Testbericht

Plattenspieler Euro Audio Team Forte

Mit riesigem Plattenteller, Magnetlager und Magnetfüßen startet der EAT Forte (13900 Euro) einen Angriff auf die Plattenspieler-Topklasse.

  1. Plattenspieler Euro Audio Team Forte
  2. stereoplay - Technik im Detail: Tiefenresonanz
  3. Datenblatt
Plattenspieler Euro Audio Team Forte

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Plattenspieler Euro Audio Team Forte

Die Idee, einen Plattenspieler zu bauen, war durchaus von der Optik geprägt", gibt Jozefina Krahulcova zu, Chefin von Euro Audio Team (EAT). Hoch bauende Laufwerke mit viel Acryl und Stahl sind nicht nach dem Geschmack der Frau, die sich bisher um edle Röhren und Dämpfungsringe für diese kümmerte. Ihr schwebte ein Modell mit viel Holz vor, das zudem elegant wirken sollte. Das Ergebnis ist der Plattenspieler Forte für stolze 13_900 Euro.

Plattenspieler Euro Audio Team Forte

© Julian Bauer

Der Zwölf-Zoll-Tonarm wird von Meister Osamu Ikeda in Japan gebaut. Die verschiebbare Aluminium-Basis ist zur Resonanzvermeidung mit dämpfendem Sorbothan von der Grundplatte entkoppelt.

Dafür bekommt König Kunde einiges an Material, das sich auf über 55 Kilogramm addiert. Aber allein auf Masse wollte frau nicht bauen, sondern entkoppelte die acht Zentimeter dicke, mit Metallschrot gefüllte MDF-Grundplatte mit höhenverstellbaren magnetischen Füßen vom Untergrund. Eine weitere Besonderheit ist der 18,8 Kilogramm schwere Teller. Er misst im Durchmesser keine üblichen 30, sondern 40 Zentimeter. Der Sinn dahinter: Die Schwungkraft nimmt um das Fünffache zu, was dem Gleichlauf zu Gute kommt.

Ein schwerer Teller belastet aber das Lager. Darum wird es beim Forte durch zwei sich abstoßende Neodym-Magneten entlastet. Der Besitzer kann nach Lösen von zwei Sicherungsschrauben den Druck zwischen der Keramikkugel und dem Teflonspiegel verändern. Der Teller kann sogar schweben. EAT empfiehlt aber einen leichten Druck und liefert den Forte so aus.

Damit der große Teller sauber dreht und die Hochlaufzeit nicht allzu lange dauert, hat man bei dem in Tschechien hergestellten Forte gleich zwei Motoren in einem eigenen Antriebsblock bereitgestellt. Es handelt sich um Synchron-Typen, die ihre Sinusschwingungen von einem regelbaren Generator bekommen. Dadurch lässt sich auch die Drehzahl sehr fein justieren und zwischen 33 1/3 und 45 Umdrehungen umstellen.

Plattenspieler Euro Audio Team Forte

© Julian Bauer

Der große Teller ist ausgefräst und hat zur Resonanzvermeidung eine dämpfende Zwischenschicht. Oben trägt er eine festgeklebte Matte aus Vinyl. Ein Gewicht beschwert die Schallplatte.

Damit es zwischen den Motoren keine Interaktion gibt, bekamen sie jeweils eine eigene Verstärkerplatine, welche die nötige Phasenverschiebung erledigt. Zudem wird ab Werk die Phase zwischen den beiden Motoren um 18 Grad versetzt, damit der eine gerade an einem Pol hängt, während der andere noch auf dem Weg dorthin ist. Davon erhofft man sich einen weiteren Gleichlaufvorteil.

Praktisch ist, dass EAT einen Acrylstab mitliefert, mit dem der Abstand zwischen dem zehn Kilogramm schweren Motorblock und dem Laufwerk definiert wird. So stehen die Riemen unter der richtigen Spannung, denn zu lockere oder zu straffe Gummis sorgen für schlechteren Klang. Konsequenter Weise sind die Riemen unterschiedlich lang, da der Abstand der Motoren zum Teller ungleich ist.

Ob des großen Tellerdurchmessers ist klar, dass der Tonarm lang sein muss. So ziert den Forte ein 12-Zöller aus der Schmiede des Osamu Ikeda, was Kenner aufhorchen lässt. Denn zum einen hat dieser Meister Fidelity Research gründet und ist damit für einige Tonarm-Legenden wie den FR 64 verantwortlich. Zum anderen hat sich Ikeda in den Ruhestand zurückgezogen. Offensichtlich aber besaß Jozefina Krahulcova genügend Überredungskunst, um Ikeda zu reaktivieren und eine glänzende Version des IT 407 aufzulegen.

