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Testbericht Samsung Galaxy S2 LTE im Praxistest

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Samsung Galaxy S2 LTE
Samsung hat uns den Prototypen eines LTE-Smartphones zum Test in die Redaktion geschickt. Blicken Sie mit uns und dem Galaxy S2 LTE in die nahe Mobilfunkzukunft.

Es liegt ziemlich unverdächtig auf dem Schreibtisch. Wüssten die Kollegen nicht um die Besonderheit dieses Geräts, würden sie wohl vermuten, es handle sich um ein normales Samsung Galaxy S2 – ein leistungsstarkes Android-Smartphone zwar, aber in dieser Form schon seit mehreren Monaten bekannt und zumindest bei connect nicht geeignet, besondere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Doch dieser Prototyp, der der Redaktion in einem noch frühen Entwicklungsstadium vorlag, trägt hinter seiner Typenbezeichnung einen kleinen, aber entscheidenden Zusatz: LTE. Und das ist eine kleine Sensation. Denn es handelt sich um das erste Modell mit der neuen Funktechnik, das nach der Präsentation auf der IFA die Entwicklungslabors verlassen durfte.

Noch vor Kurzem gingen Experten davon aus, dass die zum Funken nach LTE-Standard erforderliche Hardware zu groß und zu stromhungrig sei, um in ein klassisches Smartphone zu passen. Das Galaxy S2 LTE beweist, dass diese Einschätzung nicht mehr stimmt.

Ein Chip, drei Standards

Wer ganz genau hinschaut oder das S2 LTE neben sein Schwestermodell aus der Standard-Serie legt, entdeckt aber doch feine Unterschiede: Der LTE-Prototyp hat einen 4,5-Zoll-Touchscreen (Diagonale 11,4 cm), der 0,2 Zoll beziehungsweise 5 Millimeter größer ist als das 4,3-Zoll-Display des Galaxy S2.

Die Bildschirmauflösung bleibt mit 480 x 800 Pixeln jedoch unverändert. Als Folge des größeren Displays sind auch die Abmessungen etwas gewachsen: 130 Millimeter hoch, 69 Millimeter breit und 9,5 Millimeter dick ist das LTE-Gerät (S2: 125 x 66 x 9 mm). Zudem wiegt es mit 130 Gramm 14 Gramm mehr.

Der Größen- und Gewichtszuwachs dürfte dem Platzbedarf der LTE-Technik geschuldet sein. Dennoch ist es beeindruckend, dass die erforderlichen Bauteile samt mehrerer Antennen in ein so schlankes Smartphone passen.

Funkmodus nach Bedarf: Der Mobilfunkchip im Galaxy S II LTE lässt sich zwischen LTE, Wideband- CDMA (sprich UMTS) und GSM umschalten. Im frühen Prototypen, der connect zur Verfügung stand, klappte das allerdings noch nicht.
Funkmodus nach Bedarf: Der Mobilfunkchip im Galaxy S II LTE lässt sich zwischen LTE, Wideband- CDMA (sprich UMTS) und GSM umschalten. Im frühen Prototypen, der connect zur Verfügung stand, klappte das allerdings noch nicht. ©

Der von Qualcomm gelieferte Multimode-Chip, der in dem Prototypen steckt, unterstützt neben LTE auf den Frequenzbändern um 800, 1800 und 2600 MHz (mit bis zu 100 Mbit/s im Downlink und bis zu 50 Mbit/s im Uplink) auch noch die Funkstandards UMTS/HSPA+ (um 900 und 2100 Mbit/s mit maximal 21,1 Mbit/s im Downstream und 5,8 Mbit/s im Upstream) sowie EDGE (236,8/ 118,4 kbit/s) und GPRS/GSM (53,6/13,4 kbit/s; Quadband 850/ 900/1800/1900 MHz). Damit wäre das Galaxy S2 LTE für den Einsatz in allen Funknetzen gerüstet, die heute von deutschen Mobilfunknetzbetreibern angeboten werden.

Starkes Innenleben

Einige weitere Besonderheiten spielen sich im Innenleben des Smartphones ab: Während das auf UMTS/HSPA beschränkte Galaxy S2 von einem Doppelkern-Prozessor mit 1,2 GHz Taktfrequenz angetrieben wird, arbeitet im Galaxy S2 LTE eine stärkere Version mit 1,5 GHz – eine nachvollziehbare Entscheidung der Ingenieure, da sie Browser und Apps befähigt, auch schneller hereinströmende Daten zügig abzuarbeiten.

Dabei verbrauchen LTE-Chip und Prozessor aber deutlich mehr Strom als die Innereien eines UMTS-Geräts wie des Galaxy S2. Deshalb hat Samsung auch die Akkukapazität aufgerüstet: 1850 Milliamperestunden liefert der Lithium-Ionen-Akku des S2 LTE – 1650 mAh sind es bei der Standard-Version.

