Testbericht

Samsung Galaxy S I9000 im Test

Samsungs neues Flaggschiff, das Galaxy S I9000, hat ein klasse Display, lässt sich intuitiv bedienen und spielt sich mit guten Laborwerten in die erste Smartphone-Liga.

  1. Samsung Galaxy S I9000 im Test
  2. Datenblatt
  3. Wertung
Samsung Galaxy S I9000

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Samsung Galaxy S I9000

Mit dem Samsung Galaxy S I9000 legen die Südkoreaner ihr drittes Smartphone in die Regale, das auf Googles Betriebssystem Android basiert. Auf das erste Galaxy vor knapp einem Jahr folgte Anfang 2010 das Galaxy Spica - beides 3,2-Zoll-Modelle mit der veralteten Cupcake-Version 1.5 und mit einem anständigen, aber kaum aufsehenerregenden Testergebnis fürs hintere Mittelfeld der Bestenliste. Mit dem Galaxy S schickt sich Samsung nun an, in die vorderen Regionen vorzustoßen. Ist der Newcomer also ein echter Volltreffer?

Wie ein Blick aus dem Fenster

Samsung hat jedenfalls nichts dem Zufall überlassen und schickt seinen neuen Star mit einem wirklich galaktischen, satte 4 Zoll großen Bildschirm und der nicht ganz, aber fast aktuellen Android-Version 2.1 ins Rennen. Im Blickpunkt steht im Wortsinn der riesige Screen mit seinen organischen, sprich selbstleuchtenden LEDs. Die innovative Technologie, die Samsung Super AMOLED getauft hat, bringt drei entscheidende Vorteile: flachere Bauform, brillantere Farben und geringerer Stromverbrauch. Letzteres können wir auch messtechnisch bestätigen: Im typischen Nutzungsmix aus Telefonieren, Mailen, Surfen und gelegentlichen Spielchen liefert der 1556 mAh große Akku bei einer konstanten Displayhelligkeit von 30 cd/m² für gute 6,5 Stunden Strom - das ist für Smartphones eine ganz ordentliche Hausnummer.

Samsung Galaxy S I9000

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Bilder und Videos stellt das große Display übersichtlich und in brillianter Qualität dar.

Zum echten Hingucker wird das Display beim Betrachten von Bildern und (HD-)Videos: Hier spielt es seine Stärken voll aus, die Farben werden schön satt und hell dargestellt, der Kontrast ist vorbildlich. Auch Schriften zeichnet die Anzeige ausgesprochen scharf und filigran, weshalb sie sich besonders fürs mobile Internet empfehlen kann. Auf dem zigarettenschachtelgroßen Bildschirm werden Inhalte mit 480 x 800 Pixeln aufgelöst, sind daher übersichtlich verteilt und dank Multitouchsteuerung bequem zu handeln. Darüber hinaus kann der Webbrowser auch Flash-Inhalte wiedergeben, Popups blocken und mehrere offene Fenster gleichzeitig verwalten - alles ohne nervige Verzögerungen oder Hänger.

Frisierter Androide

Dazu trägt sicherlich auch der mit 1 GHz taktende Prozessor bei, der sehr gut auf das Betriebssystem abgestimmt ist und ein sehr geschmeidiges Arbeiten ermöglicht. Dass Samsung auf Android setzt, springt einem im ersten Moment nicht unbedingt ins Auge, da die Südkoreaner noch ihre hauseigene und durchaus gelungene Benutzeroberfläche TouchWiz 3.0 über die Google-Oberfläche gestülpt haben. Der Homescreen erstreckt sich Android-typisch auf mehrere - in unserem Fall sieben - Bildschirme, die per Fingerwisch durchgeschoben und beliebig mit Widgets, Shortscuts oder Favoritenkontakten und Lesezeichen befüllt werden können.

Samsung Galaxy S I9000

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Beim Homescreen verlieren sich bei einem detailreichen Hintergrund die Shortcuts.

Das Hintergrundbild lässt sich frei wählen und wird beim Durchschieben der einzelnen Startansichten vollständig sichtbar. Bei der Wahl des Backgrounds sollte man es aber nicht zu bunt treiben: Packt man mehrere Shortcuts und Widgets auf den Homescreen, sind die Symbole auf einem zu unruhigen Hintergrundbild schlecht zu erkennen.

Dennoch gefallen die Individualisierungsmöglichkeiten allemal: Bei Social Networkern beliebt und sehr praktisch sind beispielsweise die Facebook- und Twitter-Widgets, mit denen der Nutzer stets die aktuellsten Meldungen seiner Freunde auf dem Startbildschirm lesen kann, ohne extra die entsprechende Anwendung starten zu müssen.