Plattenspieler Euro Audio Team Forte

© Julian Bauer

Die feststehende Lagerachse besteht aus Edelstahl und beinhaltet die Keramikkugel. Das Lager wird durch zwei starke, sich abstoßende Neodym-Magneten entlastet.

Der zeichnet sich nicht nur durch hervorragende, gut bedämpfte Lager aus, sondern auch durch eine sinnvolle Antiskating-Einrichtung. Sie ermöglicht es, dass am Anfang einer Schallplatte eine andere Kraft wirkt als am Ende und dieses Verhältnis auch noch einstellbar ist. Sinvoll ist zudem, dass EAT die mit dämpfendem Sorbothan entkoppelte Basis verschiebbar gemacht hat, denn so lassen sich auch Tondosen (Headshell und Tonabnehmer am Stück) einstellen. Da der Arm mit 32,9 Gramm eine recht hohe effektive Masse besitzt, sind etwa SPU-Modelle mit ihrer niedrigen Compliance eine gute Wahl.

Mit einem SPU starteten die Tester den Hörtest, aber mit der Version Classic N (11/08), die sich in das Ikeda-Headshell einbauen lässt. Hier offenbarte der Forte schon erste Vorzüge, indem er stabil eine weiträumige Bühne darstellte, auf die er klar umrissene Instrumente stellte. So erklang etwa der Walzer von Tschaikowskys Nussknacker-Suite ("The Royal Ballet", RCA LDS 6065) wundervoll aufgefächert, während die Harfe am Anfang plastisch herausgearbeitet wurde. Dazu kam eine erhabene Ruhe im Klangbild, die sinistren Stücken wie etwa "Will You Carry Me Across The Water" von Midnight Choir ("Waiting For The Bricks To Fall", Universal S2LP020) besonders eindrücklich wirken ließ.

Interessant war dann zu prüfen, ob und wie sich der Klang veränderte, wenn man den Teller schweben ließ. Als die Tester die Sicherungsschrauben der Achse lösten und so verstellten, dass der Teller nur noch vom Magnetfeld getragen wurde, stellte sich aber eher eine Verschlechterung ein: Instrumente verloren an Kontur, die Ortungsschärfe litt, Bassläufe wurden ein wenig verschliffen. Als Pluspunkt verbuchte die fliegende Untertasse nur ein minimal längeres Ausklingen.

Plattenspieler Euro Audio Team Forte

© Julian Bauer

1) Die beiden Motoren des Forte werden von zwei unabhängigen Verstärkern angesteuert. 2) Mit den kleinen Trimmpotentiometern wird der für Synchronmotoren nötige Versatz der beiden Sinusschwingungen eingestellt. So kann die Absolute Phase zwischen den beiden Motoren unterschiedlich sein.

Also schraubten die Tester die Achse wieder in den Auslieferungszustand hoch, wodurch die Lagerkugel aber dennoch nur rund 300 Gramm zu tragen hatte, um dann den Referenzabtaster Lyra Titan i (6/06) zu montieren. Dieser Versuch war von Erfolg gekrönt, obwohl die Tiefenresonanz zuerst nicht dafür sprach (siehe Beitrag "Technik im Detail").

Nicht nur, dass sich nun ein wundervoller Zuwachs an Details einstellte, auch die Stimmenartikulation nahm zu. So lieferte sich der Forte ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Nouvelle Platine Verdier mit Tonarm Linn Ekos (8/01), aber mit etwas anderer Klangtendenz.

Der Platine mit Ekos-Arm beeindruckte mit etwas feinerer Artikulation und musikalischer Verve. So schnalzten etwa Gitarrensaiten bei "I Could Have Lied" von den Red Hot Chily Peppers ("Blood Sugar Sex Magic") via Nouvelle Platine stärker, und die Stimme klang betonter. Der Forte bot hingegen einen etwas substanzielleren Tiefbass als selbst der in dieser Disziplin bestimmt nicht zurückhaltende Platine und behielt seine Ortungsschärfe über die gesamte Plattenseite bei. Insgesamt erreichte er einen Punkt mehr. So ist mit dem EAT Forte die Topklasse der Plattenspieler um ein charaktervolles Mitglied reicher.

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