Testbericht

Plattenspieler Dr. Feickert Blackbird

Der Blackbird von Dr. Feickert (ab 5490 Euro) ist sehr gut verarbeitet, klingt impulsiv, direkt und staubtrocken.

  1. Plattenspieler Dr. Feickert Blackbird
  2. Datenblatt
Plattenspieler Dr. Feickert Blackbird

© Herbert Härle

Plattenspieler Dr. Feickert Blackbird

Christian Feickert baut zwar bemerkenswerte Plattenspieler der gehobenen Preisklasse, ist aber in wesentlichen Punkten das genaue Gegenteil eines High-Enders. Auf Messen spielte er bevorzugt alte, harte Rockmusik und Klassiker des Elektro-Pop. Außerdem rückt er seinen Konstruktionen mit einem iPhone auf die Pelle - so geschehen bei der Justage seines Blackbirds. Hier vertraute Dr. Feickert auf seine eigene Messplatte sowie eine darauf abgestimmte Gratis-App, die Gleichlauf und Geschwindigkeitsabweichung anhand eines 3,15-kHz-Signals ermittelt.

Dr. Feickert Blackbird

© H. Härle

Der Blackbird wird von zwei Motoren angetrieben

Gegenüber seinem günstigeren Pendant, dem Woodpecker, unterscheidet sich der 1500 Euro teurere Blackbird durch eine Einbauöffnung für einen zweiten Tonarm sowie einen zweiten Antriebsmotor. Auch bei der Wahl der vom Elektromotor-Spezialisten Papst gelieferten Teile zeigte sich der Freiburger nicht gerade zimperlich: Ihr Drehmoment reicht locker aus, um in der Industrie Förderbänder anzutreiben. Feickerts Philosophie war, wie beim legendären Garrard-Laufwerk, einen starken Antrieb einzusetzen, um die durch große Modulationen in der Plattenoberfläche hervorgerufenen Gleichlaufschwankungen so gering wie möglich zu halten.

Dr. Feickert Blackbird

© H. Härle

Der Blackbird kommt standardmäßig mit einem 10-Zoll-Tonarm vom japanischen Hersteller Jelco. Im Test trat das Laufwerk mit dem 200 Euro teureren 12-Zöller DF-120 an. Es ist für 5490 Euro ganz ohne Arm erhältlich; passende Basen gibt's für alle Arme.

Ähnlich wie der reibradgetriebene Garrard setzt der Schwabe auf eine möglichst steife Kopplung von Antrieb und dem aus POM-Kunststoff bestehenden Teller. Harte Motorlager, ein strammer Flachriemen zur Kraftübertragung und das Fehlen eines Subchassis sorgen für eine extrem direkte Kraftübertragung. Dieser Umstand sorgt nicht nur für raketenhafte Beschleunigung des 4,5 Kilogramm schweren Tellers aus dem Stand, sondern auch für eine Formel-1-verdächtige Verzögerung nach dem Abschalten.

Die Sandwichbauweise des Masselaufwerks mit einem MDF-Körper zwischen zwei dicken Alu-Platten garantiert nicht nur eine große Schwingungsdämpfung, sie verleiht dem deutschen Laufwerk auch ein individuelles, sehr technisch und trotzdem schick wirkendes Aussehen.

Dr. Feickert Blackbird

© AUDIO

Der kraftvolle, direkte gekoppelte Antrieb hinterlässt messtechnisch Spuren (rechts); mit bewerteten Gleichlaufschwankungen von 0,1% liefert er dennoch ordentliche Ergebnisse, die sich durch einen optionalen, schwereren Teller noch steigern lassen. - Sehr präzise, schmale Soll-Spitze, aber deutliche Seitenbänder bei Motordrehzahl.

Wer noch alte Schellackplatten abspielen möchte, kann sich einen dritten Druckknopf für 78 U/Min einsetzen lassen. Bohrungen hinter den Schaltern ermöglichen die Feinjustage durch darin verborgene Stellschrauben getrennt für 33,3 und 45 Umdrehungen pro Minute.

Zum Lieferumfang des Blackbird gehört eine präzise gefertigte, sehr solide, mehrteilige Einstellschablone aus Metall. Durch einen in die Oberseite der Zarge integrierten Aufnahmepunkt gelingt mühelos eine exakte Justage des im Paket angebotenen Tonarms Jelco DF-120.

Der 12-Zöller aus Japan hinterließ mit einem nicht ganz spielfrei justierten Horizontallager und recht verwindungsfreudigen, abnehmbaren Headshell einen zwiespältigen Eindruck. Idealere Besetzung: der 1100 Euro teure MC-Tonabnehmer Lyra Delos, der wie der Jelco-Arm aus Japan stammt und mit einem exzellenten Preis-Leistungsverhältnis und famoser Abtastfähigkeit aufhorchen lässt.

Dr. Feickert Blackbird

© AUDIO

Das Rumpeln liegt mit Messplatte bei 72dB, mit Messkoppler bei 75dB - keine Rekordwerte, aber in der Praxis weit unterhalb der Platten selbst. - Die antriebsbedingte 18-Hertz-Komponente ist auch hier gerade noch sichtbar.

Der frappierenden Detailauflösung und Luftigkeit des Lyra Delos war es nicht zuletzt zu verdanken, dass der Blackbird dem Herausforderer zunächst entschwebte. Die ungestüme Attacke des extrem zupackenden Laufwerks fügte sich gerade auch bei komplexer, impulsreicher Musik wie den Klangkollagen von Thomas Dolby "Dissidents" zu einem harmonischen Ganzen zusammen, das direkt vom Kopf in die Füße ging und diese rhythmisch wippen ließ.

Beim direkten Vergleich mit identischen Tonabnehmern konnte der Blackbird sein Manko an Räumlichkeit - Live-Aufnahmen wie Taj Mahals "An Evening  Of Acoustic Music" wirkten so direkt wie im Studio produziert - nicht durch Obertonauflösung wett machen und lag gleichauf mit dem EAT.

Das hohe Potenzial des Blackbird legt die Verwendung eines noch besseren Arms als des DF-120 und von Top-Abtastern wie dem Lyra Delos nahe. Der 12-Zöller aus SMEs M-Serie wäre sicher eine interessante Alternative.

Weitere Informationen:

Musik auf Vinyl: Empfehlenswerte LP-Neuerscheinungen des Jahres 2011

Dr. Feickert Blackbird

  
HerstellerDr. Feickert
Preis6500.00 €
Wertung110.0 Punkte
Testverfahren1.0

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