Plattenspieler

Palmer 2.5 + Origami PU7 + Dynavector XX-2 im Test

Palmers Laufwerk-Kombi zeigt britischen Eigensinn und wirkt unangreifbar stabil. Dennoch folgt sie kleinsten Energieimpulsen. Wenn sie erst einmal auf Touren ist, wird sie gefährlich gut.

Palmer 2.5

© Hersteller/Archiv

Palmer 2.5

Pro

  • superb verarbeitetes Masse-Laufwerk mit winzigem Motor
  • beste Gleichlaufwerke
  • hohe Feindynamik
  • anspringendes Klangbild aus der Mitte des Stereopanoramas

Contra

Anschreien hilft nicht, freundliches Flehen auch nicht: "Nun dreh' dich doch, bitte!" Nein, unser Palmer-Laufwerk wollte partout keine Runden aufnehmen. Wie ein trotziger Teenager wehrte sich der Plattenspieler gegen seine eigentliche Bestimmung.

Tatsächlich hatten wir den Trick nicht begriffen - und in alten Bahnen gedacht. Im Sinne von: Schalter am externen Netzteil umlegen und auf die einsetzende Rotation warten. Oder dem wuchtigen Teller einen sanften Schubs geben. Alles vergebliche Liebesmüh.

Das Rätsels Lösung: Dieses Laufwerk folgt nur, wenn das Netzteil genau dann eingeschaltet wird, wenn der Teller plus minus zehn Prozent bereits auf Sollgeschwindigkeit rotiert. Das bedeutet: die beigelegte Stroboskopscheibe auflegen und den Teller mit den Fingern der 33,3-Marke annähern. Erstaunlich, wie groß die Befriedigung sein kann, wenn der massive Plattenteller dann wirklich ruhig und stabil seine Kreise zieht...

Doch wir fragen uns: Ist dieses Prozedere tatsächlich ernst gemeint? Die Antwort lautet: "ja". Jonathan Palmer folgt hier einem Konzept, das viel mit Energieerhaltung und etwas mit Philosophie zu tun hat.

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Das Ganze nennt er den "holistic approach to turntable design". Vereinfachend könnte man sagen: Ein Plattenspieler ist für den Engländer viel mehr als nur die Kombination von Bodenplatte, Teller, Riemen, Motor und so weiter, sondern ein sich minutiös gegenseitig beeinflussendes Universum. Das versteht jeder sofort, der schon einmal mit zwei unterschiedlichen Riemen experimentiert hat. Kleine Veränderungen bringen hier zum Teil erstaunlich große Wirkung - und die physikalische Erklärung dafür ist in der Regel schwierig.

Palmer 2.5 Netzteil

© Hersteller / Archiv

Ein Rädchen, ein Lichtlein - und eine Kernfrage: Wird hier zwischen 45 und 33,3 Umdrehungen geschaltet? Nein: Am Netzteil lässt sich die Sinuskurve für den Gleichstrommotor nur feintunen - die Umdrehungszahl muss per Riemenwechsel geregelt werden.

Palmer 2.5: Motor

Zurück zum "2.5". Wir haben seinen Motorblock genauer inspiziert, aufgeschraubt, hineingeschaut und gestaunt: In der äußerlich recht bullig wirkenden Motorverkapselung surrt ein Gleichstrom-Winzling - man stelle sich am besten einen Stapel von 2-Euro-Münzen vor. Dem Motörchen würde man vielleicht zutrauen, ein Carrera-Auto über die Rennbahn zu treiben. Aber einen zehn Kilogramm schweren Plattenteller?

Genau hier setzt der holistische Gedanke Palmers an: Wenn das Lager perfekt gearbeitet ist und so wenig Energie aus dem Prozess zieht - warum dann mehr und mehr Energie zuführen? Einmal in Bewegung, braucht der Plattenspieler nur ganz wenig zusätzliche Energie, um am Routieren zu bleiben. Da reicht ein kleiner, möglichst ruhig laufender Motor, um auf beste Gleichlaufwerte zu kommen. Der 2.5 ist der Gegensatz-Entwurf zu Hochleistungs-Plattenspielern wie dem Technics SL 1000, dessen Plattenteller ja in Sekundenbruchteilen auf exakter Drehzahl sein musste.

