Testbericht

Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

Creek ist bekannt für exzellente Elektronik. stereoplay klärt exklusiv, wie gut sein erster Plattenspieler Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight (3030 Euro) gelungen ist.

  1. Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight
  2. Datenblatt
Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

© Archiv

Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

Bei manchen Geräten urteilen Kenner gerne etwas vorschnell. So entlockt der neue Creek Wyndsor dem erfahrenen Analog-Spezialisten schnell ein "nicht schon wieder so ein Laufwerk mit Acryl-Grundplatte und -teller". Und auf den ersten Blick ist der Wyndsor, der mit dem Tonarm Creek 300 TecnoWeight 3030 Euro kostet, tatsächlich ein Spieler, wie es in den letzten Jahre dutzende gab. Wer allerdings Michael Creek kennt, weiß, dass er niemals irgendein Me-too-Produkt auf den Markt werfen würde.

Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

© Julian Bauer

Beim Creek Wyndsor lässt sich durch ein mit Silikonöl bedämpftes Schneckengewinde die Tonarmhöhe genauestens einstellen.

Führt man sich zudem vor Augen, dass die Bezeichnung Wyndsor eine Hommage an die gleichnamige Firma seines Vaters darstellt, die bis in die 70er Jahre Tonbandgeräte und Verstärker baute, kann man getrost unterstellen, dass Creek an diesem Plattenspieler seinen Entwicklerehrgeiz austobt.

So hat die amöbenartige Gestalt sowohl optische als auch akustische Gründe. Denn in das Resonanzverhalten der schwarzen Acryl-Grundplatte geht nicht allein das Material ein, sondern genauso dessen Form. Selbst bei den höhenverstellbaren Füßen leistete Creek Feinarbeit, denn die Gewinde der Aluminium-Füße lassen sich kontern, was einen stabilen, vibrationsarmen Stand zur Folge hat.

Der Acryl-Plattenteller wird auf einem invertierten Lager von drei Silikon-Riemen in Rotation versetzt. Diese Lagervariante mit feststehender Achse, um die sich ein kleiner Subteller mit Bronzebüchse dreht, ist nichts Ungewöhnliches mehr. Die Kombination aus harter Keramikachse und Bronzebüchse hingegen schon eher. Hier setzte Michael Creek zuerst auf die abstoßende Wirkung von Magneten - ohne zu wissen, dass die Patente auf solch ein schwebendes Lager mit Neodymringen Clearaudio in Erlangen hält. Also muss der Wyndsor nun ohne die Lager-entlastenden Magneten auskommen.

Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

© Julian Bauer

Die Motorelektronik erlaubt eine feinfühlige Justage der Drehzahl bei beiden Geschwindigkeiten.

Den Antrieb lässt Creek durch einen 12-Volt-Synchronmotor erledigen, den eine externe Elektronik ansteuert. In das schmucke Kästchen aus Aluminium baute er eine Schaltung mit zwei Generatoren ein, die jeweils für 33 1/3 und 45 Umdrehungen eigene Schwingungen (50 und 66 Hertz) produzieren. Dadurch lassen sich die Umdrehungszahlen auch mit zwei Knöpfen von außen feinjustieren. Auf eine Regelung des für Synchronmotoren unerlässlichen Phasenversatzes der zwei Ansteuerungsspannungen hingegen verzichtete der Entwickler, was bei unserem Testmuster prompt zu leichten Vibrationen des Motors führte.

Der Tonarm Creek 300 ist wohl für die meisten Fans sofort als Variante des Rega RB 300 erkennbar, den Creek aber umbenennen musste, da Rega nicht wünscht, dass Zulieferteile ihren Namen tragen. Ein reiner Rega blieb es sowieso nicht, denn Creek verschrieb ihm statt des serienmäßigen Edelstahlgewichts ein TecnoWeight von Michell Engineering, das durch einen tieferen Schwerpunkt mehr klangliche Präzision bringt. Zudem lässt sich durch Verändern der Lage des Gegengewichts der Druck auf die vertikalen Lager optimieren, was auch klangliche Vorteile bringt.

Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

© Tillmann Schreiber

Der Wyndsor kommt in einem edlen Flightcase verpackt an, das auch sinvolles Zubehör wie etwa eine Stroposkopscheibe enthält.

Dem klanglichen Einfluss der Tonarmhöhe, sprich des VTA-Winkels, misst Creek ebenfalls mehr Relevanz bei als Rega. So ermöglicht er eine Höhenverstellung des Tonarms. Und zwar eine sehr komfortable und reproduzierbare, die mit einem Silikonöl-gefüllten Schneckengewinde arbeitet.

Dass diese Lösung tadellos funktioniert, zeigte der Wyndsor im Hörraum. So konnten die Tester die optimale Höhe des Tonarms für das montierte System Reson Reca (2/06) schnell einstellen. Einen gleichen Tonabnehmer montierten sie in das stereoplay Highlight Rega P 7 (9/04), um dann mittels Nadeltausch absolut identische Voraussetzungen für einen direkten Vergleich zu schaffen.

Von diesem hervorragenden Gegner ließ sich der Creek Wyndsor jedoch nicht einschüchtern. Ganz im Gegenteil ließ er größere Instrumente auf einer weiträumigeren Bühne aufscheinen und arbeitete mehr Details heraus, wodurch etwa Stimmen nuancierter erklangen. Zudem vermittelte er Pianostellen deutlich durchhörbarer, wodurch mehr musikalische Spannung entstand.

Gleichzeitig erklangen laute Passagen, wie etwa die Bläsereinsätze bei Quincy Jones' "Moanin'" ("Birth Of A Band", Mercury SR 60129), unverkrampfter und weniger gepresst, dabei aber mit mehr Wärme.

Plattenspieler Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

© Tillmann Schreiber

Der Acrylteller rotiert auf einer Stahlkugel; eine Keramikachse in einer Bronzebüchse übernimmt die seitliche Führung.

Als der Wyndsor auch noch einen satteren und konturierteren Bass aufbot, gab sich der Rega P 7 geschlagen und die Redaktion dem Creek einen Klangpunkt mehr. Den Höhenflug des Creeks beendete dann erst das stereoplay Highlight Linn Majik LP 12 (5/08), der sich gegenüber dem mächtig druckvollen Auftritt des Wyndsor mit mehr Feinzeichnung und noch genauerer rhythmischer Betonungen in Szene setzte.

Creeks Feinarbeit hat sich jedenfalls gelohnt. Bewährte Bauteile entwickelte er weiter und schuf daraus einen nobel klingenden Plattenspieler. Aber auch wegen seines prachtvollen Designs wird der Wyndsor viele Freunde finden.

Creek Wyndsor + Creek 300 TecnoWeight

HerstellerCreek
Preis3030.00 €
Wertung53.0 Punkte
Testverfahren1.0

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