Testbericht

Primare SPA-22

Der neue AV-Receiver von Primare ist unter den HD-tauglichen Receivern ein besonders puristisches Unikum: Die Bitstreams der neuen Luxus-Tonformate Dolby TrueHD und DTS-HD Master kann der SPA-22 nämlich nicht aus eigener Kraft decodieren.

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© Archiv

Das Signal muss zunächst vom Player aus dem gepackten, verschlüsselten Zustand in simplen, mehrkanaligen PCM-Ton umgerechnet werden, den der SPA-22 dann via HDMI akzeptiert. Dabei geht rein mathematisch betrachtet nichts verloren, man muss jedoch bei der Auswahl des Players darauf achten, dass dieser nicht mogelt: die meisten aktuellen Spieler greifen sich stillschweigend nur den im Master-Signal enthaltenen Standard-DTS-Kern und rechnen diesen in PCM um. Der SPA-22 würde auch dann - formal korrekt - "PCM Multichannel" anzeigen, aber nur einen kleinen, datenreduzierten Teil der Bit-Pracht wiedergeben.

Über ausreichend Rechenleistung für eine korrekte, vollständige DTS-Umrechnung verfügt beispielsweise der Denon DVD-3800 BD (AUDIO 12/08). Nebenbei ist dieser Spieler dank hochwertigem 7.1-Kanal-Ausgang auch ein Tipp für Besitzer des alten SPA-21, die ihrem Amp über das analoge Hintertürchen doch noch Zutritt zum Blu-ray-Club gewähren wollen.

Auch wenn der SPA-22 seinem Vorgänger optisch nahezu aufs Haar gleicht, befindet sich hinter der bildschönen, perfekt verarbeiteten Front ein völlig neues technisches Innenleben. Klar, der Prozessor-Part musste schon wegen der HDMI-Erweiterung erneuert werden, aber auch der dicke Trafo und die mächtige Fünfkanal-Endstufe sind neuen, hochmodernen Nachfolgern gewichen: Die Stromaufbereitung übernimmt nun ein Schaltnetzteil, die fünfkanalige Leistungserzeugung dessen enger Verwandter, ein Schaltverstärker. Beide Baugruppen sitzen auf einer großen, gemeinsamen Platine, die Primare mit Unterstützung eines skandinavischen Spezialisten entwickelt hat.

Über die Ausstattung des Primare gibt es nicht viel zu sagen, da sie sich aufs absolute Minimum beschränkt. Immerhin hat der neue Schwede jetzt das bisher fehlende Audio Delay sowie ein Endstufen-Management, das es erlaubt, den für Siebenkanalbetrieb nötigen Zusatz-Amp je nach dessen Qualität für die Front- oder die Surround-Back-Kanäle zu nutzen.

Der Primare zeichnete die Umgebung der Sängerin nicht ganz so deutlich und atmosphärisch zwingend nach wie die Konkurrenz. Der zur Standortbestimmung hinzugezogene Yamaha DSP-Z 11 (AUDIO 6/08, 5500 Euro) erwies sich nicht als zu hoch gegriffen: Während der Primare an dem extrem natürlichen Stereoklang dieses Ausnahmeverstärkers scheiterte, zog der Arcam mühelos gleich. Wobei der Yamaha im direkten Vergleich entspannter, runder und im Tiefbass fülliger klang, den Musikern aber auch eine merklich engere Bühne bot und das Tempo etwas einbremste. Ein klassischer Fall von Geschmackssache also.

Der Surround-Hörtest begann mit Dolby Digital und DTS, also datenreduzierten Mehrkanalformaten. Hier gab es keinen Platz für geschmäcklerische Abwägungen: Der Yamaha distanzierte beide Neulinge relativ eindeutig, indem er die bessere Mischung aus natürlicher Wärme und Detailreichtum bot. Der Primare spielte zwar enorm satt, saftig und bei Bedarf auch lauter als der Z11, schien jedoch die komplexeren Stellen, wenn sich etwa Filmmusik und feine Atmosphäre-Effekte überlagerten, etwas zu sehr zu vereinfachen. Der Arcam bot dagegen bei überschaubaren Pegeln eine erstaunliche Feinzeichnung, behielt diese aber nicht so konstant über den gesamten Dynamikbereich bei wie der Yamaha.

Ähnliche Eigenschaften zeigten die Receiver mit den neuen HD-Formaten, der eigentlichen Königsdisziplin: Im Stimmbereich sehr körperhaft, im Oberton zart verrundet, mit ganz leichtem Goldschimmer etwa auf sonst eher silbriger Percussion, verriet der Primare ein sehr gelungenes, auf HD optimiertes Soundtuning.

Primare SPA-21

HerstellerPrimare
Preis3150.00 €

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