Das Konzept der Reduktion zieht sich durch. So lässt sich auch am externen Netzteil - entgegen üblicher Branchenspielregeln - nicht die Umdrehungszahl zwischen 33,3 und 45 Umdrehungen wechseln. Von hier aus wird "nur" eine stabile 60-Hertz-Sinuswelle ausgesandt. Wer die Basisrotation ändern will, muss nach alter Väter Sitte den Riemen umlegen.

Palmer 2.5: Aufbau

11.000 Euro: Holismus ist teuer. Er verlangt Erkenntnis, die in vielen Jahren des Try and Error entsteht. Und die, wie Palmer immer wieder betont, Platin, Gold und Pferdestärken nicht braucht.

Die Zarge selbst ist der offensichtlichste Abgesang auf alle Protzigkeit: Birkensperrholz, sechs Zentimeter stark, hochverdichtet, massig und traumhaft schön verarbeitet und lackiert. Aber ein Baustoff, der eher vom Baumarkt nebenan als von einer geheimen NASA-Mission abstammt. Das ist eben Palmer: Er hat schlicht nichts Besseres gefunden.

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Das Lager dagegen ist aufwendig: Die Achse rotiert auf einer Kugel aus Wolframkarbid (siehe auch den Kasten, Seite 20) und der Plattenteller ist aus hochreinem Aluminium, wie es auch für die Flugzeugindustrie zugelassen wäre. Rund zehn Kilogramm wiegt das Stück - und offenbart im Kontrast zum hellen Holzton des Chassis hohe visuelle Kraft.

Wer aufmerksam weiter hinschaut, erkennt noch einen Farbtupfer - den Ausleger der Tonarmbasis fertigt Palmer aus Bronze. Dessen Bohrungen sind individuell aushandelbar - je nach gewünschtem Tonarmhersteller. Die Gesamtkonstruktion kann auch 12-Zoll-Modelle aufnehmen. Bernd Höhmke vom Deutschen Vertrieb (Input Audio) hat zum Test eine Kombination mit dem gängigen Neunzöller vorgeschlagen. Diese hatte sich schon in vielen Hörtests vorab als sehr überzeugend herausgestellt.

Palmer 2.5 Tonarm

© Hersteller / Archiv

Palmer liefert sein Laufwerk passgenau für unterschiedliche Tonarme aus - auf einer Basis aus massiver Bronze. Als Mitspieler unserer Testkombi ist ein Neunzöller des schottischen Herstellers Audio Origami dabei.

Palmer 2.5: Tonarm

John Nilsen, Mastermind von Audio Origami, arbeitet, forscht und entwickelt nur wenige Kilometer nördlich von Jonathan Palmer im schottischen Glasgow. Es ist natürlich kein Zufall, dass sein Tonarm PU7 bestens auch auf die Boards des ebenfalls in Glasgow beheimateten High-End-Schwergewichts Linn passt...

Aber auch sehr gut zu Palmers 2.5. Optisch offensichtlich ist die Verwandtschaft des PU7 zur Rega-Tradition, genetisch ist vor allem das große Vorbild Syrinx PU3 zu erkennen. Wer es ganz individuell haben möchte, kann diesen Tonarm auch in 14-Karat-Goldauflage, in Dunkelblau oder Rosa bestellen.

Auch die Länge ist verhandelbar: 9, 10, 11 oder 12 Inch - kein Problem. Aber eine Frage des Aufpreises: Der 12-Zöller kostet 1.750 Euro mehr. Ebenso möglich wäre auch eine Verkabelung mit Kondo-Silberleitern. Das einzige Problem in diesem Kontext: John Nilsen arbeitet nach Wartelisten - wer zuerst kommt, hört zuerst. Ein einzelner Arm entsteht vollständig in Handarbeit über 140 Stunden.

Palmer 2.5: Tonkopf

Ein regelrechtes Massenprodukt arbeitet hingegen an der Spitze unseres Testkandidaten: das MC-System DV XX-2 MKII. Für viele Details rühmt sich der japanische Hersteller Dynavector - allen voran Alnico-5-Magnete. Unter Vinyl-Fans eher ein Nebenkriegsschauplatz: Alnico-5-Magnete beschäftigen stark die Gemeinschaft der E-Gitarristen und -Bassisten weltweit. Die superstarken Magnete sollen in Single-Coil-Pickups oder Humbuckern den schwingenden Saiten mehr Signaldruck verleihen. Die Basiskonstruktion, die richtige Anzahl der Wicklungen und das Spulenmaterial entscheiden. Dynavector lässt sich das hauseigene Know-how gut bezahlen: Die MC-Tondose kostet allein schon 1400 Euro.

