Testbericht

Plattenspieler Brinkmann Bardo + 10.5 + HRS R 1

Bei seiner günstigsten Kreation Bardo + 10.5 + HRS R 1 (11800 Euro) sparte Brinkmann erfreulicherweise nur an zwei Stellen. Der Antrieb gehörte nicht dazu.

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Plattenspieler Brinkmann Bardo + 10.5 + HRS R 1

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Plattenspieler Brinkmann Bardo + 10.5 + HRS R 1

Die gängigste Methode, ein Gerät günstiger zu bauen, ist, ein teureres abzuspecken. Das erfordert aber jede Menge Erfahrung. Denn einfach irgendwo den Rotstift anzusetzen, kann im schlimmsten Fall eine entscheidende Klangverschlechterung nach sich ziehen. Helmut Brinkmann ging mit Fingerspitzengefühl vor. Er entschied sich bei seinem neuen kleinsten Laufwerk Bardo für 5000 Euro zuallererst, nicht am Antrieb nicht zu sparen. Statt dessen übernahm er den des erfolgreichen Direkttrieblers und größeren Bruders Oasis (1/09). Ein sinnvoller Schritt, denn dass der Teller gleichmäßig und ohne Nebengeräusche rotieren soll, steht außer Diskussion.

Damit der Brinkmann-Direktantrieb dies besonders gut erledigen kann, nutzt Brinkmann ein hochwertiges Lager.Dazu entwickelte er einen eher schwachen Motor mit sanfter Regelung. Durch ersteres will er erreichen, dass der direkt unter dem Teller liegende Motor ein kleineres Magnetfeld produziert und so weniger den Tonabnehmer stört.  Die behutsame Regelung soll dann mit der Schwungmasse des 9,7 Kilogramm schweren Tellers für einen gleichmäßigen, ruckelfreien Lauf sorgen (mehr dazu auf http://www.stereoplay.de/testbericht/plattenspieler-brinkmann-oasis-10-5-hrs-oasis-basis-317003,901.html ).

Gespart hat Brinkmann beim Teller. Er besteht zwar, wie bei den größeren Brüdern, aus Aluminium mit hohem Kupferanteil (was ihn resonanzärmer macht), die Auflage ist aber nicht aus teurem Kristallglas sondern aus Acryl, und die Edelstahlplatte in der Mitte fehlt. Auch die bei den größeren Brüdern obligate Klemme wurde weggelassen. Nach Brinkmanns Meinung bringt sie, zusammen mit der Acrylauflage, nur sehr wenig.

Upgrade ist möglich

Wer will, kann den Bardo aber mit dem höherwertigen Tellerpaket für 800 Euro Aufpreis erwerben. Hat man ihn schon zuhause, kostet das Upgrade dann 1200 Euro. Eine im Vergleich zum Oasis viel kleinere Dur-Aluminium-Grundplatte und der Wegfall des Holzrahmens senkten den Einstandspreis des Bardo zusätzlich. Die Verarbeitung blieb Brinkmann-like herausragend.

Um ihn direkt mit dem Oasis vergleichen zu können, spendierte ihm stereoplay einen Brinkmann-10.5-Tonarm. Wobei der mit hochpräzisen kardanischen Lagern und einem, mit 60 Mikrometer dickem Oxideloxal bedampften Aluminiumrohr für 4600 Euro, auch zu Besten seiner Gattung gehört.

Schon beim Oasis konnte stereoplay feststellen, dass die dämpfenden HRS-Unterstellbasen bei den Brinkmännern viel Sinn machen. Da lag es nahe, die für den leichteren Bardo empfehlenswerte R1-Basis zu ordern, da sie ihm mit 1300 Euro auch preislich entspricht.Mit im Testpaket war auch der Brinkmann EMT ti Abtaster für 3000 Euro. Er basiert auf der EMT-TSD-15-Tondose mit van den Hul Nadel, Aluminiumnadelträger und Kupferspulen. Bei Brinkmann wird sie in eine Aluschale geklebt. Dabei achteten die Feintuner besonders auf Resonanzenarmut und setzten zwischen Aluschale und System eine Lage Kupfer. Zusätzlich fixierten sie die kupfernen Befestigungsmuttern und klebten ein Titanplättchen auf die System-Oberseite.

Auch die serienmäßigen Stahlschrauben für die Nadelträgeraufhängung des TSD 15 gefielen Brinkmann nicht. Sie sind magnetisch und beeinflussen den Generator. Nach langen Hörproben wurden sie durch zwei Edelstahlschrauben im vorderen und eine aus Titan im hinteren Bereich ersetzt.

Die umfangreichen Hörtests eröffnete der EMT ti. Und auch wenn er durch seine Größe in kleinen Headshells wie dem des Linn Ekos SE nur mit Mühe seinen Platz fand, belohnte er die Tester mit einem höchst impulsiven und satt druckvollem Auftritt. Dabei verschaffte er feinen Nuancen dennoch deutlich Gehör und spielte so gleichauf mit dem Ortofon Windfeld (6/09). Der wirke etwas schlanker und in den Höhen feiner ausgearbeitet, doch der EMT ti glich dies mit mehr Körper bei Stimmen und kraftvolleren dynamischen Attacken aus. So wollten die Tester ihm sogar einen Klangpunkt mehr geben. Aber das Lyra Skala (6/07) verhinderte das, da es Instrumente noch präziser abbildete und Tuttipassagen besser entwirrte.

Bitte mit Unterlage

Nach diesem packenden Auftritt durfe sich der Bardo beweisen, wobei erst die Klangeinflüsse der HRS-R1-Basis zu klären waren. Dies ging schnell vonstatten, da sie, gegenüber der Aufstellung auf dem Naim Fraim, lauten Passagen mehr Durchhörbarkeit und Pianospiel mehr Klarheit und Spannung verlieh. Bassläufe gewannen an Kontur und der Bardo glänzte durch unaufdringliche, natürliche Klangfarben. Das ist eine dicke Empfehlung und eine stereoplay-Einstufung zusammen mit dem kleinen Brinkmann wert. Nicht ganz so dramatisch war der Wechsel zum Teller mit Kristallglasauflage nebst Klemme. Denn der Unterschied war bei kleinen Besetzungen nur marginal. Allein großorchestrale Einsätze wurden mit der teuren Variante besser durchschaubar, was aber keinen zusätzlichen Klangpunkt einbrachte.

Den Finalen Vergleich mit dem Oasis verlor der Bardo trotz Kristallglasteller verblüffend deutlich. Denn die herausragenden Eigenschaft, sehr leise Passagen fein aufzudröseln, (wodurch es fast schien als wäre ein feiner Rauschgrund entfernt), konnte der Bardo nicht bieten. Auch Tutti Einsätze waren beim Oasis unverkrampfter und durchhörbarer. Doch dies zeigte, dass Brinkmann schafft was ein guter Hersteller erreichen sollte - dem Kunden für mehr Geld mehr Klangqualität zu bieten.

Brinkmann Bardo + 10.5 + HRS R1

HerstellerBrinkmann
Preis11800.00 €
Wertung58.0 Punkte
Testverfahren1.0

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