Testbericht

Plattenspieler Pro-Ject Essential + Ortofon OM_3_E

Pro-Ject macht aus der Not eine Tugend und entwickelt aus Sparzwang einen Plattenspieler der für 210 Euro herausragende Qualitäten besitzt.

  1. Plattenspieler Pro-Ject Essential + Ortofon OM_3_E
  2. Datenblatt
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Der Preis ist heiß: "In dieser Klasse senkt jeder Euro mehr die verkauften Stückzahlen deutlich", erklärt Pro-Ject Chef Heinz Lichtenegger. Deshalb ersann er mit dem Essential auch einen Plattenspieler, der inklusive Ortofon-Abtaster nur 210 Euro kostet - um der fernöstlichen Konkurrenz weiterhin mit einem europäischen Plattenspieler die Stirn zu bieten. Denn die Herstellung des bisherigen Einstiegmodells Debut III (5/05) wurde mit den Jahren immer teuerer. Der daraus folgende Verkaufspreis von 240 Euro verfehlte einen wichtigen Preispunkt, wenn auch "nur" um 30 Euro.

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Der Motor des Essential ist mit der Grundplatte verschraubt und nicht - wie bei dem Bruder Debut III - in einem Gummiring aufgehängt. Den Antrieb des Außenläufers erledigt ein Rundriemen.

Da jeder Euro zählte, entschied sich Pro-Ject den Essential ausschließlich in einer schwarz laminierten Version anzubieten - und nicht noch zusätzlich in aufpreispflichtigen Lackvarianten. Das spart Lagerkosten. Auch die Konstruktion des Innentellers, auf dem ein Metall-Hauptteller liegt, wich einer laminierten MDF-Version mit eingeklebter Edelstahl-Lagerachse. Damit präsentiert sich der Essential als Außenläufer mit den Tellerrand umschließendem Rundriemen. Dass der von einem geschliffenen Flachriemen angetriebene Debut III etwas bessere Gleichlaufeigenschaften bietet, akzeptierte Lichtenegger zähneknirschend. Dafür setzte er ein für die Preisklasse recht eng toleriertes Lager mit Bronzebüchse und polierter Edelstahlkugel ein - und spendierte die für Pro-Ject-Laufwerke typischen dämpfenden Gummifüße auch dem günstigsten Modell.

Die Not dann vollends zur Tugend machte er beim Tonarm 8.6 UP. Um aufwändige und teure teuere Konstruktionen zu vermeiden, konzipierte er den Arm mit Einpunkt-Lager, dessen gehärtete Stahlspitze in einer Stahlschale balanciert und so die nötigen Bewegungsfreiheit für den Abtastvorgang bietet.

Dass dabei noch viel Feinarbeit gemacht wurde, zeigt die nähere Betrachtung. So wirkt der Block, in dem Armrohr und Gegengewicht arretiert sind, vertrauenerweckend massiv. Zudem ist das Gegengewicht konzentrisch aufgehängt und besitzt einen recht tiefen Schwerpunkt. Beide Maßnahmen tragen zu einer Beruhigung der ansonsten eher zittrigen Einpunkt-Konstruktion bei.

Voll alltagstauglich

Dieser Aufbau und eine Kunststoffführung an der Unterseite des Lagerblocks, in die der Stahlstift hineinragt, führen zu einer insgesamt robusten Konstruktion. Selbst unbedarfte Vinyl-Fans sollten mit dem Essential problemlos zurechtkommen. Dieselbe Klientel wird auch erfreuen, dass der Ortofon-Tonabnehmer ab Werk perfekt justiert ist. Handarbeit des Kunden steht also nicht an, denn selbst der Nadelazimuth stimmt exakt - in dieser Preislage ein absolutes Novum. So ist sichergestellt, dass die Nadel genau in der Mitte beider Rillenflanken sitzt und absolut gleichmäßig abtastet.

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Der Tonarm des Essential ist mit Einpunktlagerung ausgestattet. Trotzdem neigt er bei der Benutzung nicht zu nervösem Verhalten, wie die meisten Vertreter dieser Bauart. Die Bedienung des Tonarm-Lifts bereitet somit keine Probleme.

Eine passende Wahl für die Preisklasse ist die Tondose Ortofon OM_3_E, deren Nadel in Form einer Stahlspitze daher kommt, auf die ein kleiner Diamant geklebt wird (getippt). Ihr schreiben Kenner die gleichen klanglichen Eigenschafte zu wie der etwas teureren OM_5_E.

Für Fans, die ihre Plattensammlung digitalisieren wollen, ist die Version Essential Phono USB höchst interessant. Sie hat für 285 Euro eine gute Phonovorstufe an Bord, die mit der Phono-Box II (7/06) identisch ist. Ihr USB-Ausgang erlaubt den digitalen Anschluss an einen Computer. Dabei ist sicher zu verschmerzen, dass die Übertragung auf 16 Bit/48 kHz beschränkt ist.

Plastische Abbildung

Zum Hörtest trat jedoch der Essential als reiner Plattenspieler an - und verblüffte mit einer für seine Preisklasse ungemein plastischen Darstellung von Einzelinstrumenten. So waren Klangereignisse nicht nur in komplexen Passagen gut ortbar, sondern schienen auch dreidimensional umrissen wie es die Tester von derart günstigen Geräten nicht kennen.

Der Schellenkranz in Jack Johnsons "Staple It Together" (In Between Dreams) klang so fein aufgelöst, dass man meinte jede einzelne Schelle nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Eine derart greifbare und genaue Abbildung konnte der Debut III mit Ortofon OM_5_E nicht bieten. Über ihn verschwammen die Grenzen zwischen einzelnen Instrumenten.

Dafür konterte der Debut III mit mehr Stabilität in orchestralen Tutti-Einsätzen. Hier wirkte der Essential, als hätte er eine Last zu tragen und müsste sich redlich mühen. Die Umrisse der Akteure blieben zwar erhalten, doch tönte die Musik etwas angestrengter als in den leisen, filigranen Passagen.

In puncto Basswiedergabe konstatierten die Tester ein Patt. Denn der Debut III klang fülliger, im oberen Bass druckvoller, während sich der Essential konturierter darstellte und Betonungen genauer herausarbeitete. Da diese Unterschiede am Laufwerk lagen, wie ein Wechsel der Nadeln zeigte, bekam der Essential ein stereoplay Highlight verliehen. Und damit nicht genug: Pro-Ject hat noch etliche Varianten des Günstlings in Planung...

Pro-Ject Essential + Ortofon OM 3 E

HerstellerPro-Ject
Preis210.00 €
Wertung32.0 Punkte
Testverfahren1.0

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