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Testbericht

Samsung SGH-i900 Omnia

connect


Bernd Theiss

8. September 2008

Wer immer dieser Tage ein Touchscreen-Phone herausbringt, bekommt ganz schnell das Label eines potenziellen iPhone-Killers verpasst. Das gilt auch für das Samsung SGH-i900 Omnia, und seine Schöpfer in Korea werden das mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen.

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Denn natürlich ist es eine Auszeichnung, mit dem Kulthandy aus Cupertino verglichen zu werden – doch andererseits überzeugt das iPhone durch die  geschickte Reduktion auf das Wesentliche, während das SGH-i900 seinen Anspruch, ein Alleskönner zu sein, mit dem lateinischen Omnia stolz im Namen trägt.

Dass Samsung mit dem SGH-i600 Mitte letzten Jahres und mit dem SGH-i780 knapp ein Jahr später schon zweimal ein PDA-Phone auf die vordersten Plätze der connect-Bestenliste brachte, macht auf den in der Testversion 650 Euro teuren Neuling sehr gespannt.

Neues User-Interface

In einer Eigenschaft liegt das Omnia aber tatsächlich näher am iPhone als an seinen Vorgängern: bei den Bedienelementen. Setzten die Samsung-PDA-Phones bisher auf Qwertz-Tastaturen, die zum Teil durch einen Touchscreen ergänzt waren, so muss das SGH-i900 allein mit einem berührungsempfindlichen Display auskommen. Das hat natürlich deutlich mehr Fläche als etwa der Bildschirm des SGH-i780; bei der Auflösung von 400 x 240 Pixeln muss es sich dem 320 x 320 Pixel darstellenden Tastaturgerät jedoch knapp geschlagen geben.

Bei der Touchscreen-Technik geht Samsung gegenüber Apple den konventionellen Weg. Während die kapazitive Oberfläche des iPhones zwei Berührungen gleichzeitig auswerten kann, was etwa für das Aufziehen eines Bildes gut ist, kommt der resistive Sensor des Omnia nur mit einer Berührung klar. Die kann auf den oberen Menüebenen auf recht großen Icons bequem mit dem Finger erfolgen; Samsung hat Windows Mobile dazu sogar um selbst entwickelte Bedienoberflä­chenelemente ergänzt.

Das ist nur konsequent, schließlich findet sich im ganzen Omnia-Gehäuse kein Stylus zum punktgenauen Treffen von kleinen Symbolen. Den vollständigen Verzicht auf den Eingabestift wollen die Koreaner den Omnia-Usern dann aber doch nicht verordnen: Ein ausziehbarer Stylus mit Halterung, die über ein kurzes Seil an einer Gehäuse-Öse befestigt werden kann, gehört zum Lieferumfang.

Menüs im Überfluss

Zur fingergerechten Bedienung gehören die von Samsung schon bekannten Widgets. Das sind Icons und Anzeigen auf einer am linken Displayrand befindlichen, wegblendbaren Leiste. Zieht man diese auf den Home-Bildschirm, können die zuvor inaktiven Icons je nach Widget zur Information oder als große Schnellstartknöpfe dienen.

Daneben lässt sich vom unteren rechten Home-Bildschirm das sogenannte Hauptmenü starten, das einen weiteren Zugang zu häufig benötigten Programmen bietet. Hierzu ist der Bildschirm in zwölf Icons aufgeteilt, ein Pfeil am unteren Rand führt zu einem Dutzend weiterer Schaltflächen.

Applikationen, die keinen Knopf abbekommen haben, finden sich in einem großzügigen Listenmenü, das über den Button „Programme" erreichbar ist. Daneben gibt es natürlich noch die von Windows Mobile bekannten Wege zu den einzelnen Anwendungen. Wem nach dieser Beschreibung die Bedienung kompliziert vorkommt, der hat nicht ganz unrecht. Bis man sich als Neuling die jeweils günstigsten Wege zu den gerade benötigten Anwendungen erarbeitet hat, braucht es schon einige Experimente.

Selbst bei der Text-, Zahlen- und Zeicheneingabe hat Samsung auf Windows Mobile draufgepackt: Neben den vier Möglichkeiten, die das Betriebssystem mit Buchstaben- und Strichzugerkennung, Tastatur und Transcriber bietet, hat Samsung noch die fingerfreundlichen Eingabemöglichkeiten Keyboard, Keypad und Phonepad hinzugefügt, sodass dem experimentierfreudigen Anwender glatte sieben Symboleingabewege zur Auswahl stehen. 

Zu viel des Guten

Doch damit sind die Entscheidungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft. Der rechteckige Knopf unterhalb des Displays ist ein Touchpad wie vom Notebook bekannt, nur im Miniaturformat. Wahlweise kann das Pad als Vier-Wege-Navigator oder als Mauszeigersteuerung konfiguriert werden, jeweils mit Aktivierungsfunktion durch festen Druck.

Bei so vielen Optionen war kaum vermeidbar, dass im praktischen Teil des Tests der Eindruck aufkam, dass Samsung das User-Interface überladen hat. Hier wäre weniger nach Eindruck der connect-Tester mehr gewesen. Ein wenig Übung vorausgesetzt, findet sich aber natürlich auch beim Samsung SGH-i900 zu jedem Feature ein schneller Weg.

Vollausstattung und mehr

Interessante Features bietet das smarte Phone jedenfalls reichlich. Da wären etwa die über 100 Megabyte Arbeitsspeicher zu nennen, die um 8 Gigabyte Flash-Disk ergänzt werden, was – je nach Qualitätsanspruch – für etwa 70 Stunden Musik gut ist; bei T-Mobile wird das Omnia dem Vernehmen nach sogar mit 16 Gigabyte angeboten.

Wem selbst das nicht reicht, der kann über einen – leider innenliegenden und vom Akku abgedeckten – Micro-SD(-HC)-Slot kräftig nachrüsten. Dass mit dem Marvell PXA312 mit 624 MHz ein meist zügig reagierender Prozessor Herr über die Bytes ist, versteht sich von selbst. Auch bei den Funkstandards fehlt von GSM bis UMTS mit HSDPA und von Bluetooth mit praktisch allen wichtigen Profilen bis zu WLAN fast nichts, was heute wichtig ist. Dass dabei auch die messtechnischen Eigenschaften ein glattes „gut" aus dem connect-Labor bekommen haben, ist bei PDA-Phones keineswegs selbstverständlich.

Fazit: Das bisher handlichste seiner Art

Ebenfalls des Lobes würdig ist – besonders in dieser Gerätegattung – die 5-Megapixel-Autofokus-Kamera mit ihren Betriebsarten für Panorama-Aufnahmen und für Gesichter, die erst dann aufgenommen werden, wenn sie zu lächeln beginnen. Trotz der vielen Features liegt auch die Ausdauer im grünen Bereich: 8 Stunden typischer Normalbetrieb und immer noch 4:30 Stunden UMTS-Telefonie sind für ein so kompaktes PDA-Phone schon beachtlich.

Damit bekommt das Samsung SGH-i900 Omnia trotz Kritik an der Bedienung ein klares „gut" in der Endnote. Unter den PDA-Phones mit Top-Ausstattung ist es sogar das bisher handlichste.


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