Testbericht

Plattenspieler Rossner & Sohn Chess KLM 15 + Tonarm Vivid Two

Rossner & Sohn fertigten bisher Dentalwerkzeuge. Nun haben sie die Firma aufgebohrt und bauen auch höchst Angenehmes: Plattenspieler wie den Chess KLM 15, der mit dem Tonarm Vivid Two 3500 Euro kostet.

  1. Plattenspieler Rossner & Sohn Chess KLM 15 + Tonarm Vivid Two
  2. Datenblatt
Rossner & Sohn Chess KLM 15 + Vivid Two

© Archiv

Rossner & Sohn Chess KLM 15 + Vivid Two
Plattenspieler als mechanische Geräte müssen aus dem Blickwinkel des Maschinenbaus betrachtet und entwickelt werden. Was für einen Aufwand man dabei treiben kann, zeigt exemplarisch der Chess KLM 15 für 3500 Euro (inklusive Tonarm Vivid Two) aus der kleinen Mechanik-Manufaktur Rossner & Sohn.

KLM steht für "kleines Masse-Laufwerk" und macht klar, dass die Memminger schwere Plattenteller bauen. Das erste Modell brachte locker 77 Kilogramm auf die Waage und hieß folgerichtig GML. Auch bei ihrem "kleinen" Plattenspieler, der mit Motor immerhin 13,4 Kilogramm wiegt, gestanden Vater Gottfried und Sohn Christoph Rossner mit 7,6 Kilogramm den Hauptteil des Gewichts dem Teller zu. Schließlich führt hohe Schwungmasse dazu, dass dynamische Abbremseffekte der Nadel und leichte Gleichlaufschwankungen des Antriebs ausgeglichen werden. Um diesen Effekt zu verstärken, positionierten die Rossners zwölf Edelstahlgewichte relativ weit außen unter dem Teller. Dieser besteht aus Polyurethan, das im Vakuum hoch verdichtet wird, wodurch sich keine Luftbläschen bilden und das Material schön homogen wird.

Lager des Chess KLM 15

© Julian Bauer

Das aufwendige Lager ist beim Chess KLM 15 durch die extrem glatte Edelstahlachse sowie die spezielle Schmierung auf Leichtlauf getrimmt. Der Teller wird über Bohrungen feingewuchtet.

Das Lager kommt ebenfalls nicht von der Stange, sondern ist ein kleines Maschinenbau-Kunstwerk. Die Achse aus Edelstahl wird wie üblich fein abgedreht, aber dann bis zu einer spiegelglatten Oberfläche geläppt. Die Büchse besteht aus zwei Ringen aus Molybdändisulfid, die in ein Sintermaterial eingepresst sind. Das minimale Spiel zwischen Achse und Büchse von rund 7 Tausendstel Millimeter sorgt dafür, dass die Achse keinen direkten Kontakt zu den Seitenwangen hat, sondern sich in diesen Zwischenraum das Leichtlauföl legt.

So hat die Achse nur direkten Kontakt zur extrem harten Kugel aus Siliziumoxid, die wiederum auf einem Lagerspiegel aus Vulkollan ruht. Dieses eher weiche Material zeichnet sich durch hohe Zähigkeit aus und führt an dieser Stelle zu einer Resonanzbedämpfung, nützt sich aber extrem wenig ab, was der Langlebigkeit zu Gute kommt.

Als Basis dient dem Chess KLM 15 eine dreibeinige Konstruktion mit gegossenem Komposit-Material aus Metall, Stein und Kunstharz. Es besitzt dämpfende Eigenschaften und ist dennoch sehr stabil. Über die höhenverstellbaren Füße mit Fabreeka-Bubblemount-Gummikugeln (sorgen normalerweise bei Mikroskopen für ruhigen Stand) ist der Spieler vom Untergrund entkoppelt.

Rossner & Sohn Chess KLM 15

© Julian Bauer

Große Schwungmasse ist für die Rossners Pflicht

Beim Antrieb verfuhren die Rossners pragmatisch. Synchronmotoren, die ihre hohen Anforderungen erfüllen, waren in den geringen benötigten Stückzahlen zu teuer. So griff man auf einen leichter erhältlichen Gleichstrommotor zurück, wie Sohn Rossner freimütig zugibt. Was aber auch den Vorteil hat, das man bei dem im eigenen Gehäuse untergebrachten Motor ohne großen Aufwand eine Geschwindigkeitsverstellung realisieren konnte.

Beim Tonarm entschieden sich Vater und Sohn für den Vivid Two von Phono Tools. Er hat ein Aluminium-S-Rohr und ein schraubbares Magnesium-Headshell, quasi ein Klassiker in High-Tech-Ausführung.

Im Hörraum optimierten wir zuerst die Spannung des Nylon-Antriebsriemens; sie beeinflusst das Klangergebnis entscheidend. Tipp: durch die Fadenspannung die maximale Drehzahl einstellen, danach mit den Reglern am Motor und Stroposkop-Scheibe auf Nenndrehzahl bringen. Dann beeindruckte der Chess KLM 15 (mit Referenz-Abtaster Transfiguration Orpheus, Test 11/06) mit stabiler Abbildung und genau durchgezeichnetem Bass.

Im Vergleich zum stereoplay Highlight Rega Planar 7 (9/04) gefiel der Chess KLM 15 mit noch feinerer Hochtonauflösung sowie minimal größerer Detailtreue. Bei großorchestralen Ereignissen konnten wir mit dem Chess noch mehr entdecken, die Einzelinstrumente waren genauer voneinander abgegrenzt. Der Rega bot fraglos die höhere Dynamik, doch der Chess durchleuchtete auch die leisen Passagen noch tiefer und malte die Klangfarben noch einen Tick authentischer.

Dafür spendierten wir ihm gerne einen Klangunkt mehr und freuten uns über die Entscheidung der Rossners, sich lieber den schönen Dingen des Lebens zuzuwenden.

Rossner & Sohn Chess KLM 15 + Vivid Two

HerstellerRossner & Sohn
Preis3500.00 €
Wertung53.0 Punkte
Testverfahren1.0

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