglichen. Das alles mag sich kompliziert anhören, ist aber in der Praxis sehr eingängig.

Zu den weiteren Navigationselementen gehört die Schnellstartleiste mit fünf wichtigen Applikationen, von denen sich vier frei konfigurieren lassen, was die Anpassung an persönliche Bedürfnisse erlaubt. Wird der ganze Bildschirm von einem Programm belegt, kommt eine weitere Besonderheit des Palm Pre zum Tragen: Auch der Bereich unter dem Display ist berührungsempfindlich. Von hier kann man jederzeit die Schnellstartleiste hochziehen oder mit einem Wischer von rechts nach links jeweils eine Ebene in der aktuell genutzen Applikation zurückspringen.

Die Gesten sind zwar teils nicht wirklich intuitiv, doch nach einer Eingewöhnungszeit mit Kurzanleitung macht die Bedienung richtig Spaß. Einziger Stolperstein ist die Schwierigkeit, eine Textpassage auf den Buchstaben genau zu markieren. Hier könnte ein Mehrwege-Navigationsknopf gute Dienste leisten. Doch bei Touchscreen-Geräten ist es ansonsten nur konsequent, darauf zu verzichten.

Beim Startbildschirm hätte sich connect noch eine gegebenenfalls zuschaltbare Anzeige der bevorstehenden Termine und des Datums gewünscht, das würde den schnellen Überblick gewährleisten. Doch so etwas kann Palm auch später per Software-Update nachliefern. Wichtiger ist, dass das gesamte User-Interface gelungen ist, wie die guten Beurteilungen in dieser Disziplin und in der Handhabung insgesamt zeigen.

Besonderheiten der Ausstattung

Palm Pre

© Silke Schwell

Die Touchstone-Basis (50 Euro) versorgt das Pre kabelfrei mit Energie.

Bei der Ausstattung gilt es einige Besonderheiten zu beachten. So bietet Palm keine Outlook-Synchronisierungssoftware an. Wer darauf nicht verzichten kann, kann bei den gängigen Sync-Anbietern welche zukaufen. Bei Mark/Space (www.markspace.com) und Chapura (www.chapura.com) etwa ist eine passende Software zu haben. Ansonsten bietet sich der komfortable Abgleich mit Exchange-, Facebook- und Googlemail-Accounts an, der bei Bedarf um POP3- oder IMAP-Postfächer ergänzt werden kann. Die sehr nützliche Möglichkeit, Kalender- und Kontaktdaten aus mehreren Quellen in einer Ansicht zusammenzufassen (Synergy), rundet das persönliche Informationsmanagement des Palm ab. Vermissen werden manche Nutzer einen Speicherkartensockel, wobei die 7,2 Gigabyte freier, interner Speicher sehr großzügig bemessen sind. Daten lassen sich im Festplattenmodus gut per USB-Kabel aufgespielen und sind über die oben beschriebene Universal Search unabhängig vom Speicherort auch einfach wieder auffindbar.

Entgegen einer andernorts gehörten Kritik konnte die Kombination aus A-GPS und Google Maps sehr gut gefallen. Standorte erfasste das Palm Pre sehr schnell und auch bei Fußgängernavigation war die Richtungsdarstellung überraschend stetig. Ergänzt wird die Orientierungshilfe durch ein kontraststarkes, hochaufgelöstes Display, das auch an strahlenden Sonnentagen ablesbar bleibt. Ansonsten verhindern kleine Detailschwächen bei der Softwareausstattung eine mehr als befriedigende Bewertung. Hier wird sich mit weiteren Updates sicher noch etwas tun. Ansonsten bietet sich der App Catalog zum Download weiterer Programme an. Wer den während des Testzeitraums stetig wachsenden Katalog jetzt wegen mangelndem Angebot kritisiert, sollte bedenken, dass das iPhone am Anfang ganz ohne Zusatzsoftware existieren musste.

Aus dem Messlabor

Beim Surfen im Internet ist das Palm Pre sehr leistungsfähig und gönnt sich auch sonst nur dort kurze Rechenpausen, wo der erfahrene Nutzer sie auch erwartet. Insgesamt arbeitet das WebOS-Gerät flüssig, was nur bedingt auf Kosten der Ausdauer geht - lediglich zwei Punkte fehlen dem Palm Pre hier zu einem "gut". Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein so fest mit dem Internet verwobenes Gerät bei der üblichen Benutzung viel Strom braucht.

Wer also mit Facebook, Googlemail oder Exchange-Server regen Datenaustausch pflegt und auch sonst die Möglichkeiten nutzt, muss wie beim iPhone und den Androiden am Ende des Tages laden. Dafür hat Palm optional als besonderes Highlight für 60 Euro die Ladestation Touchstone im Angebot, auf die man das Pre nur auflegen muss.

Nicht vollkommen überzeugen konnte das Pre bei den UMTS-Messungen. Hier wäre etwas mehr Sendeleistung günstig, um auch in kritischen Situationen bis zur Basisstation durchzudringen. Über jeden Zweifel erhaben sind die Leistungen im GSM-Netz, und die Akustikmessungen bestätigen den guten Höreindruck.

Fazit

In der Wolke des Web zu Hause sind bisher das iPhone, die Android-Handys und nun auch der Palm Pre. Wer mit Ersterem nicht klarkommt, weil er sich zu sehr auf die Apple-Welt mit iTunes, App Store und Zwangsbindung an T-Mobile einlassen muss, und wem bei Android-Geräten die große Neugier von Google unheimlich ist, dem bietet Palm eine Alternative. Insofern ist das Palm Pre viel mehr als ein neues Smartphone. Es hat das Zeug, die zweite Revolution einzuläuten und frischen Wind in den Smartphone-Markt zu blasen.

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