Testbericht

Phono-Vorstufe Linn Uphorik

Bisher waren Linn-Phonostufen nur für die hauseigenen Abtaster vorgesehen. Mit der Uphorik (2200 Euro) öffnet sich Linn der gesamten Welt.

  1. Phono-Vorstufe Linn Uphorik
  2. Datenblatt
Phono-Vorstufe Linn Uphorik

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Phono-Vorstufe Linn Uphorik

Es tut sich einiges bei Linn. Das sieht man etwa daran, dass die als stur bekannten Schotten beim letzten Update des Sondek LP 12 Radikal (6/09) einen bis dato verpönten Gleichstrommotor einsetzten. Nun bricht Entwickler Ian Wilson mit einem anderen Tabu: Mit der Uphorik für 2200 Euro legt er eine höchst flexible Phonostufe vor, die sich mit einer früher undenkbaren Batterie von DIP-Schaltern nach Gusto an MM- auch MC-Systeme anpassen lässt.

Phono-Vorstufe Linn Uphorik

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Die Uphorik lässt sich beispielhaft gut an Abtaster anpassen. Heikle Bereiche sind sehr fein abgestuft, und die als optimal festgestellten Werte lötet der Händler später direkt als Bauteil auf die Platine.

Dabei hat Wilson die Vorbehalte gegen eine solche Art der  Einstellung keineswegs aufgegeben. Er benutzt sie einfach, um komfortabel den Wunschwert fürs jeweilige System herauszufinden. Der Händler kann ihn dann einlöten und die Schalterbatterie überbrücken.

Damit nimmt die Flexibilität der Uphorik geniale Züge an. Sie bietet jeweils zwei Verstärkungsstufen für MM und MC, eine Kapazitätsanpassung bei MM in acht sinnvollen Schritten und einen  in vier Werten von 45 bis 51 Kiloohm (kΩ) veränderbaren Eingangswiderstand.

Ähnlich praxisgerecht lassen sich Moving-Coil-Systme anpassen. Elf Stufen von 31 bis 1000 Ohm stehen zur Verfügung.

Perfekte Anpassbarkeit

Wie sinnvoll es sein kann, auch bei MC-Systemen die Eingangskapazität verändern zu können, sollte am Ende der Hörtest zeigen.  Eins vorweg: Die Uphorik erlaubt vier Schritte von 470 Picofarad (pF) bis zu enormen 2 Nanofarad (nF). Somit dürfte es kaum einen Tonabnehmer geben, den diese  Vorstufe nicht mag.

Geblieben ist im Kern eine auf  langjähriger Erfahrung in Kombination und Layout von Bauteilen fußende Verstärkerschaltung. Die ist vor allem für guten Klang verantwortlich. So ähnelt die Uphorik der Urika- MC-Einbauphonostufe (6/09) und besitzt sowohl für MM- und MC, als auch für die Kanäle getrennte Verstärkerzweige, bei denen der bewährte Operations-Amp OPA 211 dominiert. In diesen Eingangsstufen unterscheiden sich MC- und MM-Sektion. Bei MC-übernimmt die direkte Ankopplung an den Tonabnehmer ein sehr rauscharmes Bauteil. Die MM-Sektion gibt sich wegen der niedrigeren nötigen Verstärkung mit etwas weniger hochwertigen  ICs zufrieden.

Phono-Vorstufe Linn Uphorik

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Die Schaltung der Uphorik ist nicht nur kanalgetrennt aufgebaut, sondern besitzt auch separate MM/MC Kreise (Pfeile). Linker und rechter Kanal sind mit separaten Schirmungsblechen umgeben. (Für das Foto wurde eines entfernt.)

Besonderes Augenmerk verdienen die XLR-Buchsen sowohl für die Ein- als auch die Ausgänge. Bei letzteren handelt es sich um eine echte Symmetrierung durch eine zusätzlich Stufe. Empfehlenswert für lange Kabelverbindungen. Bei den Eingängen sind die Pole der XLR-Buchsen identisch mit den Cinch-Buchsen, bieten aber die Möglichkeit, ein symmetrisches Kabel mit separater Schirmung zu verwenden. Das kann klangliche Vorteile bringen.

Im Hörtest bemühten wir zuerst den Referenzplattenspieler Linn LP 12 Radikal mit Tonarm Ekos SE und MM-System Reson Reca (2/06). Schon in der Grundeinstellung mit 47 kΩ und 68 pF begeisterte die einnehmenden Musikalität der Uphorik. Dies ließ sich sogar noch steigern, nachdem wir den Eingangswiderstand auf 49 kΩ und 105 pF Kapazität änderten. Die tonale Ausrichtung blieb fast gleich. Doch plötzlich hatten die Musiker das Zusammenspiel besser geübt, Stimmen zeigten mehr Ausdruck und das Gesamtbild wurde einfach schlüssiger.

Mit dieser Leistung setzte sich die Uphorik von dem stereoplay Highlight Moon LP 5.3 RS (6/09) ab, das zwar minimal mehr Glanz in den Höhen vermittelte, aber im Vergleich zum mitreißenden Schwung und der Detailverliebtheit der Linn-Vorstufe hüftsteifer und karger wirkte.

Als wir dann den ReferenzAbtaster Lyra Titan i (6/06) montiert hatten, stand zunächst dessen Optimierung an. Es zeigte sich, dass neben dem Eingangswiderstand auch die Kapazität bei MC-Tondosen eine Rolle spielten kann: Beim passenden Eingangwiderstand von 560 Ohm führte die Kapazität von einem stolzen nF zum überzeugendsten Ergebnis.

Ihre Vorgängerin und langjähriges stereoplay Highlight Linto klang dagegen vielleicht direkter, aber gröbkörniger und weniger klar in der Darstellung feiner musikalischer Verästelungen. Mit symmetrischem Kabel tönte die Uphorik plötzlicht nochmals detailverliebter und vielschichtiger. Das Fazit des schottischen Wertewandels: Wir vergeben ein euphorisches  Highlight!

Linn Uphorik

HerstellerLinn
Preis2200.00 €
Wertung60.0 Punkte
Testverfahren1.0

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