Testbericht

Plattenspieler Clearaudio Concept + Concept

Den etwas tieferen Bass und minimal agileren Auftritt des Pro-Ject Xperience (12/06) konterte der Clearaudio Concept (1000 Euro) mit mehr Stabilität und geschmeidigerer Feinauflösung.

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Plattenspieler Clearaudio Concept + Concept

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Plattenspieler Clearaudio Concept + Concept

Dass Clearaudio konsequent auf den Systemgedanken setzt und vor allem auch ganz unbedarften Plattenspieler-Kunden den Kauf versüßen will, zeigt sich schon beim Auspacken des schön bauhäuslerisch wirkenden Concepts. So muss der Analog-Neuling noch nicht einmal die Auflagekraft einstellen, da der Tonarm mit eingestelltem Gegengewicht geliefert wird.

Dies ist möglich, da der Tonarm ein magnetisches Lager besitzt, das auch beim Transport nicht darunter leidet, dass es ein Gegengewicht tragen muss. Das war aber nicht der Hauptgrund für diese seltene Lösung. Vielmehr trieb die Erlanger die Reibungs- und Geräuscharmut einer solchen Lagerkonstruktion an. Dabei schwebt der Arm zwischen zwei sich anziehenden Magneten, während eine Schnur - die durch ihre Verdrillung ein Antiskating ermöglicht - die Grundposition fixiert. Wohl um Verwechslungen mit dem Insidern bekannten Schröder-Tonarm zu vermeiden, drehte der dafür verantwortliche Patrick Suchy das Lager um und positioniert die sich anziehenden Magnete an der Oberseite.

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Der Tonarm des Concept besitzt ein reibungsloses Magnetlager.

Um die Schwerkraft zu überwinden, müssen entsprechend starke Magnete verwendet werden, was letztlich zu einer Abhängigkeit der Auflagekraft von der vertikalen Tonarmposition führt. Denn je nach Winkel, in dem die Magnete zueinander stehen, wird deren Anziehungskraft verändert und somit auch die Auflagekraft. Diese variiert je nach Schallplattendicke um rund 3 Millinewton (und bei verwellten LPs noch mehr). Somit sollte der Abtaster auf Änderungen der Auflagekraft nicht allzu empfindlich reagieren.

Bei der Verdrahtung ging Clearaudio äußerst konsequent vor, da von den vergoldeten Abtaster-Anschlüssen bis zu den Cinch-Steckern ein durchgehendes Kabel führt.

Sinnvolles gab es auch beim Laufwerk zu entdecken. Es besitzt eine mehrschichtige Grundplatte mit einem Kern aus mitteldichter Holzfaser mit einem recht massiven Aluminium-Rand; auf der Oberseite liegt eine Platte aus einem schmutzabweisenden und kratzfesten Kunststoff. Dies alles ist mit einem zähen Kleber verbunden, was in Kombination mit dem Materialmix zu vorbildlicher Resonanzarmut führen soll.

Das Lager ist mit seiner Edelstahlachse, die sich in einer Bronzebuchse auf einem Teflonspiegel dreht, sehr solide. Den Antrieb des kleinen Kunststoff-Innentellers, auf dem der Hauptteller liegt, erledigt über einen Flachriemen ein Gleichstrommotor. Dieser sitzt in einem Gummidämpfer, der Vibrationen in Schach hält.

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Der Gleichstrommotor wird mit Gummi von dem Holzfaser-Kern entkoppelt.

Der Gleichstrommotor ist auch die Grundlage dafür, dass sich mit einfachen elektronischen Mitteln, sprich über die zugeführte Spannung, die Geschwindigkeit verändern lässt. Dies nutzt Clearaudio, um gleich drei Umdrehungstempi bequem per Schalter anwählbar zu machen - was Fans von Schelllackplatten, die 78 Umdrehungen in der Minute erfordern, sehr freuen wird.

Als Teller dient dem Concept ein drei Zentimeter dickes Exemplar aus Polyoxymethylen (POM). Edelstahlspikes, die in Gewinden sitzen und so eine Höhenverstellung erlauben, runden das Bild des Concept ab. Was ob des Preises nicht zu erwarten war: Der Concept wird vollständig in Deutschland gefertigt.

Der Aufbau im Hörraum ging ob der kompletten Vorjustage schnell vonstatten, da die Tester den Concept nur austarieren mussten, um sich den ersten druckvollen und dennoch filigranen Tönen hinzugeben. So distanzierte er sogleich das stereoplay Highlight Rega P 1 mit Ortofon OM 5 E durch bessere Stimmenartikulation und großzügigere Raumwiedergabe. Damit spielte er auf ähnlichem Niveau wie ein Pro-Ject Xperience Comfort mit dem Blue Note N°2 (12/06). Den etwas tieferen Bass und minimal agileren Auftritt des Pro-Ject konterte der Concept mit mehr Stabilität bei lauten Orchestereinsätzen und geschmeidigerer Feinauflösung.

Dass der Concept als fast ausgereiztes Paket auftrat, zeigte der Durchgang mit einem Benz ACE H 2 (10/05) oder gar dem Referenzabtaster Lyra Titan i (6/06). Denn selbst mit dem Topsystem war nur ein geringer Auflösungs-Vorteil zu vernehmen. Im Gegenzug präsentierte sich der Concept-Abtaster (der solo mit 150 Euro zu Buche schlägt) im Referenzplattenspieler Linn LP 12 SE Radikal (6/09) zwar sehr stimmig, entwirrte komplexe Passagen aber nicht ganz so gut wie etwa sein Bruder Clearaudio Alpha Wood (4/02).

Clearaudio Concept

HerstellerClearaudio
Preis1000.00 €
Wertung38.0 Punkte
Testverfahren1.0

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