Testbericht

Rotel RSX-1560

Bei den neuen AV-Receivern von Rotel wird man sich sicher schnell einig: Beide sind eine wahre HiFi-Sensation.

  1. Rotel RSX-1560
  2. Datenblatt
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© Archiv

Neben Tradition findet aber auch neueste Technik Platz in den silbernen Gehäusen. Da prangen jeweils vier kleine HDMI-Schnittstellen auf den Rückseiten der Receiver, nebst einem Ausgang. Natürlich entsprechen jene dem aktuellen und für die Blu-ray Disc unentbehrlichen Standard HDMI 1.3a. So gelangen auch Datenströme aus dem Blu-ray-Player ungefährdet zum Receiver und werden dort unter Mithilfe der passenden Dekoder in hörbare HD-Klangwelten verwandelt, egal ob Dolby True HD oder DTS HD-Master Audio.

Beim Digital-Bild verlassen sich die Receiver dagegen vollkommen auf die Künste des zuliefernden Players und schleusen die Daten ohne weitere Bearbeitung weiter. Puristen sind für die Umgehung jeder möglichen Störquelle dankbar. Für analoge Videosignale steht aber wieder ein Faroudja-Chip zu Stelle, der die per YUV, S-Video oder Composite eintreffenden Bilder gekonnt und fehlerfrei für die HDMI-Ausgabe aufbereitet; wahlweise in maximaler Auflösung von 1920 Pixeln mal 1080 Zeilen in Vollbildern. Übertreibungen indes gehören nicht zu den Attributen eines Gentleman aus dem Hause Rotel. Modeerscheinungen wie vollautomatische Einmess-Optionen oder Andock-Stellen für MP3-Player jeglicher Couleur sucht man bei den 15er-Receivern vergebens. Die Tonkorrektur-Möglichkeiten einzelner Boxen beschränken sich auf Laufzeit, Pegel sowie Klangregelung für Höhen und Bässe.

Mit vier DSP-Modi, etlichen virtuellen Surround-Programmen und Dekodierungsoptionen für diverse Dolby Digital- und DTS-Erweiterungen sind die Ansprüche der Klang-Cineasten meistens zur Genüge erfüllt. Zumal sich jeder Eingang individuell von der Videosignalart bis zur favorisierten Surround-Variante konfigurieren lässt.

Der scharfsinnige Leser wird aber mittlerweile argwöhnisch die Preisangaben beider Receiver betrachtet haben und sich milde über die 600 Euro Differenz wundern. Kommen wir also zu den Unterschieden der beiden Verstärker.

Der teurere RSX-1560 dagegen führt alle nötigen sieben Treiber an Bord. Die Schaltendstufen aus dem dänischen Bang&Olufsen-Labor ruhen quasi im eigenen Kühl-Abteil, tief unter den Platinen, standesgemäß versorgt von einem Agglomerat an Schaltnetzteilen. Die Vorstufen-Sektion dagegen bedient sich ganz traditionell aus einem Ringkern-Trafo.Mit seinen beiden zusätzlichen Verstärkern kann der RSX-1560 wahlweise die Surround-Back-Kanäle, den Center-Back, einen Nebenraum oder gar die Front-Boxen per Bi-Amping antreiben, also Mittel-Hochton- und Bass-Terminal der Box getrennt mit Leistung versorgen. Das gelingt aber nur mit einem kleinen Trick: Sobald die Funktion "Signalumlenkung" im Menü aktiviert ist, muss man das System auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Dann erst speichert der 1560 den Befehl.

Auch der große Rotel bietet Pre-Outs für externe Leistungsverstärker an. Die Stereo-Arbeit könnte also auch bei ihm eine vollwertige Zweikanal-Endstufe übernehmen; für Dolby- und DTS-Signale aber stehen dann wieder die eigenen Treiber zur Verfügung. Passend dazu lassen sich die angeschlossenen Lautsprecher und die Cross-Over-Frequenzen des Subwoofers je nach Signalart bestens anpassen.

Sieben Kanäle oder fünf, analog oder digital? So ähnlich sich die beiden Rotel-Geschwister äußerlich sind, so offenbaren sie doch gewaltige klangphilosophische Unterschiede. Für HiFi-Tester natürlich der ideale Vorwand für stundenlange Hörsessions. Nach der obligatorischen Einspielzeit, die man besonders den Schaltendstufen gönnen sollte, ging es dann auch gleich in die Vollen.

HD-Ton, dargereicht über HDMI, mit Auflösungen bis zu 96 Kilohertz und 24 Bit - natürlich für jeden einzelnen der sechs Kanäle. Der kleine RSX-1550 spielte bereits so beherzt auf, dass die Tester gleich zum schweren Kaliber und bisherigen Champion der neuen Tonformate, dem Denon AVR-4308, greifen mussten (AUDIO 2/08, 2500 Euro). Der Rotel offenbarte seine Tonkunst in einem Fluss aus satten, rollenden Bässen und schimmernden Obertönen. Bei aus allen Rohren feuernden Klangkaskaden wusste der Denon mit seiner Kraft und seiner Kontrolle zu beeindrucken; der RSX-1550 zeigte aber bei feiner Klassik und Jazz eine elegante, spritzige und fast natürlicher wirkende Performance.

Und der RSX-1560? Er stieg gleich mit einem bombastischen Feuerwerk in das Geschehen ein, offenbarte eine Dynamik, die Gänsehaut bescherte. Nicht nur beim Anime-Klassiker "Ghost in a Shell", dessen charismatischer Kinderchor, begleitet von japanischem Trommeldonner, wie eine Atlantik-Brandung über die Tester rollte. Auch bei den feineren Tönen eines Symphonieorchesters, wenn Violinen erst energisch, dann fast liebevoll vom Bogen gestreichelt wurden, trumpfte der RSX-1560. Kaum ein anderer Verstärker setzte Nuancen in der Lautstärke so gekonnt in den Mittelpunkt, ohne den sie umgebenden Klangraum zu vergessen.

Ein ähnliches Hörerlebnis bot sich auch mit Dolby Digital, dem datenreduzierten, fast schon antiquiert wirkenden Format der DVD. Die Charaktere der Receiver blieben erhalten; der RSX-1550 gab sich natürlich, mit schöner Stimmwiedergabe. Der RSX-1560 machte selbst kleinste Variationen der Lautstärke hörbar, egal ob leiser Anschlag eines Pianos oder grollender Paukenschlag.

Dies übrigens auch in Pegelbereichen, die anderen Receivern bereits die Schamesröte in die Transistoren getrieben hätte. Der Denon mochte den kleineren Rotel noch mit seiner musikalisch-geschmeidigeren Ausrichtung in Schach halten; beim RSX-1560 aber musste auch er angesichts der absoluten Klangkontrolle die Waffen strecken.

Der letzte Durchgang galt schließlich dem analogen Stereo-Ton. Der kleine Rotel zeigte sich wieder feinsinnig, aber im Vergleich ein wenig gemütlicher und softer als der Denon. Dieser konnte mit seiner Bi-Amping-Fähigkeit den Boxen mehr Leben einhauchen. Sein größter Gegner, der RSX-1560, beherrscht diese Kunst aber auch - und zeigte sie. Leicht wärmer gefärbt als der Denon, blieb er dynamisch bis zuletzt.

Rotel RSX 1560

HerstellerRotel
Preis2500.00 €
Wertung102.0 Punkte
Testverfahren1.0

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