Testbericht

Plattenspieler Rega P1 + RB 100 + Ortofon OM 5 E

Für den 350-Euro-Spieler P1 hat Rega die Kunst des Weglassens auf die Spitze getrieben

  1. Plattenspieler Rega P1 + RB 100 + Ortofon OM 5 E
  2. Datenblatt
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© Archiv

Die englische Marke Rega ist seit ihrer Gründung vor über 30 Jahren ein Synonym für die Kunst der durchdachten Reduktion. Für einen Spieler, der samt vormontiertem Tonabnehmer nur 350 Euro kosten darf, hat Rega den RB-100 entworfen: Statt des legendären, vom Lagerblock bis zum Headshell kunstvoll in einem Stück gegossenen Alu-Rohrs führt der RB-100 einen dreiteiligen Ausleger, dessen vorderer Teil gar - Himmel hilf! - aus Plastik besteht. Jawohl: Vorn am Alu-Rohr klebt ein Kunststoff-Headshell.

Vom großen Bruder geerbt

Für Rega-Fans kommt der Einsatz eines nicht ultimativ verwindungssteifen Werkstoffs an einer so sensiblen Stelle einem Sakrileg gleich. Beruhigend immerhin, dass das Bauteil recht dickwandig dimensioniert ist, und dass auch sonst keine weiteren Schocks drohen: Der Arm dreht sich in großkalibrigen, stabilen Kugellagern und hat die Antiskating-Einrichtung, das Gegengewicht sowie den Lift vom großen Bruder P2 geerbt. Auch das Laufwerk stammt direkt vom P2 ab, es verwendet dessen Motor, Lager und Innenteller. Der Hauptteller besteht wie beim P2 aus dem Holzfaserwerkstoff HDF, ist aber kleiner geraten. Das erleichtert das Abnehmen der Platte (speziell, wenn man den Teller stilecht weiterlaufen lässt), verringert aber das Trägheitsmoment und damit die Filterwirkung für Rumpel- und Gleichlaufstörungen.

Ein Austausch des kleinen HDF-Rundlings gegen den gehärteten Glasteller der größeren Modelle P3 und P5 ist zwar wirtschaftlich nicht sinnvoll, war aber für den Test dennoch lehrreich. Der getunte P1 spielte tempostabiler und klarer, die Vibrationen seines direkt vom Netz gespeisten Synchronmotors traten gehörmäßig deutlich in den Hintergrund - beim Original-P1 kann man sie in leisen Passagen durchaus noch wahrnehmen.Selbst mit dem Glasteller wirkte der P1 merklich dunkler, indirekter und diffuser als die größeren Regas. Die geringere Festigkeit des günstigen Arms ließ sich also gar mit dem serienmäßigen Ortofon OM 5E direkt heraushören. Im Wiederbesitz seines serienmäßigen Holztellers trat der P1 dann gegen den Pro-Ject Debut III an, der ab Werk ebenfalls mit einem 5E an den Start geht. Wegen der bei Abtastnadeln nie ganz auszuschließenden Exemplar-Streuungen verwendeten die Tester für beide Spieler sogar denselben Nadeleinschub, der sich mit einem Handgriff umstecken lässt.

Hörtest

Umso überraschender, wie unterschiedlich das Ortofon-System in den beiden Spielern klang. Kein Wunder, dass über dieses extrem verbreitete MM-System widersprüchliche, teils diametral entgegengesetzte Klangbeschreibungen kursieren: Im Pro-Ject-Arm spielte der dänische Pickup offen, klar, aber zuweilen auch schon grenzwertig körperlos. Im Rega-Arm dagegen tönte er oben herum fast zu trocken, dafür im Grund- und Mitteltonbereich ausdrucksstärker. Ob man es nun so mag oder nicht - letztere Charakteristik deckt sich besser mit den Ergebnissen, die das 5E in Referenzarmen bringt, und beschert dem Rega einen Vorsprung von fünf Punkten. Wie alle Ein-Brett-Spieler reagiert der Rega hörbar auf die Qualität des Unterbaus. Der Schrank wird gewissermaßen zum Teil des Plattenspielers und kann, wenn er zu schwer oder zu weich ist, Dynamik rauben. Halt, jetzt nicht an Esoterik-Tuning denken! Eine daumenstarke, mit drei Holzschrauben aufgebockte Sperrholzplatte kann hier auch Wunder wirken - und wird dem Spieler gerechter.

Rega P 1 + RB 100 + Ortofon OM 5 E

HerstellerRega
Preis350.00 €
Wertung75.0 Punkte
Testverfahren1.0

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