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Pro-Ject The Classic im Test

Der The Classic von Pro-Ject sieht zwar aus wie ein Klassiker, ist aber dennoch neu. Wie schlägt sich der Plattenspieler im Test?

Pro-Ject The Classic

© WEKA Media Publishing GmbH

Pro-Ject The Classic

Pro

  • klassischer Look mit guten Detaillösungen
  • im besten Sinne unspektakulärer Klang

Contra

  • umständliche Geschwindigkeitsumschaltung
  • etwas fummelig anzuschließen

Fazit

AUDIO Klangurteil: 90 Punkte, Preis/Leistung: überragend
Gut

Der Autor konnte es sich nicht verkneifen. Wenn ein Plattenspieler schon „The Classic“ heißt, dann muss er auch mit einer klassischen Musik-LP fotografiert werden. Aber keine uralte Interpretation, sondern eine neue. Und so kam die wunderbar klingende Einspielung von Beethovens Neunter Sinfonie unter Wojciech Rajski auf den Teller. 

Die hat Tonmeister Andreas Spreer, jedem AUDIO-Leser bestens bekannt auch als guter Geist des AUDIO-CD-Hörkurses, mit der polnischen Kammerphilharmonie 2015 für sein Label Tacet aufgenommen und 2016 auch auf Vinyl pressen lassen. Warum eine neue Interpretation? Weil auch Pro-Ject so einiges Bekanntes aus dem klassischen Plattenspieler-Bau neu interpretiert. Der mit ziemlich genau 1000 Euro komplett mit Pickup auch klassisch eingepreiste Classic erinnert äußerlich an Altvordere von Thorens und Linn, was auch bei nichtsenilen Analogfans auf den ersten Blick schon lüsterne Begehrlichkeiten weckt.

Pro-Ject The Classic Tonabnehmer

© Pro-Ject

Den Tonabnehmer fertigt Ortofon exklusiv für Pro-Ject mit Silberdraht für die Spulen. Deshalb heißt er trotz schwarzem Gehäuse nicht 2M Black, sondern 2M Silver.

Subchassis? Ja, irgendwie 

Die guten Stücke zeichnen sich allerdings durch ein federndes Subchassis aus, während Pro-Ject-Chef Heinz Lichtenegger sich für die Old-Wabble-Konstruktion noch nie begeistern konnte. Und zwar von Anfang an nicht. 

Apropos Anfang: Der lag 2015 genau 25 Jahre zurück. The Classic ist praktisch ein Kind des Jubiläums. Doch in dem Vierteljahrhundert vor ihm baute Pro-Ject meist bretthart angekoppelte, leichte Brettspieler. Zum Teil quietschbunt, zum Teil in futuristischen Stylings, zum Teil beides. Masse kam bei der immer größeren Produktmenge erst mit der Classic Line (sic) und der Signature Line hinzu. Aber Subchassis?

Wie gut, dass die Kunststoffindustrie etwas so Taugliches wie „Thermoplastic Elastomer“ anbietet. TPE sind gummiähnliche Materialien, die sich in ihrer Resonanzdämpfung fein abstimmen und noch dazu leicht zu Kugeln formen lassen. Genau sechs dieser Kugeln trennen die klassisch zargengefasste Laufwerksbasis aus mitteldichter Holzfaser von dem Chassis für Tellerlager und Tonarmbasis. Dieses Chassis besteht ebenfalls aus MDF, ist aber mit einer Aluminium-Oberfläche armiert. Also irgendwie doch Sub, aber eben ohne Federn.

Pro-Ject The Classic Tonarm

© Pro-Ject

Der 9-Zoll-Tonarm des Classic zählt zu den mittelschweren Vertretern.

Freudig erkennt man den unversteckten Start/Stop-Schalter links, sucht allerdings vergebens nach dem Geschwindigkeits- Umschalter. Etwas ernüchtert stellt man fest, dass es dazu den recht schweren Aluminium-Plattenteller abzuheben und den Flachriemen auf den jeweils anderen Durchmesser des Motorpulleys zu legen gilt. Umständlich, aber wozu hält Pro-Ject schließlich seine „Speed Box“ in der Hinterhand?

