Testbericht

Plattenspieler T+A G 1260 R

"Ruhig und ausgeglichen" waren die ersten Attribute, die den Testern in den Hördurchgängen für den T+A G 1260 R + Ortofon 2M Bronze (2000 Euro) einfielen.

  1. Plattenspieler T+A G 1260 R
  2. Datenblatt
Plattenspieler T+A G 1260 R

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Plattenspieler T+A G 1260 R

Beim Stichwort Plattenspieler kommt einem der Name T+A nicht so schnell in den Sinn. Die Manufaktur aus Herford ist ja primär für sehr gute Lautsprecher und ebenso für ausgetüftelte Elektronik bekannt.

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Links: Der Plattenspieler lässt sich als Rundum-sorglos-Paket mit passender Phonostufe PH G 10 (Aufpreis 350 Euro) beziehen. Oben: Eine aufwendige Elektronik mit digitalem Signalprozessor (DSP) übernimmt die Motorsteuerung.

Da scheint es fast logisch, dass T+A-Elektronik-Mastermind Lothar Wiemann auch bei der Motorsteuerung eine einmalige und aufwendige Lösung parat hat. Denn nach umfangreichen Analysen stellte er fest, dass Synchronmotoren mitnichten am ruhigsten drehen, wenn sie mit reinen, sauberen Sinusschwingungen angetrieben werden. Sie produzieren je nach Typ unterschiedliche Störungen, die sich in Vibrationen zeigen.

Diese Störungen hat Wiemann gemessen und sie in dem Ansteuerungssignal gegenphasig integriert, wodurch der Motor deutlich vibrationsärmer arbeitet. Dafür ist die Motorelektronik des G 1260 R mit einem digitalen Prozessor (DSP) ausgestattet, der solche speziellen Signale herstellen kann. Die Form der Schwingungen ist aber nur ein Teil der Lösung. Der genaue Versatz zwischen den nötigen zwei Wellenformen ist der andere, der für eine ruckelfreie und unauffällige Arbeitsweise gefordert ist. Diese Phasenlage wird dann sogar für jeden Plattenspieler per Trimmpoti optimiert. 

Das Ergebnis war für Wiemann so überzeugend, dass er den Motor fest in die Grundplatte einschraubte - ohne zusätzliche Dämpfungsmaßnahmen. Dadurch wirkt der Motor mit einem stärkeren Drehmoment über den Flachriemen auf den Aluminium-Innenteller - wie wenn er weich in Gummi befestigt wäre.

Doch mit einem ruhigen Motor ist es nicht getan. Deshalb entschied man sich in Herford zu einem eng tolerierten Lager mit Bronze-Büchse, in dem sich eine polierte Edelstahlachse dreht. Den Innenteller lässt Wiemann nach dem Einpressen der Achse nochmals nachbearbeiten und den 3,8 Kilo schweren Aluminium-Druckguss-Außenteller fein wuchten. Dass sich dies alles lohnte, zeigten die sehr guten Messwerte, welche die stereoplay TESTfactory dem G 1260 R attestierte.

Manufaktur T+A in Herford

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Wussten Sie, dass die Manufaktur T+A in Herford seit 33 Jahren HiFi-Geräte der Extraklasse fertigt? Begonnen hat alles mit Lautsprechern, die Elektronik kam 1985 dazu.

Darüber hinaus war für T+A auch die Vermeidung von Resonanzen beim Chassis eine wichtige Konstruktionsvorgabe. Der Kern der Grundplatte besteht aus drei Lagen MDF, die zudem die Besonderheit aufweisen, dass sie von außen nach innen weniger dicht sind. Zusätzlich sollen die Aluminium-Bleche, die den Kern ummanteln, die Plattenteller-Matte aus Silikonkautschuk sowie die höhenverstellbaren, dämpfenden Füße zur Beruhigung beitragen.

Für die Komplettlösung mit Tonabnehmer wählte man das Ortofon 2M Bronze (Test 3/10), das subventioniert im Paket statt zum Normalpreis von 330 Euro für 200 Euro extra zu haben ist. Auch hier wurde Feinarbeit geleistet und ein bestehender Hohlraum im Systemkörper mit Silikon ausgefüllt. Dadurch steigt dessen Gewicht - so liegt die Tiefenresonanz im Tonarm Rega ST 301 im optimalen Bereich.

"Ruhig und ausgeglichen" waren die ersten Attribute, die den Testern in den Hördurchgängen für den G 1260 R mit dem Ortofon 2M Bronze einfielen. Hinzu gesellten sich ein druckvoller Bass und warme Klangfarben.

So neigte der T+A nur bei großorchestralen Tutti-Einsätzen mit schmetternden Bläsern zu dezenten Härten im Hochton. Spielten kleinere Besetzungen auf, wie etwa in "The Sounds Are Always Begging" von Bonnie ,Prince' Billy & The Cairo Gang ("The Wonder Show Of The World", Domino Records), verbreitete der G 1260 R eitel Sonnenschein, und man konnte sich zurücklehnen und in der Musik versinken. Dies noch mehr, da typische Störgeräusche der Platte sich nicht bemerkbar machten.

Da hielt selbst das Pro-Ject Xperience Basic+ (Test 3/10), mit dem Ortofon MC 25 E bestückt, nicht ganz mit - trotz einer etwas betonteren Spielweise. Der G 1260 R schmiegte den Hochton nahtloser an seinen stimmigen Mittelton und vermittelte Basstrommeln satter. Da er auch Einzelinstrumente minimal körperhafter zeichnete, war ein Punkt mehr für das T+A-Paket die logische Folge.

Eine nochmals ganz andere Welt erschloss der T+A G 1260 R, als wir den stereoplay Referenzabtaster Lyra Kleos (Test 10/10) montierten: Immer noch behielt er seine besonnene, recht ruhige Art. Dennoch zeigte er nun eine genauere und tiefere Ausleuchtung der einzelnen Aufnahmen und legte mehr Details frei. Marla Glens "The Cost Of Freedom" (von der Manger LP "Wie vom anderen Stern") etwa: Da lotetet der Herforder mit viel Wärme und noch mehr Schwärze im Bass die Stimmgewalt der Frau Glen aus, blieb dabei aber immer angenehm - wie ein Betrachter, der ein, zwei Meter vom Geschehen entfernt steht.

Zugegeben: Der Einbau eines 2800-Euro-Systems in einen 2000-Euro-Plattendreher ist ja nicht wirklich sinnvoll. Zumal der T+A G 1260 R mit dem Ortofon 2M Bronze und der eingebauten Phonostufe ein wirklich schönes Rundum-glücklich-Paket darstellt.

T+A G 1260 R

HerstellerT+A
Preis2000.00 €
Wertung50.0 Punkte
Testverfahren1.0

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