Testbericht

Plattenspieler Thorens TD-160 HD / RB-250

Der Thorens TD-160 kann auf eine unglaublich Ahnenreihe zurückblicken. Doch nicht immer spielten die Ur-Thorense auf dem hohen Niveau wie der aktuelle.

  1. Plattenspieler Thorens TD-160 HD / RB-250
  2. Datenblatt
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© Archiv

In der großen Thorens-Blütezeit, die bis in die 80er Jahre reichte, mussten auch die entfernten, aber gleichnamigen Vorfahren des TD-160 HD mitunter massige Zusatzgewichte auf ihren Tellerachsen dulden. Derartiges Tuning war schon damals umstritten, denn anders als der Avid besaßen die Ur-Thorens ein exakt für ihre Original-Tellermasse berechnetes Schraubenfeder-Subchassis, das ohne zusätzliche Anpassungsmaßnahmen, die aus Bequemlichkeit oft unterblieben, unter der Mehrbelastung einfach in die Knie ging. Die konisch gewickelten Federn hatten aber auch sonst Tücken, mussten sie doch für einwandfreie Funktion penibel justiert werden. Im Werk oder im Handel fand diese Justage offenbar meist nicht statt, mit dem Erfolg, dass die Mehrzahl der vielen verkauften 160er, sowie deren bis in die 90er produzierte Nachkommen a la 166 und 146, "out of the box" drastisch unter Form spielten.

Es ist also verständlich, dass Thorens, statt seine Händler mit Subchassis-Justagekursen zu beglücken, die heiklen Bauteile lieber gleich wegließ. Statt der Federn tragen drei Gummi-Silentblocks das Suchassis des 160 HD. Das ist bei näherer Betrachtung gar nicht so frevelhaft: Erstens hat Thorens selbst bereits in den 70er Jahren Federchassis alternativ mit Gummipuffern ausgestattet - etwa die Profi-Versionen des Klassikers TD-125 - und zweitens funktioniert das neue Subchassis, so steif es sich anfühlen mag, in der Praxis hervorragend. Selbst den klassischen Subchassis-Härtetest, der darin besteht, bei laufendem Spieler tüchtig auf die Zarge zu klopfen (Linns Ivor Tiefenbrun benutzte dazu früher gerne einen Hammer, was AUDIO dann aber doch nicht empfiehlt), besteht der neue Thorens mühelos: Der Klopf-Impuls taucht in den Lautsprechern nur ganz schemenhaft in weiter Ferne auf.

Die sonstigen Zutaten des 160 HD sind ein interessanter Mix bekannter Elemente aus dem großen Thorens-Universum: Die Kombination aus langsam drehendem Synchronmotor, geschliffenem Flachriemen (nach wie vor das Original mit Thorens-Aufdruck) und großem Pulley erinnert an 80er-Jahre-Modelle wie den 320. Der dürfte auch für das integrierte, elektronische Oszillator-Netzteil Pate gestanden haben, das den Gleichlauf des 160 unabhängig von den Schwankungen der Netzfrequenz macht. Der Zargenrahmen mit seinem schwarzen Holzdekor wiederum stammt authentisch aus den späten 90ern und wurde vermutlich ursprünglich für den TD-166 produziert. Auch die dicke, passgenaue, mit "Resonance Damping Compound" (RDC) gefüllte und auf drei Schraubkegeln des selben Materials stehende Bodenplatte war schon mal da - als bis heute auch separat erhältlicher Tuning-Ersatz für die Presspappe-Böden der meisten älteren Thorens-Modelle.

Dass Thorens dem 160 HD durchaus enorme Fähigkeiten zutraut, sieht man an den Tonarm-Optionen: Während der Unterschied zwischen dem getesteten Rega RB-250 und dem für 100 Euro mehr angebotenen RB-300 eher noch symbolisch ausfällt (und viele den 250 ohnehin klanglich vorziehen), kann der 160er auch mit einem SME M2 und sogar einem SME 309 geordert werden, was den Preis dann auf 3700 respektive 4300 Euro treibt. Obwohl der Autor immer skeptisch ist, wenn Arme teurer werden als die Laufwerke, auf denen sie spielen, kann er nach einem Wochenende mit dem TD-160 HD immerhin bestätigen, dass dieses Laufwerk preisbezogen tatsächlich außergewöhnliches Potenzial besitzt.

Apropos preisbezogen: Vergleiche mit den optisch ähnlichen, rückblickend spottbilligen Thorens-Oldies sind aus zwei Gründen sinnlos: Zum Einen wurden die Thorens der goldenen Ära im industriellen Maßstab gefertigt. Wer also Preise wie Ende der Siebziger haben will, als ein 160er inclusive SME-Arm 1000 Mark kostete, sollte nicht nur die Uhr - und damit auch sein Gehalt - um 30 Jahre zurückdrehen, sondern auch 20_000, besser 50_000 Gleichgesinnte zusammentrommeln, die alle dasselbe Modell haben wollen. Zum Anderen sieht der 160 zwar klassisch aus, zeigte im Hörraum jedoch keinerlei klangliche Verwandtschaft mit den Urahnen.

Einzige Klang-Parallele im alten Thorens-Programm ist der Anfang dieses Jahrtausends in kleinen Stückzahlen produzierte Ambiance: Wie dieser setzt der neue 160 auf ein organisch fließendes, samtig warmes Klangbild, und versucht, eher mit distinguierter Eleganz als mit dem Dynamik-Holzhammer zu überzeugen.  Die aufgeweckte Lebendigkeit etwa des Avid bot der Thorens nicht, dafür schien er jedoch mit teuren bis sehr teuren Tonabnehmern noch besser mitzuwachsen. Letzterer Vorteil dürfte allerdings in erster Linie dem Rega-Arm zu verdanken sein, der, zumindest im direkten Vergleich der beiden Testexemplare, die geschmeidigeren, spielärmeren Lager hat als der Jelco.

Thorens TD-160 HD +RB-250

HerstellerThorens
Preis2200.00 €
Wertung100.0 Punkte
Testverfahren1.0

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