Testbericht

Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

Zum 125-Jahre-Jubiläum gönnt Thorens dem Plattenspieler TD 550 (12020 Euro) einen Langtonarm aus schweizerischer Fertigung. Ob diese Kombination gefeiert werden muss, prüfte stereoplay weltexklusiv.

  1. Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125
  2. Datenblatt
Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

© Archiv

Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125
Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

© Julian Bauer

Justage kein Problem: Sowohl die Füße als auch das Subchassis aus Kohlefaser des TD 550 lassen sich bequem von oben verstellen (Pfeile). Das Antiskating ist beim TP 125 berührungslos magnetisch gelöst.

Dass Thorens seinen Ursprung in der Schweiz hat und von 1883 bis 1966 in St.Croix beheimatet war, ist unter Kennern kein Geheimnis. So wird es diese nicht verwundern, dass Thorens-Chef Heinz Rohrer, ebenfalls Schweizer, sich zum 125. Geburtstag der Firma ein reines schweizer Produkt wünschte. Handelseinig wurde er mit Da Vinci, die im Schweizer Jura in Sornetan (nahe Biel) den Tonarm TP 125 herstellt. Eine passende Gegend - im Vallee de Joux ist die schweizerische Feinmechanik- und Uhrenindustrie ansässig.

Diesen Arm bietet Thorens nun in Kombination mit dem TD 550 an, und zwar für "uhrenhafte" 12_020 Euro. Für diesen Preis kann sich der Kunde zwischen einer mittellangen 10-Zoll-Version und einem langen 12-Zöller entscheiden. Da aber der TD 550 als einer der ganz wenigen Subchassis-Plattenspieler überhaupt die Möglichkeit bietet, einen langen Arm zu montieren, entschied sich stereoplay natürlich, diese Variante unter die Lupe zu nehmen.

Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

© Julian Bauer

Erst mal stellte sich die Frage, was den Thorens TD 550 außer den gewachsenen Dimensionen vom TD 350 (Test 7/05) unterscheidet. Die Fertigung ist es nicht, die blieb weiterhin im schwäbischen Malmsheim. Ins Auge sticht jedoch das Subchassis aus Kohlefaser. Es ist zum einen leichter, was bei den Federn weniger Probleme aufwirft, und zum anderen steifer als das MDF-Board des kleineren Bruders. Zudem soll es laut Dr. Roland Gauder, der die Fertigung leitet, auch weniger Resonanzenergie speichern.

Der Teller wird ebenfalls außen von einem Vierkant-Gummiriemen in Rotation versetzt, bekam aber nicht nur eine verchromte Oberfläche, sondern mit 6,3 Kilogramm auch mehr Masse als sein kleiner Bruder, dessen Teller 4,2 kg wiegt.

Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

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Damit der massive Aluminiumteller nicht zur resonierenden Glocke wird, beschichtet ihn Thorens mit Bitumen und bedämpft ihn dadurch effektiv.

Aus diesem Grund hat Gauder das selbstschmierende Lager verstärkt. Den Aufbau behielt er bei - eine Edelstahlachse dreht sich in einer Bronzebüchse auf einem Spiegel aus Tidorfolon -, doch die Mischung dieses Komposit-Materials machte er härter, damit es dem schwereren Teller die nächsten 125 Jahre über standhält.

Auch die Subchassis-Entkopplung erfuhr eine Überarbeitung. Die Konstruktion der mit Schaumstoff bedämpften Blattfedern, die mit Bowdenzügen am Chassis befestigt sind, wurde beibehalten. Doch die Züge setzen sich beim TD 550 aus feineren Drähten zusammen, die zudem stärker verdrillt sind, während die Blattfedern nicht zwei-, sondern dreilagig aus etwas dünnerem Federstahl ausgeführt sind.

Dezente Veränderungen erfuhr auch die Elektronik, die den 24-poligen Synchronmotor mit Bronzelager - der gleiche wie beim TD 350 - antreibt. Sie besitzt noch immer einen Generator, der seine eigene Schwingung herstellt, die stabiler und störungsärmer als die Netzschwingung ist.

Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

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Den TD 550 kann in unterscheidlichen Farben geordert werden.

Darüber hinaus sind die Drehzahl sowie der für einen vibrationsarmen Synchronmotorlauf entscheidende Phasenversatz sehr genau justierbar. Diese Elektronik ist beim TD 550 deutlich leistungsstärker ausgeführt, was nicht nur zu noch stabilerem Lauf führt, sondern auch ein problemloses Hochdrehen des Tellers auf 45 Umdrehungen ermöglicht.

Der Tonarm TP 125 wartet mit einigen mechanischen Leckerbissen auf. So ist das kardanische Lager eine Variante, die sich auch in hochwertigen mechanischen Uhren findet, nur eben deutlich größer. Hierbei wird ein handpolierter Deck- und Lochstein aus Rubin in eine Messingbüchse eingepresst. Bei der Achse selber handelt es sich um einen ebenfalls handpolierten Edelstahlstift, der sich in dem Lochstein dreht und auf dem Deckstein aufliegt.

Plattenspieler Thorens TD 550 + TP 125

© Julian Bauer

Durch eine Gewindeschraube (Pfeil) lässt sich der VTA feinfühlig einstellen. Nach der Justage sollte man aber die Schraube wieder entfernen, da es dann besser klingt.

So war die Spannung bei den Testern groß, wie der Thorens nach der (problemlosen) Justage und Aufstellungs-Feinabstimmung sich im Hörraum schlagen würde. Und schon nach den ersten Takten war klar: Hier spielt ein klanglich Großer. So erschienen Tutti-Einsätze wie etwa bei dem von Solti dirigierten "Tannhäuser" (Decca) dermaßen souverän, dass der mit dem Tonarm Linn Ekos bestückte und seit Jahren zuverlässig Dienst leistende Favorit der Redaktion, der Nouvelle Platine Verdier (8/01), zum Vergleich herangezogen wurde. Und selbst hier gab der TD 550 mit TP 125 nicht klein bei. Zwar konnte er nicht ganz das fulminante Fundament der Nouvelle/Ekos- Kombination  bauen und ließ in ganz leisen Passagen minimal Spannung vermissen, doch glich er dies mit einem größer dargestellten und auch mit dezent mehr Klangfarben versehenen Orchester aus.

Als weiteren Pluspunkt verbuchte der TD 550 eine über die ganze Platte stabile räumliche Wiedergabe (die bei kürzeren Armen je nach Position des Abtasters leicht unterschiedlich ausfällt). Das Patt war somit besiegelt, und der TD 550 zieht mit dem TP 125 in die Absolute Spitzenklasse ein. Aus stereoplay-Sicht spricht also absolut nichts dagegen, dass sich das Thorens-Jubiläum in die Länge zieht.

Thorens TD 550 + TP 125 12"

HerstellerThorens
Preis12020.00 €
Wertung57.0 Punkte
Testverfahren1.0

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