Menü
Testbericht

Sonim XP3 Enduro

Sonim XP3 Enduro
Der Hersteller Sonim dürfte wohl nur eingefleischten Handyfans ein Begriff sein. Kein Wunder, schließlich platziert die amerikanische Firma aus dem kalifornischen San Mateo ihre wenigen Modelle in einer ausgesprochenen Nische des Mobilfunkmarktes – dem Outdoor-Segment. Doch wer ernsthaft auf der Suche nach einem wirklich robusten Handy ist, der kommt an den Produkten von Sonim kaum vorbei.

In welchem Metier die Klientel zu finden ist, zeigt auch die im Dezember 2008 bekannt gegebene Partnerschaft mit der Mutter aller Geländewagenhersteller Land Rover. Bereits mit dem Erstling XP1 ("XP" steht für "xtreme performance") konnte sich Sonim eine treue Fangemeinde und einen guten Ruf erarbeiten.

Ein Handy für echte Kerle: Das Sonim ist groß, schwer und konzentriert sich auf das Wesentliche
Ein Handy für echte Kerle: Das Sonim ist groß, schwer und konzentriert sich auf das Wesentliche ©

Gewichtigen Anteil an dem Kultfaktor dürften auch die zahlreichen Fotos und Videos auf der hauseigenen Homepage und dem Videoportal Youtube haben, wo sich die Sonim-Handys den härtesten Herausforderungen stellen müssen. Mit dem Triband-Handy XP3 Enduro bringt Sonim nun sein zweites Modell auf den Markt – für stolze 499 Euro Preisempfehlung, was potenzielle Interessenten wohl erst einmal zusammenzucken lassen dürfte.

Im Internet wird der UVP allerdings deutlich unterboten, etwa vom Berliner Online-Shop Acode, bei dem das XP3 für rund 290 Euro zu haben ist; bei Amazon ist es derzeit für 320 Euro gelistet. Ein Blick auf das 162 Gramm schwere, massive Gehäuse aus Hartgummi und robustem Kunststoff zeigt denn auch, dass das Geld gut angelegt ist.

Der Akkudeckel ist verschraubt und mit einem Dichtungsring gegen Immissionen geschützt, auch ist das XP3 Enduro nach der US-Militärnorm MIL-810F und nach IP-57 zertifiziert, also gegen Einflüsse von Wasser, Staub, Schmutz und Salz resistent, zudem soll es Temperaturschwankungen von minus 20 bis plus 60 Grad locker wegstecken. Zu haben ist das Raubein in komplett schwarzem Gehäuse oder in der abgebildeten gelbschwarzen Variante, die wohl nicht zufällig an die Bagger und Baumaschinen von Caterpillar erinnert.

Problemlose Bedienung der alten Schule

Die seitlich angebrachten Tasten des Sonim sind größtenteils versenkt, lassen sich aber gut bedienen
Die seitlich angebrachten Tasten des Sonim sind größtenteils versenkt, lassen sich aber gut bedienen

Das Hauptmenü präsentiert sich auf dem mit 128 x 160 Pixeln recht grob auflösenden Farbdisplay ganz traditionell mit neun Einträgen und gut verständlichen Icons. Auch eine Ebene tiefer birgt das Sonim keine großen Fallstricke.

Allerdings sind die Bezeichnungen der einzelnen Menüpunkte oft sehr lang und scrollen im Schneckentempo über das Display. Auf Eingaben reagiert das Sonim dagegen erfreulich schnell: So kann man ohne Gedenkpausen durchs Menü zappen. Zur bequemen Bedienung tragen auch die gut voneinander abgegrenzten, mit sauberem  Druckpunkt reagierenden Tasten bei.

An den Rand eines Herzinfarkts kann einen die dreistufig einstellbare Lautstärke bringen, mit der sich das XP3 Enduro bei eingehenden Nachrichten oder Telefonaten Gehör verschafft. Da darf nach Herzenslust gehämmert oder gebohrt werden – das Sonim hört man immer. Fünf Klingeltöne stehen zur Auswahl, darunter der satte Sound einer Kettensäge.

Display kratzempfindlich, Ausstattung fehlt

Für einen Hauch von Komfort sorgt die Schnellanwahl von Programmen oder Telefonnummern
Für einen Hauch von Komfort sorgt die Schnellanwahl von Programmen oder Telefonnummern

Nach den eindrucksvollen Videos und Bildern auf der Homepage war der Tester natürlich gespannt, ob das XP3 Enduro wirklich so hart im Nehmen ist wie versprochen. Um es vorweg zu verraten: Bis auf eine Ausnahme wurde das Sonim seinem Ruf als "toughest phone" vollkommen gerecht. Egal ob beim Abtauchen in der Badewanne, beim Falltest auf hartem Betonboden oder bei fiesen Temperaturschwankungen zwischen Gefrierschrank und Backofen – das XP3 Enduro zeigte sich von sämtlichen Strapazen gänzlich unbeeindruckt.

Lediglich beim eher profanen Schlüsseltest an der Displayabdeckung enttäuschte das Sonim: Der Hersteller verspricht zwar, dass das Display absolut kratzfest sei, doch der Screen zeigte schon schon nach leichten Berührungen mit dem Schlüsselbart unschöne Kratzer; in diesem Punkt war der Testkandidat von Samsung deutlich robuster.

Doch ansonsten ist es schon sehr beeindruckend, wie das XP3 Enduro Fußtritte und Würfe ohne Macken an Gehäuse und Funktionstüchtigkeit übersteht. Weitaus weniger imponiert ein Blick auf die Ausstattungsliste: Neben den Standard-Telefoniefunktionen und SMS herrscht hier gähnende Leere.

Über einen Monat Empfang

Das Hauptmenü ist klassisch aufgebaut und weist mit gut verständlichen Icons den Weg zum Ziel
Das Hauptmenü ist klassisch aufgebaut und weist mit gut verständlichen Icons den Weg zum Ziel

Wenigstens hat das Handy Bluetooth, den Opera-Browser sowie ein Taschenlämpchen an Bord und bringt für den Datenabgleich mit Outlook ein Micro-USB-Kabel mit. Die notwendige Software für den PC muss der User von der Homepage herunterladen, kann damit aber lediglich Kontakte und Termine synchronisieren. Als Ausstattungshighlight befindet sich noch eine Kunststoff-Halteschale mit Hosenbund- beziehungsweise Gürtelhalter im Lieferumfang.

In einer ganz eigenen Liga spielte das XP3 Enduro bei den Ausdauermessungen im Labor der Testfactory. Hier blieb das Sonim sowohl im D- als auch im E-Netz fast unglaubliche 34 Tage auf Empfang – und ist damit mit Abstand neuer Rekordhalter.

Nicht weniger beeindruckend fallen die weiteren Ausdauerwerte aus: So lassen sich rund zehnstündige Telefonate führen, um Unklarheiten auf dem Bau zu beseitigen oder den Kumpels den gerade bewältigten Aufstieg zur Eiger-Nordwand im Detail zu schildern. Auch das Display ist kein Stromfresser: Bis zu 18 Stunden versorgt die helle Anzeige den Enduro-Besitzer im Dauerbetrieb mit Informationen, bevor die Lichter ausgehen.

Nicht ganz so rosig fielen die restlichen Messergebnisse aus: Beim Telefonieren stört die recht dunkle und leicht rauschende Akustik. Auch die Sende- und Empfangqualität könnte besser sein, wenngleich sie im Praxistest selbst im ländlichen Bereich nur wenig Probleme machte. Trotzdem kann es bei schwachem Netz zu Beeinträchtigungen kommen.

comments powered by Disqus
x