Echten Mehrwert bietet das Programm namens "Daily Briefing", das anstehende Termine, das aktuelle Wetter oder auch den momentanen Aktienkurs anzeigt, ebenso wie die von Samsung nachgerüstete Tethering-Funktion, dank der das Samsung Galaxy S I9000 auch als WLAN-Hotspot fungieren und beispielsweise das Notebook ins Internet bringen kann.

Breites Softwareangebot

Über den Softkey "Menü" in der fixen, ebenfalls frei belegbaren Leiste im unteren Bildschirmbereich erreicht man unabhängig von der aktuellen Startansicht stets das Hauptmenü. Dort sind die vorinstallierten Programme und Einstellungsoptionen übersichtlich mit selbsterklärenden Icons und passender Beschreibung wahlweise in Raster- oder Listenansicht organisiert. Wer über den zu Android gehörigen Onlineshop Market Zusatzsoftware nachlädt, findet diese nach der Installation ebenfalls alphabetisch im Hauptmenü eingereiht und kann die Einkäufe anschließend in die gewünschten Ordner verschieben.

Widgets

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Mithilfe von Swype hat der Nutzer seine sozialen Kontakte stets im Blick.

Wie bei der Bedienoberfläche geht Samsung auch hier eigene Wege: Neben dem Google-Shop findet sich das neu aufgelegte Portal "Samsung Apps" als Menüpunkt, das eine Sammlung von Widgets und Programmen zum Gratis-Download bereithält. Vom Start weg hat Samsung einiges an Soft-Inhalten eingepflegt, darunter einen praktischen Dateibrowser zum besseren Überblicken und Organisieren von Inhalten, der bei Androiden nicht standardmäßig vorgesehen ist. Geistesblitze kann man direkt einem Sprachmemo-Programm diktieren, in einer sehr schicken Tagebuch-Anwendung lassen sich Überlegungen und Eindrücke samt Bildern chronologisch sortiert sammeln.

Mit von der Partie ist auch der E-Book-Reader Aldiko, eine App, die sich Android-Handys auch gratis aus dem Market laden können. Der Reader bietet Zugriff auf eine Online-Datenbank mit frei verfügbaren E-Books in überwiegend englischer, aber teilweise auch deutscher Sprache. Ganz nach Gusto lassen sich Schriftgröße und -art sowie Zeilenabstand und Textrahmen individuell einstellen.

Beim Lesen im Freien spiegelt das Display des Samsung Galaxy S I9000 erfreulicherweise nicht ganz so stark wie herkömmliche TFT-Bildschirme. Und wer sich in einer fremden Stadt herumtreibt und nicht weiß, vor was für einem Denkmal er steht, wird auch nicht allein gelassen: Augmented Reality ist ein Thema, das in nächster Zeit immer präsenter werden wird - mit Layar hat das neue Galaxy S einen solchen Reality Browser, der Informationen zur näheren Umgebung liefert, bereits vorinstalliert.

Die Software, die für alle anderen Androiden ebenfalls kostenlos im Market bereitsteht, scannt mithilfe der Fotokamera die Umgebung in Echtzeit ab, erkennt Museen, Restaurants oder Einkaufspassagen und kann auf Wunsch beispielsweise den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag aufrufen. Unser Tipp: Einfach ausprobieren und staunen!

Auf Straßen ein treuer Begleiter

Google-Navi

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Die kostenlose Google-Navi kann auf dem großen Screen optimal genutzt werden.

Soll das Samsung Galaxy S mithilfe der kostenlosen Google-Navigation zum digitalen Lotsen umfunktioniert werden - was sich aufgrund des großen Screens natürlich anbietet -, muss zuerst Google Maps über den Android Market aktualisiert und anschließend das Sprachsample für die aktive Routenführung heruntergeladen werden. Dazu wird man automatisch aufgefordert, sobald das Update abgeschlossen ist.

Da das Android-Modell Multitasking-fähig ist, kann während der Fahrt auch der optisch wie funktional gefällige MP3-Player für Unterhaltung sorgen. Dieser listet Titel wahlweise nach Interpreten, Alben oder Genres auf; Wiedergabelisten können direkt am Gerät erstellt und bearbeitet werden. Audiophile Nutzer müssen sich nicht mit voreingestellten Frequenzbändern zufriedengeben, sondern können die acht Bänder des Equalizers den individuellen Vorlieben anpassen und über die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse an der Gehäusestirn ihre eigenen Kopfhörer anstöpseln - wobei das mitgelieferte Headset mit Bedienpanel für eingehende Anrufe insgesamt schon ganz ordentlich klingt. Mit über 7,6 Gigabyte internem Speicher ist schon von Haus aus ausreichend Platz für Musik, Videos und Bilder vorhanden. Per MicroSD-Karte können bis zu weitere 32 Gigabyte nachgerüstet werden.

