Testbericht

Pioneer AVIC-F9210BT

Mehr Sein als Schein: Das Pioneer hält sich optisch etwas zurück - seine inneren Werte überzeugen dafür umso mehr.

Pioneer AVIC-F9210BT

© Pioneer

Pioneer AVIC-F9210BT

Pioneer präsentiert mit seinem VW-Navi AVIC-F9210BT (1199 Euro) ein äußerlich aalglattes Gerät. Gerade einmal acht Knöpfe sowie ein DVD-Laufwerk und ein Steckplatz für SD-Karten zieren die sehr schlicht gehaltene Front.

Mehr gibt es zunächst nicht zu erkunden. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass Pioneer-Naviceiver mit einem ausgereiften und zugleich schicken Bedien-Interface aufwarten - auch das neue VW-AVIC macht da keine Ausnahme. Die Entdeckungsreise bei dem Pioneer geht folglich erst beim Einsatz auf vier Rädern los.

Sehen, spielen, staunen

Pioneer AVIC-F9210BT

© Sebastian Stoll

Unter dem schlicht gehaltenen Gehäuse des AVIC stecken gewohnte Pioneer-Qualitäten.

Das Hauptmenü bietet dem VW-Fahrer zunächst drei Möglichkeiten an: Navigation, Telefon und die Auswahl der Audio- und Videoquelle. Auch Pioneer setzt auf Parrot als Lieferanten für seine integrierte Bluetooth-Freisprechanlage.

Das Telefonmenü erschließt sich allerdings erst nach der Kopplung des eigenen Handys via Bluetooth. Dann lassen sich Nummer auf dem Wählblock eintippen und Kontakte aus dem Telefonbuch anrufen.

SMS empfangen oder lesen ist allerdings nicht möglich. Beim Eintippen unbekannter Nummern ist außerdem Zielvermögen gefragt, denn die Nummern sind für die Bedienung im Auto einfach ein wenig zu klein geraten.

Das Radioteil des Pioneer AVIC-F9210BT bietet sechs Speicherplätze für Radiosender. Das Radio-Menü hätte ein wenig größere Tasten vertragen können, denn so lassen sich die Buttons für die Einstellungen und den Equalizer nur schwer treffen - sie sind ebenfalls etwas klein.

Eine Problematik, für die auch die Bildschirmgröße verantwortlich zeichnet: Der Bildschirm des Pioneer AVIC-F9210BT misst nur 6,1 Zoll. Bei der Konkurrenz findet man oft Produkte mit 6,5- oder gar 7-Zoll-Displays.

Doch Größe hin oder her - bei der Menügestaltung hat sich Pioneer sichtlich ins Zeug gelegt. Der Wechsel zwischen der Senderliste und der Ansicht des aktuellen Radiosenders geht fast schon mit iPhone-Charme vonstatten.

Besitzer eines iPhones und eines iPod touch dürften mit dem Pioneer ohnehin glücklich werden: Die Steuerung dieser Apple-Geräte auf dem AVIC-F9210BT ist einfach super gelungen. So werden die Playlists hier nicht nur einfach angezeigt, sondern man kann die Albencover beliebig schnell hoch- und runterschubsen. Gleiches gilt Interpreten und Alben.

Auch via A2DP und das ohnehin schon angeschlossene Handy kann der VW-Fahrer Musik auf seine Autoboxen zaubern.

Man muss jedoch nicht immer in die Tiefen des Naviceivers abtauchen, um zum gewünschten Menüpunkt zu gelangen. Drückt man im Hauptmenü erneut die Home-Taste, kann man den dahinterliegenden Layer mit beliebig vielen Verknüpfungen belegen.

Man dreht sich dazu auf dem Touchscreen zum gewünschten Icon und schiebt es mit dem Finger einfach an die passende Stelle - fertig. Dieses spielerische Unterfangen wird schnell zur Sucht, und so platzt der einst unbefüllte Kurzwahlbildschirm schnell aus allen Nähten. Hilfreich bei der Bedienung ist außerdem, dass fast alle der verwendeten Icons selbsterklärend sind und man nicht ständig raten muss, was sich hinter einem hübschen Symbol wohl so alles verbergen könnte.

Zum Ziel bitte!