Einigen Quellen zufolge sollen im Galaxy S2 LTE zudem ein Chip und die erforderlichen Antennen für die Nahfeld-Übertragungstechnik NFC (Near Field Communications) stecken. Damit könnte das Smartphone künftig zum Beispiel Visitenkarten durch bloßes Aneinanderhalten mit einem anderen NFC-tauglichen Handy austauschen.

Auch für den Einsatz als digitale Geldbörse (englisch Digital Wallet) wäre das S2 LTE bereits fit. Da die installierte Android-Software jedoch keine Apps oder Bedienelemente für NFC aufwies, ließ sich dies im Praxistest nicht überprüfen.

Angetrieben wird das S2 LTE von der Android-Version „Gingerbread“. Die Unterversion 2.3.5 weist laut Angaben von Android-Erfinder Google Erweiterungen für den 4G-Funk und eben NFC auf.

Im Wesentlichen präsentierte sich der LTE-Prototyp jedoch mit derselben Auswahl an Funktionen und Apps wie reguläre Gingerbread-Geräte – inklusive der Samsungtypischen Erweiterungen wie Kies air, Allshare, Mini Diary und Ähnlichem mehr. Auch die weitere Hardware-Ausstattung des Galaxy S2 LTE entspricht dem Serienmodell Galaxy S2 – womit sich das Gerät allerdings keineswegs zu verstecken braucht:

8-Megapixel-Hauptkamera mit LED-Blitz und 2-Megapixel-Frontkamera, WLAN nach schnellem 802.11n-Standard, Bluetooth 3.0 mit breiter Profilunterstützung, A-GPS, USB 2.0, Beschleunigungs- und Annäherungssensoren wie ein digitaler Kompass qualifizieren das Gerät als eines der Topmodelle im Produktportfolio von Samsung. Eingebaut sind 16 GB Flashspeicher, der sich überdies mit einer Micro-SD-Karte erweitern lässt.

Mit den derzeit verfügbaren 32-GB-Kärtchen lässt sich das Fassungsvermögen für Apps und Daten also auf 48 Gigabyte hochrüsten. Und sofern die Firmware auch die kommenden 64-GB-Micro-SDHCs unterstützen wird, läge das absehbare Maximum bei stolzen 80 GB. Das würde nicht zuletzt das iPhone 4S deutlich überflügeln.

Noch kein Livetest möglich

An der Datenleine: Mit der Tethering-Funktion kann das Galaxy S II LTE seine Highspeed-Verbindung auch Notebooks, Tablets und Co zur Verfügung stellen – solange das im Tarif enthaltene Datenvolumen mitspielt.
An der Datenleine: Mit der Tethering-Funktion kann das Galaxy S II LTE seine Highspeed-Verbindung auch Notebooks, Tablets und Co zur Verfügung stellen – solange das im Tarif enthaltene Datenvolumen mitspielt. ©

Selbstverständlich setzte connect alles daran, die LTE-Künste des Geräts auch in der Praxis auszuprobieren. Leider war dieses Unterfangen jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Trotz abwechselnder Bestückung mit LTE-SIM-Karten von Telekom und Vodafone und gezieltem Anfahren mehrerer angeblich LTE-versorgter Regionen mochte sich das Samsung partout nicht ins LTE-Netz einbuchen. Auch intensive Konsultationen mit den Netzbetreibern und Samsung brachten leider keine Klärung der Ursache.

Die Vermutung liegt jedoch sehr nahe, dass die LTE-Netze den ihnen unbekannten Endgerätetyp einfach abgewiesen haben. Schließlich gab es bisher lediglich USB-Sticks für den LTE-Empfang. Insofern müssen wir Ihnen Praxiseindrücke und Angaben zur Akkulaufzeit leider bis auf Weiteres vorenthalten. Sobald entsprechende Testergebnisse vorliegen, wird connect sie aber auf jeden Fall nachliefern.

Ohnehin wären auch die deutschen Netzbetreiber noch nicht ganz soweit, dass das Samsung Galaxy S2 LTE in ihren Funkzellen sinnvoll eingesetzt werden könnte: So unterstützen die bislang betriebenen LTE-Netze weder den Handover zwischen LTE-Zellen noch den Fallback bei laufender Verbindung auf UMTS oder GPRS.

Auch Telefonate via LTE wären bislang nur über Umwege möglich, indem sich das Handy dafür entweder ins GSM- oder UMTS-Netz einbucht oder das Gespräch per Voice over IP führen würde. Der Marktstart des Galaxy S2 LTE ist laut Samsung in Deutschland für das erste Quartal 2012 geplant.

Eine Preisempfehlung nannte der Hersteller bisher noch nicht. Obwohl der LTE-Prototyp seinen ersten Liveeinsatz außerhalb von Testlabors noch vor sich hat, beeindruckt er Stand heute bereits mit reichlicher Ausstattung, großem Leistungsumfang sowie der kompakten Bauform, die Samsung trotz der enorm aufwendigen LTE-Technik gelungen ist. Lassen wir uns überraschen, ob das Galaxy S2 LTE das erste serienreife 4G-Modell in Deutschland sein wird – oder ob ein anderer Hersteller schneller ist.

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