Testbericht

Plattenspieler Linn Sondek LP 12 SE + Radikal+ Ekos SE

Beim jüngsten Upgrade für den Linn LP12 ist der Name Programm: Ein neuer Antrieb verleiht dem Spieler ungeahnte Qualitäten.

  1. Plattenspieler Linn Sondek LP 12 SE + Radikal+ Ekos SE
  2. Datenblatt
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© Archiv

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© J.Bauer, Hersteller

Das Urika ist fest auf der Alu/Stahl-Bodenplatte des LP12 montiert. Die XLR-Outputs sind mitLundahl-Trafos symmetriert, das Armkabel (hier nicht sichtbar) fest verlötet.

Nach mehr als 30 Jahren Upgrade-Geschichte, nach Ausbaustufen mit so wohlklingenden Namen wie Nirvana, Valhalla, Cirkus, Lingo und Keel, könnte man meinen, der Linn LP12 sei nun endlich ausgereizt. Man wird sich aber daran gewöhnen müssen, dass niemand, nicht einmal Linn selbst, weiß, wo das wahre Limit dieses Spielers und der Plattenwiedergabe an sich liegt.

Für erreicht hätte man dieses Limit schon 1994 halten können, als der Präzisions-Oszillator Lingo den Gleichlauf und die Laufruhe des Spielers perfektionierte und dem bis dahin stets vollmundig-druckvoll, aber auch etwas unpräzise musizierenden Schotten eine Riesendosis Energie, Transparenz und Dynamik injizierte. Dass der Spieler 13 Jahre später durch das aus dem Vollen gefräste "Keel"-Subchassis (AUDIO 7/07) nochmal einen mindestens ebenso deutlichen Satz nach vorne machen würde, hätte sich damals niemand träumen lassen. Trotzdem hatte man auch beim Keel wieder das Gefühl, nun wirklich das große Finale gehört zu haben, das Ende der Rille, nach dem es zwar munter weiter im Kreis, aber eben nicht mehr weiter nach vorne gehen kann.

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© J.Bauer, Hersteller

Neuer Motor und optischer Drehzahlaufnehmer sind mit wenigen Handgriffen montiert, an der Edelstahl-Deckplatte muss nichts verändert werden.

Doch es kommt doch noch ein Track. Genauer gesagt: Es folgen gleich zwei. Knapp zwei Jahre nach seiner Keel-Legung erhält der diesmal-womöglich-wirklich-endgültige LP12 seine eigene, vollkommen neue Motor-Netzteil-Kombi namens Radikal, ergänzt um den kompromisslosen Phono-Vorverstärker Urika, den man schon deshalb als Teil des Spielers betrachten muss, weil er in diesen eingebaut wird. Der Antrieb ist auch separat nachrüstbar, das MC-Phonoteil dagegen ist auf das Radikal angewiesen. Die Radikalisierung des LP12 kostet 3300 Euro; das Urika (kein baltischer Mädchenname, sondern die phonetisch gleichwertige Linn-Schreibweise für "Eureka") im Set weitere 2000 Euro. Wer das noch nicht ruinös genug findet, kauft sich das Radikal nicht im Standard-Linngehäuse, sondern im gefrästen, anschließend aufs Feinste oberflächenveredelten "Klimax"-Alublock wie im Bild links.

Das Luxus-Gehäuse bringt für 2600 Euro Aufpreis nichts außer genialer Optik, phantastischer Anfassqualität und eventuell dem guten Gewissen, die Linn-Schwesterfirma Castle Precision Engineering mit einem zivilen, ganz und gar hedonistischen und nebenbei kulturdienlichen Auftrag einige Maschinenstunden lang von ihrer Arbeit für die Rüstungsindustrie abgehalten zu haben. Linn ist sportlich genug, dem Klimax-Radikal keine Performance-Vorteile gegenüber der Blechversion anzudichten. Wer es kauft, kauft es schlicht, weil er es sich leisten kann - und aus der Überzeugung, dass die ausgefuchste, in jahrelanger Entwicklungszeit gereifte Schaltung nichts Geringeres als diese Behausung verdient.

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Der Motor besitzt langlebige Edelmetall-Bürsten und ist auf minimales Streufeld optimiert.

Alte Fans des schottischen Spielers müssen mit dem Radikal-Upgrade noch einmal grundsätzlich umdenken: Der Synchronmotor, vom ersten Tag an elementarer Teil der Linn-Lehre, ist in Ungnade gefallen und wird durch einen Gleichstrommotor ersetzt. Da die Drehzahl eines DC-Triebwerks, anders als beim AC-Synchron-Kollegen, sowohl von der Betriebsspannung als auch von der anliegenden Last abhängt, besitzt das Radikal-Netzteil erstmals in der Linn-Geschichte eine Regelung, die direkt das Teller-Tempo misst. Die größte Herausforderung in der Entwicklung war, diese Regelung so auszulegen, dass die von anderen DC-Konstruktionen gefürchteten Drift-Effekte ebenso verschwinden wie die durch zu enge Regelschleifen erzeugte Unruhe. Erreicht haben die Schotten dieses Ziel unter anderem durch eine Präzisions-Clock, die direkt aus dem Netzwerk-Player Klimax DS stammt - digitales High End greift hier der Analogfraktion unter die Arme.

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Neben dem Motoranschluss sitzt am Radikal ein Stromausgang für das Urika.

Die klanglichen Auswirkungen des Radikal sind verblüffend, wobei man gut daran tut, ein paar Minuten nach dem allerersten Start des Motors nicht allzu genau hinzuhören. Diese Zeit braucht ein neues Radikal, um sich zu kalibrieren. Danach hat man einen LP12 vor sich, der die klassischen Tugenden des Laufwerks - rhythmische Genauigkeit, feindynamische Bewegtheit und konsistente, von Musikmaterial und Aussteuerung unabhängige Durchzeichnung - in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt: der Hintergrund noch dunkler, die musikalischen Kontraste geschärft, ohne zu blenden. Feine Details wie das für das Rhythmus- und Tempoempfinden so wichtige Ausklingen der Noten werden dramatisch besser wahrnehm- und mitverfolgbar. Im direkten Vergleich klingt der neue Sondek trotz der größeren Genauigkeit auch anmutiger und geschmeidiger, gefühlt etwa so, als hätte jemand den (unveränderten) Neoprenriemen gegen ein Band aus magischem Elfenhaar getauscht.

Das alles kann man, wenn man es gehört hat, nur schwer wieder vergessen. Noch dramatischer wird der Effekt durch das Einbau-Phonoteil Urika. Sein gegenüber dem exzellenten Linto (3/03) nochmals deutlich verfeinerter, extrem rauscharmer Doppel-Mono-Aufbau und die extreme Nähe zum Tonarm (die den Microvolt-schwachen MC-Signalen anderthalb Meter Kabelweg spart) machen es zu einem der besten Phono-Preamps überhaupt - leider nur für LP12-Radikal-Besitzer, weshalb AUDIO auf eine universelle Einstufung verzichtet. Der eigentliche Spieler, in vollem Ornat mit Keel-Subchassis, Ekos SE-Tonarm und natürlich dem genial-radikalen Antrieb, kann dagegen nirgends anders hin als ganz an die Spitze aller je bei AUDIO getesteten Plattenspieler.

Linn Sondek LP 12 SE + Radikal + Ekos SE

HerstellerLinn
Preis16400.00 €
Wertung125.0 Punkte
Testverfahren1.0

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