Arm dran? Glücklicherweise  

Im Preis drin ist der Radialtonarm. Der sieht über seine 9 Zoll Länge wie ein klassischer Carbon-Tonarm aus dem Baukasten der österreichisch-tschechischen Pro-Ject-Familie aus. Doch er ist eine Neukonstruktion, die auch für sich einen ausgezeichneten Eindruck macht: Die ultraleichte und verwindungssteife Kohlefaser ummantelt hier ein Aluminiumrohr, sodass dem Sandwich wohl alle Resonanz-Ambitionen abhanden kommen. 

Spannend ist das Lager, das Spitzen- und Kugellagerung in seinen Kardanen kombiniert. Das Gegengewicht schmiegt sich nicht direkt ans Rohr, sondern eine Schicht des Elastomer sorgt auch hier für entkoppelnde Abtrennung.

Pro-Ject The Classic Tonarm Schnittbild

© Pro-Ject

Die Schnittzeichnung zeigt den Tonarm als Aluminium-Rohr im resonanzdämpfenden Carbonmantel. Das Gegengewicht wird mit Elastomer bedämpft.

Das Spezialgummi quetscht sich auch in eine Nut am Außenrand des Tellers. Das zum hellen Mitklingeln neigende Metall wird so gemeinsam mit der Filzauflage ruhiggestellt. Zusätzlich hilft die Schwungmasse im Randbereich dem elektronisch geregelten Gleichstrommotor, den Teller ruhig auf exakter Drehzahl zu halten.

In der Ruhe lag auch ein Teil der Kraft des Classic. Die eingangs erwähnte Beethoven-Einspielung, deren Schlusssatz übrigens – superbe Idee bei zum Ende sehr lauten Stücken – von innen nach außen läuft, führte er ruhig und gelassen zum grandiosen Ende. Das Klangbild wirkte aufgeräumt, mit fein dosiertem Raumhall und dezenten, aber differenzierten Farben. 

Im Marschteil des Finales war gut zwischen dem isoryhtmisch geführten Fagott und Große Trommel zu unterscheiden. Das montierte, exklusiv gefertigte Ortofon 2M Silver verhalf dem Spieler auch zu einer ansprechenden Dynamik. Die auch dann richtig knackig rüberkam, als auch mal Disco-Maxi-Singles mit 45 Umdrehungen als Beethoven-Kontrast rotierten.

Pro-Ject The Classic Teller

© Pro-Ject

Der Metallteller lässt am Rand eine Nut, die mit dämpfendem Elastomer gefüllt ist.

An seine Grenzen stieß der Classic im Tiefbass, wo zugegeben teurere Laufwerk-Tonarm-Pickup-Kombis doch noch mehr Substanz unterstellten. Und auch die Links-Rechts- sowie Vorne-Hinten-Ordnung bei großorchestralen Werken können andere Plattenspieler-Klassiker besser, hochdynamische Kracher hat man auch schon quirliger vernommen. 

Aber hier geht es dem Classic wie vielen noch bezahlbaren Plattenspielern. Angesichts seines Preises, der zudem noch ein manierliches Anschlusskabel inkludiert, macht der Pro-Ject mächtig Lust zu hören. Nicht nur klassische Musik.​

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Fazit

​Heißt klassisch, sieht klassisch aus, klingt klassisch? Ganz so einfach ist es nicht. In den klassischen Dreiklang mischt sich eine ganze Menge moderne Technik, die den Pro-Ject The Classic zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber in seiner Preisklasse macht. Von wegen Retro-Bonus: Charmant und wohltuend unaufgeregt kommt er optisch wie akustisch daher. Das nenne ich zeitlos. Zeitlos gute Neo-Klassik.​

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