Fingerspiele und Sensortasten

Bedient wird das Samsung Galaxy S I9000 hauptsächlich über den kapazitiven, das heißt auf Berührung ansprechenden Touchscreen; unterhalb des Bildschirms finden sich links und rechts noch zwei Sensortasten zum Einblenden des kontextabhängigen Menüs und die Zurück-Taste. Dazwischen sitzt der Homebutton, der ganz dezent in das Gehäuse eingelassen und dank einer leicht erhobenen Umrandung auch im Dunklen zu ertasten ist. Bei kurzem Drücken werden die aktiven Anwendungen beendet und die Startansicht aufgerufen; längeres Drücken öffnet das Multitaskingfenster.

Eine separate Auslösetaste für die 5-Megapixel-Kamera - die ohne Foto-LED auskommen muss und sich insgesamt eher für schnell geschossene Spaßfotos empfehlen kann - gibt es nicht, dafür wiederum ein üppiges Kameramenü und ein Frontobjektiv für Videotelefonie und Selbstporträts.

Alternative Texteingabe

Über die Notwendigkeit einer mechanischen Schreibtastatur wird unter Vielschreibern gerne kontrovers diskutiert. Das Samsung Galaxy S verzichtet darauf, bietet als 4-Zoller aber auch genug Fläche, um die virtuellen Tasten ausreichend groß darzustellen. Poweruser, die täglich mehrere Dutzend E-Mails beantworten möchten - neben POP3 und IMAP wird auch Exchange unterstützt - mögen eine echte Volltastatur missen.

Swype

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Swype ist eine alternative Eingabemethode, bei der in einem Fingerzug alle Buchstaben eines Wortes Abgefahren werden.

Ansonsten gilt: SMS, Notizen und Status-Updates lassen sich mit dem Samsung Galaxy S gut tippen - man gewöhnt sich schnell an die Empfindlichkeit des Displays, kleinere Vertipper kompensiert das auf Wunsch auch abschaltbare Wörterbuch. Obendrein wartet das Samsung Galaxy S mit der alternative Texteingabe Swype auf, die allerdings erst einmal beherrscht werden will: Ohne den Finger abzusetzen, fährt der Schreiberling Buchstabe für Buchstabe des einzugebenden Wortes in einem Wisch ab.

An diese Methode muss man sich, wie gesagt, erst einmal gewöhnen, vor allem muss man gut mit dem Qwertz-Layout vertraut sein, da man sich mit Daumen oder Zeigefinger ständig selbst die Sicht auf die Tastatur versperrt. Doch Training zahlt sich auch hier aus: Hat man einige Zeit mit Swype hantiert, klappt die Texteingabe erstaunlich gut und flott.

Stolzer Preis, stolzes Ergebnis

Im Labor hat das Samsung Galaxy S seinen Lauf fortgesetzt: Die Ausdauer im Nutzungsmix haben wir eingangs bereits gelobt, die reinen Gesprächszeiten im D- und E-Netz fallen mit über 11 beziehungsweise 13 Stunden ebenfalls gut aus. Die Klangqualität überzeugt in beide Richtungen. Dazu passen dann auch die ordentlichen Empfangsqualitäten im 2G- und 3G-Betrieb - Telefonieren macht mit dem Galaxy S richtig Spaß. Die Verarbeitung ist wie von Samsung gewohnt sehr ordentlich, abgesehen vom leicht knarzenden Akkudeckel; das Kunststoffgehäuse liegt ausgewogen in der Hand, ist für das bequeme Tragen in der Hosentasche jedoch einen Tick zu groß.

Das alles hat natürlich seinen Preis: 650 Euro Preisempfehlung sind kein Pappenstiel, doch das Geld ist gut angelegt. Für den ganz großen Coup und Platz 1 in der Bestenliste hat es zwar nicht gereicht - einen Volltreffer hat Samsung mit dem Galaxy S I9000 aber allemal erzielt.

Weitere Informationen:

Im Vergleich: Samsung Galaxy S2 gegen iPhone 4 und Samsung Galaxy S

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