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Zusammenfassung bis hier: Ein philosophisch bestimmter englischer Laufwerksbauer, ein schottischer Plattenarm-Konstrukteur und ein japanischer Magnetspezialist erreichen gemeinsam eine Gesamtsumme von 11.000 Euro. Auf höchst eigenwillige Art. Im Alltag würde man drei Individualisten diesen Grades nicht in einer Wohngemeinschaft zusammenpferchen, da Rivalitäten unter den sensiblen Alphatieren unvermeidlich wären. In diesem Fall aber klappt das gut.

Palmer 2.5 Tonkopf DV XX-2 MKII

© Hersteller / Archiv

Als idealen Spielgefährten empfiehlt der deutsche Vertrieb ein MC-System aus Japan. Dynavector vertraut im DV XX-2 MKII auf hyperstarke Alnico-5-Magnete.

Palmer 2.5: Hörtest

Die Kombi agierte in unserem Hörraum erstaunlich leicht, frisch und schnell. Im positiven Sinne impulsiv.

Zu Beginn musste natürlich eine britische Platte rotieren: Die drei Freunde von Cream und ihr Erstling "Fresh Cream". Drei Supermusiker (Jack Bruce, Ginger Baker und Eric Clapton) spielen unter amateurhaften Umständen. Das hätte 1966 auch daneben gehen können. Heute fasziniert gerade die Frische, der Spagat zwischen live und Studio. Ideale Kost für die Palmer-Kombi. Hier ist Timing gefragt. Oberflächliche Plattenspieler verlieren. Zuerst die atmosphärische Dichte: Das Bild zwischen den Stereoboxen lahmt, Ginger Baker wirkt wie ein schlurfender Blues-Schlagzeuger hinter Nikotinwolken. Die Palmer-Kombi zeigte in unserem Test den tatsächlichen Drive, den Baker, flankiert von Jack Bruces Bass-Läufen anschlägt. Der direkte Vergleich mit dem Referenz-Laufwerk EAT Forte zeigte auch, dass die Palmer-Kombi diese Stärke aus den Mitten bezieht.

Energie aus der Mitte

Nicht aus den harmonischen Mitten - das wäre zu old fashioned british. Sondern durch die räumliche Mittenausrichtung. Im "Toad"-Schlagzeugsolo, einer der großen, bereits ikonografischen Leistungen der Gattung, legte der Palmer den Fokus unerbittlich auf den Sweet Spot: Hier herrschten Spaß, Dynamik und hohe Impulstreue.

In Sachen Lebendigkeit lag der Palmer eindeutig vor dem EAT. Aber er gönnte sich Nachlässigkeiten. Die Trommeln am linken und rechten Stereo-Rand wurden zwar nicht verdeckt, hatten aber auch nicht jene Energie, die sie per EAT zugesprochen bekamen. Und im Tiefbass agierte die Referenz um einiges souveräner: mit mehr Tiefgang und mehr Präzision.

Palmer 2.5 versus LP12

Zum weiteren Quervergleich zogen wir den Linn LP12 mit Lingo-Netzteilen heran und den aktuellen Vinyl-Liebling der Redaktion: "Push The Sky Away" von Nick Cave. Der erste Track auf Seite zwei, "We Real Cool" ist ein Grausen für Plattenspieler mit Hang zur Unschärfe: harte Basssaiten mit Punch, darüber Nick Cave direkt aus der Boxenmitte. Die Singstimme muss festgenagelt erscheinen, die Bassimpulse dürfen nicht aufschwemmen. Der Linn bewältigte die Aufgabe mit Bravour: ausgewogen, erdig, richtig. Die Palmer- Kombi legte in Sachen Spielfreude und Feindynamik noch eine Schippe drauf: Man hätte den Abstand von Caves Lippen zum zentralen Mikrofon in Millimetern messen können: ein magisches Musikerlebnis.

In der Preisklasse des Palmer 2.5 sind analytischere Laufwerke unterwegs, auch der Linn spielt unterm Strich ausgewogener, räumlich großzügiger und stabiler. Zu den sehr preisgünstigen Angeboten zählt der 2.5 in dieser Kombination daher nicht. Dennoch wird er seine Freunde finden. Auf diese Kombination aus exaktem Fokus, großer Feindynamik und schnellem Tiefbass trifft man selten.

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