Testbericht

Plattenspieler Audio Note TT-1 /iQ-3

Der Audio Note überzeugt durch die Musik, die er macht - ein Tipp für Timing- und Tempo-Fans.

  1. Plattenspieler Audio Note TT-1 /iQ-3
  2. Datenblatt
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© Archiv

Beim kleinsten Audio-Note-Modell kann man sich schon mal sicher sein, dass es funktioniert. Schließlich hatte der TT-1 bereits eine jahrzehntelange Reifezeit unter anderem Namen hinter sich, bevor Audio Note seine Produktion übernahm. Im früheren Leben war der TT-1 ein Systemdek und lief unter der Modellbezeichnung IIxII.

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© J.Winkler

Innenteller aus MDF statt Acryl

Mit seiner filigranen Subchassis-Konstruktion ist der TT-1 die perfekte Antithese zu Versuchen, Spieler mit sinnlosem Material-Overkill zum Klingen zu zwingen. In jedem Winkel des schmächtigen Spielerchens ist sicht- und spürbar, dass Systemdek-Kostrukteur Peter Dunlop seine klanglichen Ziele viel lieber mit dem spitzen Ingenieurs-Bleistift anvisierte, als sie mit der Werkstoff-Keule herbeizuprügeln.

Die schwarz folierte Zarge des Audio Note ist dünnwandig wie eine Laubsägearbeit und besteht aus MDF. Manche High-End-Kabel stecken in aufwendigeren Verpackungen. Der massivste Teil des Spielers hängt an drei Schraubenfedern unter Deck: ein U-förmiges Aluminium-Profil, das in seiner Mitte das Tellerlager und rechts außen das Armbrett (ebenfalls aus Alu)  trägt. Untypisch für Subchassis-Geräte sitzt der Motor nicht direkt an der Zarge, sondern schwingt seinerseits an einem kleinen Subchassis.

Die Verquickung von gleich zwei federnden, praktisch unbedämpften Plattformen mit einem rotierenden Synchronmotor und einem ebenfalls rotierenden Plattenteller samt Platte als Quellen mechanischer Anregung erscheint wie das Patentrezept für ein analoges Desaster, funktioniert aber völlig unaufgeregt und stabil: Das Armboard sitzt genau mittig in seinem knappen Zargen-Ausschnitt, der Acrylteller setzt sich ohne Extravaganzen in Bewegung.

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© J.Winkler

Das TT-1-Chassis dient - siehe Aussparung für den zweiten Motor - auch dem TT-2

Als Arm montiert Audio Note einen Rega RB-250, der mit hauseigener Kupferlitze (intern) und dem  NF-Kabel AN-A (extern) neu verdrahtet wurde und nun "Arm 1" heißt. Separat würde er humane 360 Euro kosten - weniger als der Tonabnehmer iQ-3 für 580 Euro, der erkennbar von Goldring gebaut wird, sich aber mit integrierten Gewindebuchsen, einem Titan-Nadelträger und feinst polierter Gyger-Nadel (übernommen von den teuren Audio-Note-MCs) deutlich von der Standardware unterscheidet. Derart edle MMs sind Exoten in einer von MCs dominierten Preisklasse, aber gerade für einen so röhren-affinen Hersteller wie Audio Note wegen ihrer hohen Ausgangsspannung sinnvoll.

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Hörtest

Beide Kandidaten zeigten im Hörraum eine hervorragende Entkopplung von Antriebs- und Umwelteinflüssen - hörbar an einer Ruhe in Musikpausen, die dem Ohr eindeutig mitteilt: "großer Spieler". Der maximal mögliche Kontrast zu dieser Ruhe stellte sich ein, wenn dem Audio Note nach der Leerrille Musik unter den Diamanten kam: Leichtigkeit, Offenheit, Lebendigkeit und Schnelligkeit waren die Trumpfkarten des englischen Laufwerks; in diesen Disziplinen eilte es auch dem Pro-Ject davon.

Das Audio-Note-System erwies sich als Volltreffer, der Austausch-Gelüste gar nicht erst aufkommen ließ. Im Blindtest wäre das System, das sehr direkt und leuchtend farbig darstellt, problemlos als MC durchgegangen - für MMs ein seltenes Kompliment. Bei aller Präzision und Detailfreude blieb das iQ-3 dennoch erstaunlich laufruhig und nebengeräuscharm - eine Kombination von Eigenschaften, die direkt auf einen präzise geschliffenen und genau eingesetzten Diamanten schließen lässt. Und die insofern toll zum TT-1 passt, als sie ohne Umschweife ebenso direkt zur Musik führt.

Audio Note TT-1 / Io3

HerstellerAudio Note
Preis1800.00 €
Wertung95.0 Punkte
Testverfahren1.0

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