Testbericht

Plattenspieler Transrotor Enya 12

Mit einem 12-Zoll-Arm lockt der Transrotor Enya. 8440 Euro kostet die höchste Ausbaustufe.

  1. Plattenspieler Transrotor Enya 12
  2. Datenblatt
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© Archiv

Ausgerechnet im ach so fortschrittlichen Amsterdam ist es geschehen. Ein Transrotor-Fan trat auf den Firmenchef zu und beschwerte sich sanft: Herr Räke, Sie bauen so wundervoll mutige Plattenspieler - aber hätten Sie nicht mal einen ganz sachlichen, geradlinigen, spartanischen Vinyl-Rotator für mich? Der Frager aus Amsterdam sehnte sich nach einem Laufwerk der gehobenen Preisklasse. Und heraus kam der Enya.

Zwei Lagen eines Acryl-Karbon-Mixes umspielen eine massive Alu-Schicht. O-Ton Jochen Räke: "Das kostet genauso viel wie drei einzelne Chassis." Transrotor brachte die höchste denkbare Ausbaustufe in den Redaktions-Hörraum - für 8440 Euro. Inklusive Magnet-entkoppeltem TMD-Lager und vor allem: einem singulären SME-Tonarm in 12 Zoll. Der Längenunterschied macht überraschend viel aus. Ein 12-Zoll-Tonarm unterliegt einem deutlich kleineren Spurfehlwinkel als ein 9-Zöller. Dafür gibt sich der Große mitunter kapriziös: Nicht jeder Tonabnehmer passt zum Resonanzverhalten eines 12-Zoll-Arms. Also bestellte Transrotor ein eigenes MC-System für den SME. Das Merlo Reference (um 1000 Euro) lebt laut Räke von einem magischen Nadelschliff. Zulieferer Goldring und Transrotor vergaben hierfür den Untertitel "Harmony".

Das Basismodell SME 5 wird gekappt, aufgebohrt, mit einer Magnesium-Hülle verlängert, vermessen, mit neuer Headshell versehen und verkabelt: ein feinmechanischer Parforceritt, der in der Gesamtrechnung des Enya allein mit 2400 Euro zu Buche schlägt. Zum Vergleich: Für das Basislaufwerk kalkuliert Transrotor 3000 Euro.

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© Foto: H.Härle

Die Achse aus gehärtetem Stahl (mit Keramik-Kugel on top) versorgt eine Förderschnecke mit umlaufendem Öl.

Must have

Die einfache Frage: Was wirkt, was ist verzichtbar? AUDIO benötigte keine langen Hörsitzungen, um die "Must-haves" auszumachen. Das Netzteil Konstant M1 (680 Euro) ist Pflicht, ebenso das Magnet-entkoppelte TMD-Lager (Aufpreis: 380 Euro). 1000 Euro verlangt Transrotor für einen "Rotor Ring", der über den Rand einer LP gelegt wird und die Scheiben mit drei Kilo auf die Karbon-Acryl-Matte drückt. Da war Lauschen und Vergleichen angesagt, schließlich wurden die AUDIO-Vinyl-Experten Bernhard Rietschel und Lothar Brandt hinzugezogen. Fazit: Der "Rotor Ring" mag aus der Form geratene LPs zur Planheit zwingen, aber er gehörte auf dem Testmodell des Enya nicht zu den Must-haves.

Abspecken

Wir specken also auf 7440 Euro ab und sind fasziniert: Jochen Räke hat genau jenen zeitlosen Edel-Plattenspieler entworfen, den sein Fan in Amsterdam forderte. Die Noblesse der äußeren Erscheinung passt perfekt zum audiophilen Auftritt. AUDIO hat den Enya mit einem Platzhirsch im Transrotor-Katalog verglichen: Der ZET 1 ist Vertreter des "Dionysischen", der Enya der Gegenspieler im "Apollinischen". Weniger poetisch formuliert: Überall dort, wo der ZET 1 mit Drive und Druck auf die Magengrube zielte, forderte der Enya mit Auflösung und Analyse den Intellekt. Vor allem komplexe Informationen in den Mitten lösten sich leichter von den Membranen. Ein großes Sinfonieorchester spielte vor deutlich "schwärzerem" Hintergrund auf - die Rauminformationen wirkten stabiler, der Bass-Keller beherrschter. Was der ZET 1 besser konnte: Der Sweet-Spot, die Präsenz zwischen den Boxen war konturenstärker. Der Enya tendierte bei Mono-Aufnahmen zum Soften. Die weichen Momente im Leben eines Spartaners.

Fazit:

Ein Gentleman bittet zur Kasse: 7440 Euro sind viel Geld für einen Plattenspieler. Aber eher wenig für einen Lebensbegleiter mit erstaunlich großer harmonischer Geschlossenheit. Der Enya 12 ist cleveres Understatement.

Transrotor Enya 12

HerstellerTransrotor
Preis8440.00 €
Wertung105.0 Punkte
Testverfahren1.0

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