Testbericht

EAT C-Sharp Plattenspieler im Test

European Audio Team präsentiert im EAT C-Sharp einen bildschönen, edel und äußerst clever gemachten Plattenspieler zum Kampfpreis. Serienmäßig an Bord ist auch ein brandneuer Tonarm, der Einpunkt- und Kardan-Lagertechnik vereint.

EAT C-Sharp

© Julian Bauer

EAT C-Sharp

Ein hoher Schwerpunkt verstärkt das Kippmoment. Diese physikalischen Gesetze gelten auch für Plattenspieler, die ja eine möglichst unerschütterliche Basis für den Abtastvorgang bilden. Der ist einigen höchst unerfreulichen Einflüssen ausgesetzt: Der Luftschall (von den Lautsprechern) "rüttelt" am Laufwerk, von unten versuchen Boden-Vibrationen in das Chassis einzudringen, und zu allem Überfluss regen der mechanische Abtastvorgang und der Motor die ganze Fuhre - sozusagen im mikroskopischen Bereich - ebenfalls an.

Es leuchtet ein, dass ein möglichst niedriger Schwerpunkt den Aufbau solider und insbesondere unempfindlicher macht. Theoretisch sollte ein Laufwerks-Chassis also riesengroß und extrem flach gebaut sein und das Gewicht möglichst nahe an der Grundplatte, respektive nahe am Unterbau (Rack oder Tisch) konzentrieren. Doch "riesengroß" ist auch wieder ein Nachteil, denn so bietet das Chassis mehr Angriffsfläche für den Luftschall. Trotzdem existieren monströse "Laufwerksgebirge" mit sehr hoch gebauten, superschweren Plattentellern und vergleichsweise leichten Chassis ...

Aufbau: Masse nach unten!

Dass es auch anders geht, beweist ein Newcomer von EAT (European Audio Team), der den Namen C-Sharp trägt. Der C-Sharp ist extrem flach: Er konzentriert sein Gewicht möglichst nahe am Unterbau, was ihn zunächst einmal grundlegend "ruhiger" werden lässt. Dazu tragen auch drei kurze, höhenverstellbare Füße bei: keine Spikes, sondern Metallfüße mit Elastomer-Einsätzen. Sie unterstützen eine Art "Wanne", ein superflaches Chassis aus in Hochglanz-Schwarz lackierter MDF (mitteldichte Holzfaserplatte), in dem der Motor befestigt ist.

EAT C-Sharp im Test

© EAT

EAT C-Sharp im Test

Ebenso sind hier zehn elastische "Knubbel" aus einem Hightech-Dämpfungsmaterial eingelassen. Darauf liegt ein Subchassis, das aus einem Kohlefaser-/MDF-Sandwich besteht und extrem steif ist. In diesem so schwingend gelagerten Subchassis sitzt ein invertiertes Lager mit Keramikkugel, welches einen Subteller trägt. Die einzige Verbindung zum Grundchassis sind also der geschliffene und zuletzt polierte, runde Antriebsriemen, der den Subteller antreibt, sowie besagte "Knubbel".

Rund um das Lager wurde zudem Masse im Sandwich konzentriert: hier 700 Extragramm, die Energie aufnehmen können. Der fünf Kilogramm wiegende Plattenteller ist intern auch wieder durch ein Elastomer bedämpft und besitzt, um Schwungmasse zu konzentrieren, einen größeren Durchmesser als die Schallplatte; sein polierter Rand ist abgeschrägt. Auch so wird wieder Masse in die richtige Richtung verlagert - nach unten.

Externe Steuereinheit

Zum glänzend schwarzen Chassis des C-Sharp passt auch das externe Bedienpult für den Motor. Es birgt die Mikroprozessor-Steuerung mit Wechselspannungsgenerator und hängt an einem Steckernetzteil.

EAT C-Sharp im Test

© EAT

EAT C-Sharp im Test

Das alles wirkt sehr elegant, genau wie der ebenfalls neu konstruierte Tonarm. Er stammt wie auch das Laufwerk aus einer speziellen Abteilung der Pro-Ject-Werkstätten in der Tschechischen Republik. Dort ist man insbesondere auf die große Fertigungstiefe stolz. So werden quasi alle Teile der EAT-Laufwerke im eigenen Hause hergestellt.

