Testbericht

Plattenspieler Thorens TD 700

Die Plattenspielerfamilie von Thorens erhält einen interessanten Zuwachs. Macht das 1000-Euro-Laufwerk TD 700 mit seinem neu konstruierten Arm am Ende der teureren 8er-Serie Konkurrenz?

  1. Plattenspieler Thorens TD 700
  2. Datenblatt
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© Archiv

Neugierig macht an dem Spieler vor allem eines: sein neu konstruierter Tonarm.

Noch weitere technische Aspekte unterscheiden den TD 700 von seinen Verwandten - ein anderes Laufwerk zum Beispiel. Die Stromversorgung für den Synchronmotor samt elektronischer Drehzahlumschaltung ist hier fest eingebaut, der klassische Thorens-Flachriemen treibt den Innenteller und ist somit besser vor Staub geschützt als das außen laufende Gummi am 810. Im AUDIO-Messlabor lieferte der Antrieb schon mal tadellose Ergebnisse. Besonders der Gleichlauf erweist sich als äußerst konstant: Wenn hier noch etwas eiert, dann ist der Schuldige eher ein schlampiges Presswerk - schon ein Millimeter Exzentrizität der LP hat 20-fach größere Tonhöhen-Schwankungen zur Folge.Äußerlich macht der Thorens ebenfalls was her. Die schwere Grundplatte besteht aus mitteldichter Faser und wird wahlweise in schwarzer, dunkelblauer oder roter Lackierung geliefert. Schlicht und edel wirkt auch der 2,4 Kilogramm schwere Plattenteller aus durchsichtigem Acryl, der von einer dünnen Filzmatte bedeckt ist. 

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© Foto:H.Härle

Pulley und Flachriemen sind präzise geschliffen.

Keine Überraschungen

Der mattschwarze Tonarm TP 42 wird momentan ausschließlich auf dem 700er montiert. Er macht einen solideren Eindruck als die filigranen Vorgänger TP 40 (der seinerzeit das Einsteigerlaufwerk TD 290 zierte) und TP 41. Ein großes horizontales Kugellager trägt nun das massive Joch mit den Spitzenlagern aus Stahl und Saphir für die Vertikal-Bewegung des Arms.Keine Überraschung stellt hingegen der standardmäßig montierte Tonabnehmer dar. Der Audio Technica AT 95 E ist ein bewährtes und zuverlässiges Arbeitspferd. So ausgestattet und gut zehn Kilogramm schwer, landet der TD 700 fertig eingestellt und justiert beim Käufer. Der kann sich ausschweifende Einstellorgien sparen, denn die Werksjustage stimmt, und das AT 95 ist da auch nicht übertrieben wählerisch. Die einfache Bedienung verlangt keine Erklärungen, denn sie reduziert sich auf ein Minimum. Dennoch legt Thorens eine schöne, altmodisch bebilderte Anleitung bei, die lediglich die Höhenverstellung des Arms verschweigt. 

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© Foto: H.Härle

Der Tonarm TP 42 wirkt solider als seine Vorfahren. Horizontallager und Gegengewicht haben jedoch zu viel Spiel.

Hörtest

Im Hörraum bestätigte sich schnell das saubere Messergebnis aus der TESTfactory. Der Thorens klang kräftig, charmant und sehr stabil. Stücke wie Justine Electras "Fancy Robots" oder "My Best Friend" (vom Album "Soft Rock") präsentierte er natürlich und ausdrucksstark. Die vokallastigen Arrangements mit eingemischten Samples gab der TD 700 angenehm und zugleich prägnant wieder.

Dazu kam eine leichte Tendenz in Richtung Basslastigkeit. Folk a la "Farewell Sorrow" von Alasdair Roberts (Drag City) peppte der Thorens dafür mit fetterem Fundament auf. Auch Howe Gelbs Stimme auf "'sno Angel Like You" (Thrill Jockey) brummelte noch etwas mächtiger, umgeben von einer überzeugend authentischen Wohnzimmerakustik.

Kein Spieler für Experimente

Der Thorens ist kein Spieler für experimentierfreudige Tüftler. Antiskating, Auflagegewicht und Tonarmhöhe lassen sich zwar bequem und präzise einstellen, doch in der Praxis gibt es bei den zwei letztgenannten Parametern Einschränkungen. So ist der Verstellbereich für die Armhöhe falsch gewählt: Der Arm kommt für flach bauende Tonabnehmer hinten nicht weit genug herunter, der vertikale Abtastwinkel lässt sich damit nicht immer optimal justieren.An Grenzen, genauer gesagt den Lagerblock, stößt man auch mit dem Gegengewicht, und zwar bei Abtastern mit einem geringen Eigen-, aber hohen Auflagegewicht (etwa dem Benz MC 20 E2).

Meiden sollten Sie überdies Systeme mit großem Abstand zwischen Befestigungsschrauben und Nadelspitze, die sonst unter Umständen nicht mit korrektem Überhang montierbar sind - die Langlöcher im Headshell sind recht kurz geraten.Wer anspruchsvolle Nadeln ausreizen will, findet mit dem etwas teureren Thorens TD 810 oder dem Rega P5 die flexibleren Partner, deren Arme zudem mechanisch steifer und spielfreier sind. Exotischen Edelsystemen kann der TD 700 zwar nicht viel abgewinnen, er dürfte mit seinem gemütlichen, unkomplizierten Klang aber auch ein gutes Mittel gegen die Upgrade-Hektik sein, die Analogfans manchmal befällt. Andererseits gibt's auch den TD 810 mit vormontiertem AT 95: genauso wenig Stress, mehr Potenzial. Wenn's geht, geben Sie die 300 Euro mehr aus.

Fazit

Der Thorens TD 700 wird als hochwertiges Plug&Play-Gerät jahrelang Freude bereiten. Engagierten High-End-Tüftlern hingegen offenbart er schnell seine Grenzen. Also testen Sie sich gründlich: Haben Sie immer einen 2er-Inbus im Geldbeutel? Können Sie die Farbkodierung der Tonabnehmer-Anschlusspins auswendig? Und wenn Ihr Kollege erzählt, er fahre einen Benz, fragen Sie ihn dann, mit welchem Auflagedruck und in welchem Arm? Dann vergessen Sie den 700er und gehen Sie eine Klasse höher.

Thorens TD-700

HerstellerThorens
Preis1000.00 €
Wertung85.0 Punkte
Testverfahren1.0

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