Um zur Navigation zu gelangen, tippt man auf dem Startbildschirm einfach auf das Icon "Fahrtziel" und findet sich kurz darauf bei den Eingabemöglichkeiten. Das Kartenmaterial beinhaltet 44 europäische Länder. Wer sich den Schritt über die Zieleingabe ersparen möchte, kann sich die einzelnen Punkte auch als Kurzwahltaste hinterlegen. Die Eingabe neuer Ziele geht zwar dank kurzer Reaktionszeit auf die Eingaben recht zügig vonstatten, die Eingabe wird aber durch die fehlende Buchstabenausblendung und Ortsauswahl erschwert. Hier könnte Pioneer das Messer für eine kleine Schönheitsoperation ansetzen.

Ansonsten gestaltet sich die Eingabe von Sonderzielen beim Pioneer sehr leicht, allerdings kann man diese nicht einfach anrufen. Gerade bei einem Festeinbau-System sind solche Details sinnvoll.

Eigene Sonderziele kann der User mit der kostenlosen PC-Software "Navgate Feeds" erstellen. Hierzu kann man sich seine Ziele auf Google Maps auswählen und per USB-Stick oder SD-Karte auf das Gerät kopieren. Außerdem kann man mit Navgate Feeds seine eigene Fahrweise in puncto Wirtschaftlichkeit bewerten und auswerten. Allerdings muss man auch hier die Fahrzeugdaten auf dem Navi hinterlegen.

iPhone-Kontakte als Sonderziele

Speziell für iPhone-Nutzer empfiehlt sich außerdem die App von Navgate Feeds. Hiermit lassen sich Kontakte vom iPhone als Sonderziel inklusive Foto hinterlegen und ansteuern. Um diese Option nutzen zu können, muss man zuerst die kostenlose Software im App Store auf das iPhone laden.

Die Kartenansicht gefällt mit einer sehr guten Übersicht, obwohl sie im Vergleich mit der von iGo auf Konkurrenzprodukten wegen der fehlenden 3-D-Gebäude etwas nüchterner aussieht. Dafür herrscht Ordnung und man erkennt auch bei mehreren Abbiegungen hintereinander noch die richtige Straße.

Auch bei Nacht muss man auf diese Übersicht nicht verzichten, die berechnete Route wird sehr kontrastreich dargestellt. Tipp: Insbesondere bei längeren Fahrten empfiehlt es sich, bei aktivierter 3-D-Ansicht die Karte auf etwa einen Kilometer herauszuzoomen - so ist die Übersicht noch einmal deutlich besser.

Wichtige Abbiegungen werden ohnehin von der Signpost-Anzeige und einer vogelperspektivischen 2-D-Karte angezeigt. Wer jedoch von der Kartenansicht zurück zur Zieleingabe wechseln will, wird auf schmerzliche Art und Weise an den fehlenden Zurück-Button im Touchscreen erinnert - man muss den Home-Hardkey drücken.

Bei der Zielführung werden die Abbiegungen von einer Damenstimme angesagt, die zwar manchmal etwas holperig klingt, dafür aber dank Text-to-Speech auch Straßennamen ansagt. Innerorts könnte die Ansage gerne etwas zeitiger kommen; folgen mehrere Straßen aufeinander, sollte man lieber nicht zu schnell unterwegs sein, denn sonst läuft man Gefahr, am Ziel vorbeizufahren.

Zusätzlich helfen der Spurassistent und die Signpost-Anzeige dabei, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Vor allem die Signpost-Anzeige gefällt mit einer überaus großen Darstellung. Sollte man seine Brille vergessen haben, dürfte man die Schilder dennoch ablesen können.

Die Anzeige wartet außerdem mit einem Bargraphen auf, also einem abnehmenden Balken, mit dem sich insbesondere auf der Autobahn die Entfernung zur nächsten Abfahrt gut abschätzen lässt.

Die Routenqualität des Pioneer AVIC-F9210BT war gut, auf unseren Testfahrten waren wir stets auf dem richtigen Weg. Allerdings bekommt man die beste Route nicht immer auf Anhieb serviert. Gut, dass es die Multiroute-Funktion gibt, die ähnlich wie Navigons MyRoute verschiedene Routen vorschlägt. Damit man seine wertvolle Zeit nicht in Staus verschwendet, hat das Pioneer AVIC-F9210BT einen TMC-Empfänger an Bord.

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