Das gilt auch für den serienmäßig mitgelieferten Tonarm, der alles andere als ein 08/15-Design darstellt. Verantwortlich für diesen Entwurf sei ein 75-jähriger Analog-Guru namens Spurny, der einmal wöchentlich ins Werk komme, erzählt EAT-Chefin Jozefina Lichtenegger. Also war es Herr Spurny, der sich diese interessante Mischung aus vertikalem Einpunkt- und horizontalem Kardan-Lager ausgedacht hat.

Wie beispielsweise auch aus den Tonarmen von EMT bekannt, kommt im neuen EAT-Arm zudem ein Schräglager zum Einsatz; die kardanische Lagerachse sitzt also nicht im 90-Grad-Winkel zum Armrohr. Der reichlich massiv ausgelegte Tonarm enthält im Lagerzentrum auch noch eine Silikonfüllung, um die Eigenresonanz des Systems aus Arm und Tonabnehmer um mehr als 50 Prozent - so zumindest EAT - zu dämpfen.

Tonarm

Auffallend am neuen EAT-Tonarm ist nicht nur seine Lagerung, sondern wie gesagt auch seine schiere Masse: Die gelochte Armstütze ist fast zentimeterdick und der Haltekragen am Tonarmschaft mindestens genau so solide ausgeführt. Das skalenlose Gegengewicht sitzt elastisch gelagert auf dem Armrohr, der weiter vorne aus Kohlefaser besteht. Die darin eingelassene Headshell fiel ebenfalls wieder sehr massiv aus.

Ein hochwertiges Tonarmkabel mit Stoffumhüllung wird mitgeliefert. Auf der Rückseite des Laufwerks-Chassis muss ein Tonarm-Fünfpol-Stecker als Steckverbinder herhalten - nicht die schlechteste Lösung. Etwas frickelig ist allerdings die Antiskating-Vorrichtung des Tonarms: Hier zieht ein feines Fädchen ein verstellbares Dreh- Gewichtchen hoch und die Einstellung ist eher etwas für geduldige Tüftler.

EAT C-Sharp im Test

© EAT

EAT C-Sharp im Test

Zum Lieferumfang zählt noch eine Plattenklemme, die sich über ein Gewinde an der Tellerachse festziehen lässt. Doch das Gewinde ist recht lang und das Festschrauben scheint nicht enden zu wollen. Das lässt das Ganze etwas mühsam wirken - vielleicht könnte eine kleine technische Änderung das Ritual etwas abkürzen?

Nun einen Tonabnehmer einzubauen, dessen Preis fast jenem des kompletten Plattenspielers entspricht, ist zugegeben gewagt. Aber der positive Eindruck, den der C-Sharp schon beim Auspacken und beim Aufbauen erweckte, ließ den Berichterstatter womöglich etwas übermütig werden. Und immerhin handelt es sich beim MC-Abtaster Lyra Kleos um einen japanischen Tonabnehmer, dem man einst bescheinigte, mit seinen eigenen, noch einmal doppelt so teuren Geschwistern praktisch gleichauf zu liegen. Was in gewisser Weise auch auf den EAT C-Sharp zutreffen könnte, der sich einer preisadäquaten Einstufung mühelos nach oben entzog.

Klang

Mit der Laufruhe und der Souveränität echter Laufwerks-Boliden durchaus schon vergleichbar, begeisterte uns der Newcomer nicht nur mit seiner Transparenz und Finesse, sondern auch mit seiner offensichtlichen Unerschütterlichkeit, die ein tiefes, geordnetes dreidimensionales Klangfeld begünstigte.

Aus seiner sprichwörtlichen Ruhe zu bringen ist der Schönling offensichtlich nicht einmal durch schon reichlich harsch geschnittenes Vinyl: ATRs alter Mastercut "Esther", immer noch ein böser Prüfstein für jede Analog-Maschinerie, überzeugte mit großer Intensität und Verzerrungsarmut. Und den wunderbaren Klangfarben auf der Super-Analog-Disc "Adagio d'Albinoni" von Gary Karr und Harmon Lewis (KIJC- 9125-Stereo), einer sehr alten, sehr eindringlichen Aufnahme, fehlte praktisch nichts an Glanz, Emotion und Schwingung.

Fazit

Formulieren wir es mal so: Kein simpler Plattenspieler, sondern das, was man unter einem echten, hochkarätigen "Laufwerk" versteht. Für den Preis (3000 Euro) ein Gedicht!

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